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Hybrid-Coupé im Schnell-Check

Erfindet Honda mit diesem Antrieb den Sportwagen neu?

Bezahlbare Sportwagen sind selten geworden. Kerniger Sound und viel Leistung bedeuten heute drohende CO₂-Bussen, die sich auf den Preis niederschlagen. Honda versucht das im neuen Prelude mit einem Hybrid-Antrieb zu umgehen. Er soll Sportlichkeit und Effizienz kombinieren. Ob das gelingt, zeigt der Schnell-Check von STREETLIFE.

Paparazzi-Faktor

Eine lange Motorhaube, freche Spoilerlippen, ausgestellte Radhäuser, eine flache Silhouette und Heckspoiler. Genau so stellt man sich einen Sportwagen vor, und dieses Versprechen löst Honda mit dem neuen Prelude ein. Seit diesem Jahr ist die sechste Generation des japanischen Sport-Coupés in der Schweiz erhältlich – nach über zwanzig Jahren Pause. Es ist ein gewagter Zeitpunkt, um mit einem Sportwagen ohne Elektroantrieb auf den Markt zu kommen. Es kann aber auch aufgehen, denn im unteren und mittleren Preissegment war die sportliche Auswahl selten kleiner als aktuell. Und optisch vermag der Prelude schon mal zu überzeugen.

 

Harassen-Faktor

Auch beim Platz macht er einem Sportwagen alle Ehre. Sprich: Es gibt nicht viel davon. Die zwei Rücksitze sind selbst für Kinder eher eine Notlösung. Der bescheidene Kofferraum reicht mit 264 Litern für ein romantisches Wochenende zu zweit – ohne grossen Kleidungsbedarf. Bei umgeklappten Sitzen bleibt es bei eher bescheidenen 663 Litern Ladevolumen. Das ist gerade genug für den Wochenendeinkauf oder die Fahrt zum Recyclinghof.

Nerd-Faktor

Ein grosses Smartphone oder kleines Tablet machen dem Bildschirm im Prelude schon Konkurrenz. Aber bei einem Sportwagen soll der Fokus auch nicht auf dem Entertainment-System liegen, sondern auf der Strasse. Und genau darauf ist der Honda ausgelegt. Der kleine Bildschirm reicht, um das Radio einzustellen und bei Bedarf zu navigieren. Aber in einem Prelude sucht niemand den schnellsten Weg, sondern die fahrerisch spannendste Route. Sprich: mit möglichst vielen Kurven. Um den Fahrer dabei zu unterstützen, verzichtet Honda auf viele Touchbedienungen. 

Gerade die Klassiker wie Lautstärke und Temperatur lassen sich noch über praktische und hochwertig verchromte Drehräder einstellen.

Monza-Faktor

Beim Prelude steht eine grosse Frage im Raum: Wie sportlich kann ein Hybrid-Antrieb sein? Honda setzt bei seinem Coupé auf die gleiche Technik, die im Civic mit ihrer Sparsamkeit überzeugt. Grundsätzlich sorgen zwei Elektromotoren mit 184 PS Systemleistung für den Vortrieb. Der Strom kommt aber nicht aus einer Batterie, sondern wird vom Zweiliter-Benzinmotor stetig generiert. Eine Kupplung sorgt dafür, dass bei höheren Tempi der Benzinmotor für Vortrieb sorgt und im Sportmodus beide Antriebe zusammen den Prelude über die Vorderräder vorwärts ziehen.

Elektro weckt die Erwartungen für eine rasante Beschleunigung, aber hier kann der Prelude nicht überzeugen. 8,2 Sekunden vergehen, bis der Honda aus dem Stand eine Geschwindigkeit von 100 km/h erreicht. Viele heutige Elektroautos ohne sportliche Ambitionen legen diesen Sprint schneller zurück. Das ist aber auch alles, was sie können. Schon auf der Bremse sind diese Stromer mit der Leistung und Beschleunigung überfordert. Im Prelude packen die Bremsen richtig zu und bringen das Coupé sicher und schnell zum Stehen.

Auch in den Kurven ist der Honda diesen Alltags-Stromern überlegen. Das straffe Fahrwerk ist perfekt abgestimmt und sorgt für eine tolle Strassen- und Kurvenlage. Es harmoniert mit der direkten Lenkung. Diese Kombination vermittelt dem Fahrer ein Gefühl von Kontrolle über das Auto, wie es bei einem Sportwagen sein sollte.

Und weil der Prelude über einen Benzinmotor verfügt, gibt es sogar echten Motorensound. Je nach Fahrmodi simuliert ein ausgeklügeltes System, Schaltvorgänge mit der entsprechenden Geräuschkulisse inklusive Zwischengasstoss beim Runterschalten. Selbst der E-Motor spielt mit und nimmt kurz Gas weg und es ruckt kurz, wie bei echten Schaltvorgängen. Dieses System arbeitet stimmig und lässt sich auf Wunsch abschalten.

Planeten-Rettungs-Faktor

Der Antrieb kostet vielleicht etwas Sprint-Stärke, aber dafür kostet er an der Zapfsäule auch weniger Franken. Honda gibt 5,2 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer an. Im Schnell-Check von STREETLIFE waren es etwas mehr, aber 6,5 Liter sind ein starker Wert für einen artgerecht bewegten Sportwagen, der viel Fahrspass bietet. Das dürfte auch daran liegen, dass der Prelude trotz aufwendigem Hybrid-Antrieb nicht einmal 1,5 Tonnen wiegt.

 

Check-Bilanz

Der Honda Prelude hat das Potenzial, für rund 50'000 Franken die Gattung der bezahlbaren Sportwagen zu retten. Ist der Sprint von 0 auf 100 km/h zu langsam? Für das heutige Verständnis und im Vergleich zu vielen Elektroautos ja. Aber der Prelude ist keineswegs langsam. Er kommt flott in die Gänge, ohne gleich mit einem Fuss im Gefängnis zu stehen, wenn man zu lang auf dem Gas bleibt. Abgesehen davon will der Prelude nicht auf die Rennstrecke, sondern seinen Besitzern einfach nur Freude bereiten. Und das tut er, sobald man eine freie und kurvige Strasse vor sich hat. 

 

Hier zeigt sich das Honda-Coupé ausgesprochen agil, ohne so brachial zu sein, dass allfällige Beifahrer einen bremsen, weil es ihnen zu wild wird. Und bei dem Test-Verbrauch von 6,5 Litern gibt es diesen Fahrspass erst noch ohne Reue.

Honda Prelude e:HEV «Advance»: Fakten

  • Antrieb: 2 E-Motoren mit 2.0-l-R4-Benziner zur Stromerzeugung mit 184 PS (135 kW), 315 Nm
  • Antrieb: stufenloses Automatik-Getriebe, Front
  • Fahrleistung: 0-100 km/h in 8,2 s, Höchstgeschwindigkeit 188 km/h
  • Verbrauch: Werk / Test: 5,2 / 6,5 l/100 km, 117 / 153 g CO₂/km, Energieeffizienz D
  • Masse: Länge/Breite/Höhe: 4,53 m / 1,88 m / 1,35 m
  • Laderaum: Kofferraum 264-663 l
  • Gewichte: Leergewicht: 1473 kg, Anhängelast: - kg
  • Preis: ab 47’900 Fr., Testwagen mit Extras (Black Pack 1800 Fr., Metalliclackierung 990 Fr.) 50’690 Fr.

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