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Fakten •
Freie Fahrt

Die Meilensteine in 140 Jahren Auto-Geschichte

Vor 140 Jahren wird das erste benzingetriebene Auto gebaut. Heute sind weltweit rund 1,5 Milliarden Personenkraftwagen unterwegs, jedes Jahr kommen 70 Millionen neue hinzu. Manche brauchen keinen Fahrer mehr.

0,32 Prozent aller Autos weltweit fahren in der Schweiz. Das entspricht dem Anteil der 4,8 Millionen in der Schweiz zugelassenen Fahrzeuge am weltweiten Fahrzeugbestand. Die 9,1 Milliarden Einwohner der Schweiz entsprechen aber nur 0,11 Prozent der Weltbevölkerung. Damit gibt es in der Schweiz im Vergleich zur restlichen Welt überproportional viele Autos.

 
 

 

Der Artikel stammt aus der Feder der Pragmaticus-Redaktion. Das Magazin mit Sitz im liechtensteinischen Schaan widmet sich den grossen Fragen unserer Zeit. Die Antworten kommen dabei direkt von namhaften Experten, die unverfälscht zu Wort kommen. STREETLIFE publiziert im Rahmen einer Kooperation regelmässig Pragmaticus-Artikel.

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Das überrascht nicht: Die Schweiz war immer am Puls der Geschichte des Automobils. Vor 140 Jahren wurde es im deutschen Mannheim quasi in der Nachbarschaft erfunden. Der Schweizer Louis Chevrolet gründete 1911 die Automarke Chevrolet. Durch den motorsportlichen Wettstreit mit zwei Brüdern baute er immer bessere Fahrzeuge. Sein Bruder Gaston gewann 1920 auf einem von Louis Chevrolet konstruierten Rennwagen das legendäre 500-Meilen-Rennen von Indianapolis.

Fast dreissig Jahre später spielte die Schweiz eine wichtige Rolle bei der Gründung einer der bekanntesten und renommiertesten Automarken der Welt: Porsche.

Fast dreissig Jahre später spielte die Schweiz eine wichtige Rolle bei der Gründung einer der bekanntesten und renommiertesten Automarken der Welt: Porsche. Das Startkapital für den Sportwagenhersteller kam aus der Eidgenossenschaft, ebenso das Aluminium für den Prototypen und die erste Porsche-Kundin überhaupt.

Zeitweise baute die Schweiz sogar eigene Autos. Die bekannteste einheimische Automarke war Monteverdi. Trotzdem ist die Schweiz heute noch ein wichtiger Teil der internationalen Autoindustrie – und zwar nicht als Kunde. Viele einheimische Unternehmen beliefern die Autobauer mit wichtigen Bauteilen. Die St. Galler Firma Bühler aus Uzwil gestaltet gerade die Zukunft der Autoproduktion mit (STREETLIFE berichtete). Sie baut Megacasting-Maschinen, mit denen grosse Chassis-Elemente als ein Bauteil gegossen werden können, die bisher aus bis zu 100 Einzelteilen bestanden. Damit wird die Produktion einfacher und günstiger, während die Fahrzeuge dadurch leichter und effizienter.

Aber legen wir die Schweizer Brille ab. Es gibt natürlich noch andere, ebenso bedeutende Meilensteine aus 140 Jahren Automobil-Geschichte.

1886

Carl Benz meldet in Mannheim ein «Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb» zum Patent an. Zwei Jahre später erhält er die erste Fahrerlaubnis der Welt vom Grossherzoglich-Badischen Bezirksamt. Doch die Kunden halten sich noch zurück. Erst als Carls Frau, Bertha Benz, im August 1888 eine 106 Kilometer lange Fahrt von Mannheim nach Pforzheim unternimmt und drei Tage später zurückfährt, beginnen Vorbehalte und Vorurteile gegenüber dem Automobil zu bröckeln. Ganz nebenbei macht sie noch Verbesserungsvorschläge, die ihr Mann übernimmt: einen kurzen ersten Gang zum Anfahren sowie Lederbeschläge auf den Bremsbacken, was Lebensdauer und Wirkung erhöhen sollte. Damit erfindet Bertha Benz die Bremsbeläge. Der Benzinmotor, der den Benz Patentmotorwagen antreibt, wurde übrigens schon 1870 von Siegfried Marcus in Wien konstruiert.

1894

Der 22. Juli gilt als Geburtsstunde des Motorsports. Ein französischer Journalist will vorhandene Ängste gegen die neue Technologie beseitigen und organisiert ein 127 Kilometer langes Rennen von Paris nach Rouen. Dabei geht es noch nicht in erster Linie darum, wer der Schnellste ist, sondern um Zuverlässigkeit. 102 Fahrzeuge melden sich an, darunter auch Dampfmobile, Elektroautos, kleine Personenwagen oder grosse Busse. 21 Fahrzeuge werden für den Start zugelassen, wovon 17 die Ziellinie überqueren. Als Erstes kommt ein grosses und schwerfälliges Dampffahrzeug im Ziel. Als Sieger wird aber der als Nächstes einfahrende Peugeot mit Benzinmotor erkoren, weil das Modell die geforderten Kriterien als das «ungefährlichste, am leichtesten zu bedienende und billigste Gefährt» besser erfüllt. Das erste Geschwindigkeitsrennen führt ein Jahr später über 1178 Kilometer von Paris nach Bordeaux und wieder zurück.

1899

Louis Renault baut eines der ersten Autos mit geschlossener Fahrerkabine. Das steigert den Alltagsnutzen weiter, weil sie wind- und regensicher werden. Scheibenwischer werden vier Jahre später erfunden. Die Amerikanerin Mary Anderson erhielt das Patent auf den ersten funktionierenden Scheibenwischer. Gleichzeitig hatten auch Robert Douglass und John Apjohn ein Patent eingereicht und der erste Entwurf geht auf den polnischen Konzertpianisten Jósef Hofmann zurück.

1913

Noch ist das Auto teuer, die Produktion aufwendig. Doch der US-Amerikaner Henry Ford revolutioniert die industrielle Massenfertigung für immer mit dem beweglichen Montagefliessband. In seiner Fabrik in Highland Park, Michigan, wird das Model T plötzlich in kürzerer Zeit, in höherer Anzahl und zu weniger Kosten gebaut. Damit macht Ford das Auto zu einem leistbaren Massenprodukt und Bestseller.

1934

Der Peugeot 401 Eclipse gilt als erstes Cabriolet der Welt – obwohl die ersten Automobile sowieso alle offen waren. Der Eclipse verfügt als erstes Auto der Welt über ein festes Hardtop-Dach, das sich versenken lässt. Die Cabrios bleiben zwar ein Nischenprodukt mit geringen, aber trotzdem einigermassen konstanten Verkaufszahlen, was ihnen einen festen Platz in der Automobilgeschichte gibt. Nachdem dem Höhepunkt in den 1990er und 2000er-Jahren nimmt ihre Beliebtheit rasant ab.

1959

Mit der zunehmenden Verbreitung des Autos und der steigenden Geschwindigkeit wird die Sicherheit immer mehr zum Thema. Volvo führt den Dreipunkt-Sicherheitsgurt ein. In der Schweiz wird aber erst 1981 für Fahrer und Beifahrer Pflicht und 1994 für die Rücksitze. Weitere wegweisende Sicherheitssysteme folgen: 1978 bietet Mercedes das elektronische Bremssystem ABS in der S-Klasse an, ab 1981 Airbags.

1997

Der Toyota Prius ist der erste erfolgreiche Grossserien-PKW mit Elektro- und Verbrennermotor. Sein Hybridantrieb wird zum weltweiten Aushängeschild von Toyota. Heute ist fast jedes Modell des japanischen Herstellers mit elektrischer Unterstützung für mehr Effizienz erhältlich. Historische Vorbilder wie den Mixte von Lohner-Porsche aus Wien gab es schon 96 Jahre früher.

2008

Tesla stellt mit dem Roadster, einem sportlichen Zweisitzer, sein erstes Elektroauto vor. Es ist der zweite Anlauf für die Elektromobilität, nachdem sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegen der mangelnden Reichweite gegen die Verbrennungsmotoren noch das Nachsehen hatte. Noch bevor das Model S ab 2012 Tesla endgültig zum Durchbruch verhilft, lanciert Nissan mit dem Leaf 2010 das erste Grossserien-Elektroauto. Zusammen mit Renault Zoe und BMW i3 gehören Telsa und Nissan zu den Wegbereitern der modernen Elektromobilität.

2025

Der elektrisch betriebene U9 Xtreme von Yangwang, der Premiummarke von BYD, erreicht 496,22 km/h. Er löst damit den benzingetriebenen Bugatti Chiron Super Sport 300+ als schnellstes Serienauto mit Strassenzulassung ab. Es ist ein ewiger Wettstreit, an dem sich auch Koenigsegg aus Schweden und Hennessy aus den USA beteiligen. Ein über 500 km/h schnelles Serien-Strassenauto ist nur noch eine Frage der Zeit.

Zukunft

Das Wort «Automobil» bedeutet «sich selbst bewegend», und das wird gerade Wirklichkeit. Das Auto von morgen fährt vollautonom – heute schon als Taxi in US-Städten, aber auch schon in der Schweiz, zum Beispiel im Furttal oder in der Ostschweiz. In Bern beliefern führerlose Lieferwagen 14 Umladepunkte mit Waren. Das Ziel: künftig fährt uns das Auto ans Ziel und wir können die Füsse hochlegen. Es wäre die nächste grosse Revolution der individuellen Mobilität.

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