Skip to main content

Werbung

Verkehr •
Sport-Limousine im Schnell-Check

Porsche macht den Panamera zum Steh-auf-Männchen

Mit dem Panamera verbindet Porsche einen Sportwagen mit einer Luxuslimousine. Die aktuelle, dritte Auflage der Sport-Limousine ist eine dezente Weiterentwicklung. Trotzdem kann sie Lenkerinnen oder Linker mit einer neuen Komfortfunktion überrumpeln – auch im Schnell-Check von STREETLIFE.

Nerd-Faktor

«Wusch!» Das Geräusch einer Bewegung erschreckt mich, als ich in der Tiefgarage von Porsche Schweiz die Fahrertür des neuen Panamera öffne. Was ist jetzt passiert? «Das ist das neue Porsche Active Ride Fahrwerk», erklärt Kommunikations-Assistent Jonathan bei der Übergabe. «Es hebt die Karosserie im Stand an, um angenehmer ein- oder aussteigen zu können.» Cool! Sofort will ich wissen, ob das bei allen Türen funktioniert, und öffne die hintere Tür auf der Fahrerseite. Auch hier erhebt sich der Panamera sofort für mich, wie es der Anstand verlangt, wenn man am Tisch sitzt und einen Neuankömmling begrüssen will.

Es würde mich nicht überraschen, wenn diese Funktion schon bald auch im 911er erhältlich ist, der noch tiefer liegt. Die meisten Menschen können sich einen solchen Sportwagen erst leisten, wenn sie nicht mehr so beweglich sind und das Einsteigen in einen Boliden zur Yoga-Übung wird. Aber ich gebe zu, auch nach einwöchigem Test hatte ich mich noch nicht wirklich daran gewöhnte und erschrak jedes Mal aufs Neue, wenn sich der Panamera anhob. Vor allem, wenn man darin sitzt und aussteigen will, ist es ein sehr komisches Gefühl, wenn man plötzlich einen Satz nach oben macht.

Auch sonst ist der Panamera weit entfernt von einem puristischen Sportwagen, viel mehr ist er ein Hightech-Geschoss für vier Personen. Ein Head-up-Display ergänzt die digitalen Instrumente und natürlich darf ein grosser Touchscreen in der Mitte nicht fehlen. Dieser kann durch einen optionalen dritten Bildschirm für den Beifahrer ergänzt werden. Stark daran: Als Fahrer sehe ich nicht, was meine Begleitperson dort macht. Keine Ablenkung also.

Paparazzi-Faktor

Ein Porsche bleibt ein Porsche. Deshalb zieht ein Panamera auch in der Schweiz immer noch die Blicke auf sich, auch wenn die Porsche-Dichte wohl in keinem Land höher ist als bei uns. Aber der Panamera wird hierzulande kaum verkauft. Die Schweizerinnen und Schweizer kaufen neben dem Aushängeschild 911 vor allem die SUV-Modelle Macan und Cayenne. Am Design dürfte das nicht liegen. Der Panamera sieht schnittig aus. Die Designer haben die typischen Porsche-Merkmale gekonnt aufgenommen und in einer Limousine neu interpretiert. So wirkt der Panamera wie ein langgezogener 911er.

Die aktuelle, dritte Generation erkennt man von vorne am zusätzlichen Kühlerschlitz zwischen Kennzeichen und Motorhaube. Ansonsten hat sich zum Vorgänger nicht viel verändert. Vielleicht wirkt er deshalb etwas alt. Vor allem im Vergleich zum futuristischen Design des elektrischen Taycan. Aber weil es die Sport-Limousine nicht elektrisch gibt, ist der coolen Taycan-Look für sie wohl auch nicht vorgesehen.

Harassen-Faktor

Natürlich bietet ein Panamera mehr Platz als ein 911er. Nur ist das keine wirkliche Leistung und das eigentliche Raumwunder bei Porsche bleibt der Cayenne. Doch die Sport-Limousine will auch kein Lastesel sein. Die 430 bis 1264 Liter Ladevolumen reichen für die wichtigen Dinge, wie eine Golftasche. Clever: Wenn man die Heckklappe öffnet, hebt sich die Karosserie nicht an, um das Beladen nicht zu erschweren. Aber entscheidender ist der Platz im Fond. Hier sitzen Erwachsene trotz der schnittigen Dachlinie bequem und man kann sich hervorragend chauffieren lassen. 

Monza-Faktor

Nur ist im Panamera wie in jedem anderen Porsche der beste Platz immer noch jener hinter dem Steuer. Dabei ist es egal, ob ich mich elektrisch durch den Zürcher Berufsverkehr staue, mit dem dezenten V6-Schnurren über die Autobahn cruise oder ob ich mich im Sport-Hybridmodus eine gewundene Passstrasse hochschlängele. Fahrwerk und Dämpfer sind aktiv gesteuert und sorgen so jederzeit für die richtige Abstimmung. Sei es weich und komfortabel für den Alltag oder straff und bissig auf dem Pass.

Über den Nufenen-, Grimsel- und Sustenpass überzeugt der Panamera mit einer präzisen Spurführung. Ob spitz durch eine enge Haarnadel, ob schnell durch eine weite Kurve oder flott durch eine Engstelle, ich habe nicht das Gefühl, in einem fast zwei Meter breiten und über fünf Meter langen Auto zu sitzen. Im Sportmodus steht zudem die volle Systemleistung von 544 PS und 750 Nm zur Verfügung, was mich sogar vergessen lässt, dass der Panamera fast 2,3 Tonnen Leergewicht wiegt.

Diese Sport-Limousine sieht nicht nur aus wie ein 911er, sie fährt sich auch fast so – zumindest auf öffentlichen Strassen und innerhalb der Verkehrsregeln. Auf einer Rennstrecke hätte der Panamera natürlich keinen Stich.

Planeten-Rettungs-Faktor

Zum reinen Stromer hat es der Panamera noch nicht geschafft, dies bleibt dem Taycan vorbehalten. So gibt es Benzin- und Plug-in-Hybrid-Antriebe für die Sport-Limousine. Ich fahre den Allrad-Hybrid mit dem kleineren V6-Benziner. Akkukapazität und die Effizienz steigen in der dritten Panamera-Generation. Das reicht laut Porsche für 84 Kilometer Reichweite, in der Realität sind das für den Alltag ausreichende 70 bis 75 Kilometer. Der Verbrauch erreicht nicht die Fabelwerte von 3,8 Litern, aber Kompliment an die deutsche Sportwagenmarke: Sie weist auch einen Verbrauch bei entladener Batterie aus. Dessen 8,7 Liter sind, wenn man nicht gerade über drei Pässe rast, durchaus realistisch. Ordentliche Verbrauchswerte in Anbetracht von Leistung, Gewicht und Grösse des Panamera.

Check-Bilanz

Diese Sport-Limousine ist mit ihrem Fahrwerkstrick beim Einsteigen ein kleines Steh-auf-Männchen. Und das ist nur ein Beispiel dafür, dass der Panamera ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst ist. Das zeigt sich aber auch am Preisschild: 225'790 Franken kostet der Testwagen mit allen Extras. Und mir fehlt trotzdem etwas. Fast zu perfekt fährt sich der Panamera und der V6-Motor ist auch im Sportmodus zu dezent im Hintergrund. Für einen Porsche dürfte er etwas mehr Emotionen wecken – aber vielleicht will ich mir auch nur den Abschied leichter machen, weil diese Sport-Limousine für mich wie auch die meisten Menschen ein Traum bleiben wird.

Porsche Panamera 4S E-Hybrid: Fakten

  • Antrieb: 2,9-L-V6-Bi-Turbo mit 353 PS (260 kW), 500 Nm + 1 E-Motor mit 190 PS (140 kW) und 450 Nm = 544 PS (400 kW), 750 Nm Systemleistung
  • Antrieb: 8-Gang-Doppelkupplungs-Automatik, 4x4
  • Batterie: 25,9 kWh, Reichweite: 84 km
  • Fahrleistung: 0-100 km/h in 3,7 s, Höchstgeschwindigkeit 290 km/h / elektrisch 140 km/h
  • Verbrauch: Werk (bei entladener Batterie) / Test 3,8 (8,9) / 7,7 l/100 km, 86 (202) / 193 g CO₂/km, Energieeffizienz G
  • Masse: Länge/Breite/Höhe: 5,05 m / 1,94 m / 1,42 m
  • Laderaum: Kofferraum 430 - 1264 l
  • Gewichte: Leergewicht: 2255 kg, Anhängelast: - kg
  • Preis: ab 178’100 Fr., Testwagen mit Extras (Head-up-Display, Hinterachslenkung, Porsche Active Ride, Beifahrerdisplay, u.a.) 225’790 Fr. (Basis: Panamera, V6, 353 PS, Heck: 133'400 Fr.)

Werbung