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Politik & Wirtschaft •
Reaktionen auf Velo-Realitätscheck

Fehr Düsel: «Regeln gelten auch für Velofahrer»

Rotlicht ignoriert, Trottoir als Abkürzung, Stoppschild egal: Nach dem STREETLIFE-Realitätscheck brodelt die Community. Jetzt schaltet sich auch die Politik ein.

Der Velo-Realitätscheck hat einen Nerv getroffen. Kaum hatte STREETLIFE gezeigt, wie viele Velofahrende in Zürich, Winterthur und Basel während einer Stunde Feierabendverkehrs die Regeln missachten, füllten sich die Kommentarspalten. Der Tenor: Viele Automobilisten haben genug von Rotlicht-Rasern, Stoppschild-Überfahrern und Velofahrenden, die sich im Verkehr offenbar eigene Regeln schreiben.

11 Prozent pfeifen auf Verkehrsregeln

In Zürich zählte STREETLIFE an der Kreuzung Hohlstrasse/Duttwylerbrücke innert einer Stunde 506 Velos. Rund elf Prozent pfiffen auf die Verkehrsregeln. 55 Velofahrende ignorierten das Rotlicht, andere wichen auf Fussgängerstreifen oder Trottoirs aus. Auch in Basel und Winterthur zeigte sich: Wo Geduld gefragt wäre, wird auf zwei Rädern gern abgekürzt.

Die Reaktionen darauf fallen deutlich aus. «Sobald sie auf dem Velo sitzen, ist das Hirn ausgeschaltet», kommentierte Reinhard Ochsner den Beitrag. Eine andere Leserin ärgert sich vor allem über die gefühlte Schieflage zulasten der Autofahrenden: «Das ist gewollt. Die Autofahrer werden heutzutage nur noch eingeschränkt, wo es geht. Velos, E-Scooter oder Roller – wenn was passiert, sind wir Autofahrer schuld. Oder sie hauen ab, denn sie haben ja keine Nummer und sind nicht nachzuverfolgen», so Denise Kindler-Peter. 

«Schikane gegenüber dem Autofahrer»

Auch Patrick Kilchenmann versteht gewisse Verkehrsführungen nicht mehr. Er fragt: «Wieso müssen sich Velofahrer an der Ampel beim Linksabbiegen links hinstellen, wenn sie anschliessend sowieso wieder rechts fahren müssen?» Für ihn ist das «Schikane gegenüber dem Autofahrer». 

Rolf Schick schockiert, dass man mit dem Velo offenbar machen kann, was man will: «Sogar mitten auf der Strasse fahren.» Auch von Autospiegel abbrechen im Streit hat er bereits gehört. «Solche Idioten gibt’s», findet Schick. 

Sepp Wietlisbach bringt die Frage auf den Punkt, die sich offenbar viele stellen: «Und was gedenkt unsere Politik/Justiz dagegen zu unternehmen? Wahrscheinlich weiterhin nichts.»

Braucht es einen Veloausweis? SVP: «Geht zu weit»

Tatsächlich ist das rücksichtslose Verhalten einiger Velofahrer auch der Politik ein Dorn im Auge. SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel nimmt Stellung zum Thema: «Es braucht ein Nebeneinander aller Verkehrsträger. Denn Rotlichter und andere Regeln gelten auch für die Velofahrer. Gerade E-Bikes sind oft mit grossem Tempo unterwegs.» 

Doch wie kann man Velofahrende besser sensibilisieren: Braucht es am Ende sogar einen Veloausweis? Fehr Düsel winkt ab: «Ein Führerausweis zu fordern würde zu weit gehen. Aber es sollte nach Möglichkeit mehr Polizeikontrollen für Velofahrer geben. Mit dem Auto kam ich schon in unzählige Kontrollen und hatte auch schon vereinzelt Parkbussen, mit dem Velo noch nie.» 

Während ein Auto bei Tempoverstössen oder Rotlichtvergehen über das Kontrollschild relativ einfach identifiziert werden kann, fehlt beim Velo diese Möglichkeit. Wird ein Velofahrer von einer klassischen Radarfalle erfasst, führt das nicht automatisch zu einer Busse wie beim Auto. Es gibt keine Nummer, keine einfache Halterabfrage und damit oft auch keine Konsequenz. Für viele Automobilisten ist das schwer nachvollziehbar: Sie werden geblitzt, gebüsst und kontrolliert. Auf dem Velo wirkt der Verkehr dagegen schnell wie eine Grauzone.

Ärger über Veloweg-Missachtung

Damit ist auch die alte Frage nach der Velonummer zurück auf dem Tisch. Fehr Düsel hält hingegen an der Velo-Vignette für 20 Franken als Beitrag zur Infrastruktur fest: Die Wiedereinführung hatte sie bereits 2025 in einer Motion gefordert (STREETLIFE berichtete). Der Bundesrat zeigte Verständnis für das Anliegen, lehnte die Motion jedoch ab. Er sehe zu viele offene Fragen und könne ohne vorgängige umfassende Abklärungen keinen Gesetzgebungsprozess einleiten.   

Für Fehr Düsel geht es dabei aber nicht nur ums Geld, sondern auch um Verantwortung im Verkehr. Denn wer Infrastruktur nutzt, soll aus ihrer Sicht auch einen Beitrag leisten und diese Infrastruktur dann im Idealfall auch respektieren. Gerade dort, wo extra Platz fürs Velo geschaffen wird, ärgert sie sich über Ausweichmanöver auf andere Verkehrsflächen: «Was mich vor allem stört ist, wenn extra Velowege gebaut werden und die Velofahrer dann doch immer andere Wege nehmen.»

Mehr Konsequenzen für fehlbare Velofahrende

Die vielen Reaktionen auf den STREETLIFE-Realitätscheck zeigen also: Wer auf dem Velo Regeln missachtet, bleibt aus Sicht vieler Leserinnen und Leser viel zu häufig unbehelligt. Der Ruf nach mehr Kontrollen, klarerer Erkennbarkeit und mehr Verantwortung wird lauter.

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