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Verkehr •
Nach massivem Parkplatzabbau

Bussen-Anstieg um 75 Prozent: Illegales Trottoir-Parkieren nimmt zu

Während Schweizer Städte den öffentlichen Parkraum im Rekordtempo zurückbauen, explodieren die Bussenzahlen für illegales Parkieren. Allein in Zürich verzeichnet die Polizei einen Anstieg von 75 Prozent beim Parkieren auf dem Trottoir.

Stadtplaner träumen von Velorouten, Blumentöpfen und begehbaren Quartieren, doch Autofahrende stehen – egal ob Anwohner, Lieferanten oder Handwerker – vor dem Nichts. Allein in Zürich, Basel, St. Gallen und Bern wurden zwischen den zwei Jahren 2024 und 2025 2322 Parkplätze in der Blauen Zone ersatzlos gestrichen (STREETLIFE berichtete).  

Doch die Rechnung der Behörden, dass die Menschen deshalb ihr Auto verkaufen, geht nicht auf. Wer keinen Parkplatz findet, aber sein Ziel erreichen muss, landet immer öfter dort, wo es eigentlich verboten ist. So stiegen die Bussen für Parkieren auf dem Trottoir in Zürich im Jahr 2025 massiv um 75 Prozent an. Auch das Parkieren im signalisierten Halteverbot (+15 Prozent) und ausserhalb markierter Felder (+25 Prozent) hat deutlich zugenommen.  

Städteübergreifender Trend 

Die Zunahme der Parkbussen ist kein lokales Phänomen einzelner Quartiere, sondern zeigt sich städteübergreifend als deutlicher Trend. In Winterthur stieg die Gesamtzahl der Parkbussen von 32'859 im Jahr 2022 auf 39'245 im Jahr 2025 an. Ein Zuwachs von knapp 20 Prozent. Auch hier hat das illegale Abstellen des Autos auf dem Trottoir zugenommen: Waren es 2022 noch 315 Ordnungsbussen, waren es drei Jahre später bereits 467 – ein Plus von fast 50 Prozent. 

Auch in Luzern werden Autos nicht immer dort abgestellt, wo es vorgesehen ist. Die Luzerner Polizei bestätigt auf Anfrage von STREETLIFE, dass «vereinzelt Fahrzeuge nach einem Parkfeld abgestellt werden – quasi noch ein Parkplatz angehängt wird – oder Fahrzeuge auf Flächen abgestellt werden, welche nicht dafür vorgesehen sind.» 2022 spülten Parkbussen noch 20,7 Millionen Franken in die Zentralschweizer Staatskasse. Im Jahr 2025 steigerte sich der Betrag auf 22,1 Millionen. 

Die Gewerbekarte als stumpfes Schwert

Besonders prekär ist die Lage für Handwerker und Lieferanten (STREETLIFE berichtete). Die Stadt Zürich betont zwar, dass die Umgestaltung der Strassen «keinesfalls gegen das Gewerbe» erfolge. Doch die Realität sieht anders aus. Schreinerei-Inhaber Peter Epting aus Zürich riskiert täglich Bussen und kalkuliert jährlich mehrere tausend Franken dafür ein, da Umparkieren und Tagesbewilligung sich nicht immer lohnen (STREETLIFE berichtete). 

Eigentlich hätte eine neue Gewerbeparkkartenverordnung Erleichterung bringen sollen. Diese würde es Handwerkern erlauben, im Notfall auf dem Trottoir zu parkieren, sofern 1,50 Meter Platz bleibt. Doch die Stadt Zürich bestätigt gegenüber STREETLIFE: «Die erweiterte Gewerbeparkkarte ist durch Rechtsmittel blockiert.» 

Stadt Zürich verweist auf Privatgrund 

Auf Anfrage von STREETLIFE nimmt die Dienstabteilung Verkehr DAV der Stadt Zürich Stellung zur Situation. Nadja Häberli, Leiterin Kommunikation, betont, dass der Stadt die Bedeutung von Parkplätzen für Anwohnende und Gewerbe bewusst sei. Die Strategie sieht jedoch eine klare Priorisierung vor: «Die Parkierung sollte primär auf Privatgrund erfolgen», so Häberli. Man stütze sich dabei auf das kantonale Planungs- und Baugesetz PBG, welches vorsieht, dass Parkbedarf grundsätzlich auf eigenem Grund gedeckt werden muss. Durch die Realisierung von Pflichtparkplätzen bei Neubauten erwarte die Stadt eine stetige Ausweitung des privaten Angebots.  

Für Fahrzeughalter in älteren Quartieren ohne Tiefgaragen bedeutet diese Strategie jedoch eine faktische Verknappung, da der öffentliche Strassenraum nach dem Willen der Stadt primär anderen Zwecken dienen soll: «Attraktive öffentliche Räume und eine hohe Aufenthaltsqualität tragen nachweislich zu einer höheren Passantenfrequenz bei, was wiederum auch dem Gewerbe zugutekommt», so Häberli. Als Erfolgsmodelle nennt die Stadt das Limmatquai, den Rennweg oder die Weststrasse. 

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