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Wie langweilig darf ein Skoda sein?
Skoda ist bei den Elektroautos Marktführer in der Schweiz. Keine Marke verkauft mehr Stromer. Bestseller ist der Elroq. Im Duell der STREETLIFE-Autochecker Pentti Aellig und Martin A. Bartholdi polarisiert nicht der Elektroantrieb, sondern das Skoda-Erfolgsrezept.
Bartholdi: Ich beantrage die Schweizer Staatsbürgerschaft für den Skoda Elroq. Dem tschechischen Elektro-SUV würde es sehr leichtfallen, sich bei uns zu integrieren. Die Schweizer Bevölkerung schätzt ihn, wie ein Blick in die letztjährige Verkaufsstatistik zeigt. Er landete auf Platz 7 der meistverkauften Autos der Schweiz. Und bei den Elektroautos liegt er hinter dem Tesla Model Y auf Platz 2. Ja, das reicht noch nicht für den roten Pass. Aber schon vom Aussehen her ist der Elroq ein Schweizer. Gefällig und zurückhaltend tritt der Elektro-Skoda auf. Die Designer scheinen nach der Devise «elegant auftreten, aber nicht auffallen» gearbeitet zu haben.
Aellig: Elegant langweilig. Am Steuer des Skoda Elroq taucht man schon nach wenigen gefahrenen Kilometern ein in die absolute Anonymität. Niemand schaut einem hinterher. Kein respektvolles Nicken. Kein neidvoller Blick. Kein Kompliment beim Aussteigen. Der Elroq ist das massgeschneiderte Auto für einen Versicherungsprokuristen, welcher aus der modernen Wohnsiedlung einer aargauischen Agglogemeinde nach Zürich-Altstetten pendelt. Der Elroq ist das Auto, welches vor Curling-Hallen oder dem Kirchgemeindehaus parkiert. Das Design des Elroq präsentiert sich sowohl aussen als auch innen modern und tadellos, aber eben markentypisch bieder. Schon beim Skoda Enyaq hat mich die Länge gestört. Und jetzt misst auch der «kleine» Bruder beinahe 4,5 Meter.
Überlänge merkt man sofort
Bartholdi: Es ist doch sehr mutig, einen kleineren Bruder zu präsentieren, der nur 16 Zentimeter kürzer ist und ansonsten gleich gross. Das macht den Elroq nur noch mehr zum Schweizer. Denn man bekommt fast gleich viel zu einem besseren Preis. Quasi «de Föifer und s Weggli». Die Länge fehlt nur im Kofferraum, dessen Ladevolumen im Elroq 115 Liter kleiner ist. Ich wage zu behaupten: Das bemerkt im Alltag niemand. Auch du nicht, Pentti.
Aellig: Da liegst du falsch. Ich habe das sofort bemerkt. In den von mir häufig aufgesuchten Parkhäusern ist mir der Elroq einen Zacken zu sperrig und vor allem: zu lang. An den Elektroladesäulen im Parkhaus sind viele Steckdosen hinten platziert. Lässt man nur 20 Zentimeter Abstand, ragt der Elroq bereits vorne leicht über die Markierung hinaus. Aber ich gebe es zu. Wer viel mit sich rumschleppt und sowohl vorne als auch in der hinteren Sitzreihe bequem reisen will, findet am beliebten neuen Skoda schnell gefallen.
Pentti Aellig
Schon als Kind begeisterte ich mich für Autos. Mit 12 fuhr ich (unerlaubterweise) bereits mit dem elterlichen Citroën 2CV herum. Mit 15 reiste ich alleine an ein Formel-1-Rennen in Monza. Und mit 22 kaufte ich mir einen Peugeot 205 GTI. Die Liebe zu dynamischen Hot Hatches ist geblieben: Als jahrelanger Porsche 911-Fahrer bin ich im Zeitalter der Klimaproteste auf einen unauffälligen Toyota GR Yaris umgestiegen. Die vielen neu erscheinenden Steckerautos verfolge ich neugierig, aber die Entwicklung ökologisch verbesserter Verbrennermotoren schreibe ich noch nicht ab.
Bartholdi: Der Elroq braucht gar nicht so einen grossen Kofferraum, Pentti. Denn das Ladekabel liegt nicht wie bei anderen E-Autos einfach im Laderaum herum. Es ist unter der Kofferraumabdeckung clever verstaut und ist erst noch immer zugänglich. Wenn das Ladekabel unter dem Kofferraumboden ist, ist es bei vollem Laderaum, beispielsweise mit Gepäck, nicht erreichbar, ohne alles auszuräumen. Dagegen kannst du doch nichts sagen, Pentti?
Die Elektro-Nabelschnur
Aellig: Richtig. Das Ladekabel ist praktisch platziert. Auf solche gut durchdachten Ideen wie in der Energiezufuhr-Klappe verstaute Eiskratzer oder beim Aussteigen griffbereite Regenschirme ist Skoda denn auch mächtig stolz. Grundsätzlich sind mir die Tschechen mit ihren praktikablen Autos sympathisch. Skodas Leute übernehmen von der klimapolitisch und gewerkschaftlich fokussierten Konzernmutter Volkswagen die Plattformen und Bauteile und bauen daraus kostengünstigere und praktischere Autos. Das zeigt sich eben auch beim unter der Kofferraumabdeckung platzierten Ladekabel, welches ja als Nabelschnur zwischen Windrad und Autobatterie dient.
Bartholdi: Diese Nabelschnur ist beim Elroq sehr lang – auch dank der von Pentti kritisierten Fahrzeug-Länge. Denn die liegt unter anderem auch an der Batterie mit 82 Kilowattstunden Kapazität. Diese sorgt für eine reale Alltagsreichweite im Auto-Check von STREETLIFE von über 400 Kilometern. Hier ist der Elroq besser als das Mittelmass, Pentti.
Aellig: Aber das ist nicht Skodas Verdienst, sondern liegt an der VW-Technik. Der Elroq ist optisch langweilig und zu lang. Man spürt, dass die Entwickler des Elroq jede Sekunde die breite Masse im Hinterkopf hatten. Auch bei der Fahrwerksabstimmung haben sie von vornherein den Kompromiss angestrebt. Nicht schwammig, nicht sportlich, sondern auf Skoda-typisches Fahrverhalten ausgerichtet. Doch ist das Leben nicht zu kurz, um ständig Kompromisse anzustreben?
Martin A. Bartholdi
Mit dem Autofieber haben mich die Kult-TV-Serie «Knight Rider» und das Formel-1-Rennen in den Strassenschluchten von Monte Carlo infiziert. Noch heute zaubern mir US-Sportwagen mit langen Motorhauben wie der Ford Mustang und wendige Kurvenkratzer wie der Mazda MX-5 ein Lächeln ins Gesicht. Mit Kombis und vor allem SUVs kann ich allerdings nur wenig anfangen, dann doch lieber echte Geländewagen. Wohl die Schuld des Computerautos K.I.T.T. ist auch, dass ich gerne neue technische Spielereien ausprobiere, seien es Assistenten, Infotainment oder Vernetzung.
Ein Auto für alle
Bartholdi: Natürlich ist das Fahrverhalten, um deine Worte zu verwenden, langweilig. Aber Skoda hat den Elroq nicht für Pentti entwickelt, sondern für alle. Und da steht die Familie im Vordergrund, wo für den Frieden Kompromisse immer gefragt sind. Denn die Familienmitglieder goutieren es nicht, wenn das Auto bei der kleinsten Berührung des Lenkrades nervös herumzuckt oder schon beim Streicheln des Bremspedals den Anker wirft. Die Familie will ein sanftes und ruhiges Fahrgefühl. Genau das bietet der ausgewogene Skoda. Und wie wir vom Alpine-Test und der Reaktion von Frau Aellig wissen, ist auch Pentti hier nicht immer ganz frei in seinen Entscheidungen.
Aellig: Schlussendlich muss ich dir recht geben. Dieses Auto ist tadellos. Und Erfolg gibt immer recht. Der Elroq verkauft sich gut und kommt bei der breiten Bevölkerungsschicht gut an. Dass ich mich persönlich zu etwas frecheren und kompakteren Autos hingezogen fühle, ist denn auch mein Problem.
Fazit
Bartholdi: Das Schöne am Automarkt ist ja, dass es diese Auswahl gibt. Du kannst dir dein freches Auto kaufen und der zurückhaltende Durchschnittsschweizer kann sich den Skoda Elroq ins Parkhaus der Aggloüberbauung stellen. Dem Tschechen fehlt vielleicht ein Alleinstellungsmerkmal, aber man kann mit ihm auch nichts falsch machen. Und Pentti, es gibt den Elroq ja auch als besonders sportlichen RS – wobei ich mir vorstellen kann, dass das Mambagrün dir dann schon wieder zu auffällig ist..
Aellig: Der Skoda Elroq ist, wie Martin zu Recht feststellt, ein typischer Schweizer. Zuverlässig und unauffällig fährt es sich problemlos durch den Alltag. Man soll sein Adrenalin-Depot ja nicht auf der Strasse leeren, sondern aufsparen für das Streitgespräch mit dem Chef.
Skoda Elroq 85: Fakten
- Motor: E-Motor mit 286 PS (210 kW), 545 Nm@1/min
- Batterie: Brutto / Netto 82 / 77 kWh = 532 km, Test: 417 km
- Antrieb: 1-Gang-Automatik, Heck
- Fahrleistung: 0-100 km/h 6,5 s, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
- Verbrauch: Werk / Test: 16.1 / 19.6 kWh/100 km, Energieeffizienz B
- Masse: Länge/Breite/Höhe: 4,49 m / 1,88 m / 1,63 m
- Laderaum: Kofferraum 470 l
- Gewichte: Leergewicht: 2219 kg
- Preis: ab 42'200 Fr., Testwagen mit Extras (eBravo (Technik und Assistenzpaket, nicht mehr erhältlich) 7750 Fr., Anhängerkupplung 890 Fr., Innenraumdesign «Lodge» 610 Fr., Netztrennwand 160 Fr., 19-Zoll-Räder 100 Fr.): 52'260 Fr., (Basis: Elroq 63 kWh, 204 PS, Heck: 36'960 Fr.)
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