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Zu lang fürs Parkfeld

Zürcher Parkbusse verärgert Handwerker:«Einfach Idiotie!»

Ein Handwerker ist sauer: Er kassierte eine Busse in Zürich, weil sein Lieferwagen leicht über die Grenzen eines öffentlichen Parkplatzes hinausragte, trotz ausreichend Platz auf dem Trottoir und ohne Behinderung anderer Verkehrsteilnehmender. Für ihn ist das nicht nachvollziehbar.

Ein Handwerker berichtete STREETLIFE von seinem Auftrag in Wollishofen – mit unangenehmen Folgen: Er sollte einen Bodenbelag ersetzen und hatte sich im Vorfeld um einen Parkplatz bemüht. «Hinten war wirklich noch viel Platz übrig auf dem Trottoir. Wir standen niemandem im Weg», betont er. Dennoch erhielt er eine Busse, weil sein Servicewagen hinten ein Stück über den markierten Parkplatz hinausragte. 

Für ihn ist das mehr als ärgerlich. Handwerker sind auf funktionierende Parkmöglichkeiten angewiesen, um Werkzeuge und Material schnell zur Baustelle zu bringen. Auf Social Media machte er seinem Unmut Luft: «Liebes Zürich. Nein, so verbessert ihr euer ohnehin arrogantes Image definitiv nicht!!»  

Er vergleicht die Situation mit anderen Städten wie Basel, wo Handwerker deutlich günstiger und unkomplizierter parken können, und spricht von «Idiotien», dass genau solche Regeln in Zürich rigoros umgesetzt werden. 

Polizei verweist auf klare Vorschriften 

Der Fall zeigt ein Problem, das viele Handwerker kennen: Die Kombination aus hohen Parkgebühren, engen Parkplätzen und strikten Kontrollen sorgt für Frust. 

Die Stadtpolizei Zürich stellt auf Anfrage klar, dass ihre Mitarbeitenden verpflichtet seien, festgestellte Übertretungen zu ahnden. Entscheidend sei dabei nicht, ob jemand behindert werde: «Wird ein Fahrzeug auf privatem Grund parkiert, muss es sich vollumfänglich darauf befinden. In diesem Fall stand das Fahrzeug mit den Hinterrädern komplett ausserhalb des Privatparkplatzes auf dem Trottoir auf einer öffentlichen Verkehrsfläche», so Marc Surber von der Stadtpolizei Zürich. Sofern es Signale oder Markierungen nicht ausdrücklich zulassen, sei das Parkieren auf dem Trottoir verboten. 

Gewerbeverband fordert mehr Augenmass 

Beim Gewerbeverband Zürich ist der geschilderte Fall keine Seltenheit. Klagen über Parkbussen für Handwerker seien ein «Dauerbrenner», so Präsidentin Nicole Barandun-Gross, und würden regelmässig an den Verband herangetragen.  

Gerade bei Handwerksbetrieben gehe es selten um mutwillige Regelverstösse, sondern um praktische Arbeitsbedingungen. «Die Leute sind ja am Arbeiten, die sind nicht zum Vergnügen dort», betont Barandun-Gross. Schliesslich profitiere die Stadt selbst vom lokalen Gewerbe, etwa im Sinne von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, wenn Reparaturen und Installationen vor Ort erfolgen.  

Voraussetzung sei jedoch immer, dass niemand behindert werde. Wenn das gewährleistet sei, brauche es auch auf Seiten der Kontrolleure mehr Toleranz und Rücksichtnahme. «Eine gewisse Gelassenheit würde der Stadt Zürich guttun», meint Barandun-Gross.

Kritik von politischer Seite: «Reine Schikane» 

Auch der Zürcher Gemeinderat Stephan Iten übt im Gespräch deutliche Kritik an der Zürcher Verkehrspolitik. Er nennt die Stadt «völlig gewerbefeindlich» und verweist auf einen Vorstoss im Gemeinderat, der Kontrollen gegen grössere Fahrzeuge sogar noch verschärfen wolle. «Die Stadt wird immer gewerbeunfreundlicher, obwohl die Stadt vom Gewerbe profitiert», so Iten. 

Iten beschreibt ausserdem die hohen Kosten für Gewerbeparkkarten und die fehlende Entlastung für Handwerksbetriebe: Die geplante neue erweiterte Gewerbeparkkarte soll 1'200, für das auswärtige Gewerbe sogar 1'800 Franken pro Jahr kosten. Gerade für kleinere Betriebe ist das kaum tragbar. 

Gewerbeparkkarten im Vergleich 

Handwerker und Betriebe in Zürich müssen für Parkplätze tief in die Tasche greifen. Die klassische Gewerbeparkkarte kostet 360 Franken pro Kalenderjahr für eine Kontrollschildnummer, für bis zu sechs Fahrzeuge steigt der Preis auf 480 Franken. Damit dürfen Fahrzeuge in allen Blauen Zonen der Stadt parken. Zum Vergleich: Im Kanton Basel Stadt kostet eine Jahreskarte für Handwerker nur 200 Franken. 

Die vom Zürcher Stimmvolk angenommene erweiterte Gewerbeparkkarte soll Handwerksbetrieben künftig flexibleres Parkieren ermöglichen, etwa auch ausserhalb markierter Parkfelder, sofern genügend Platz für Fussgänger frei bleibt. Die Einführung ist derzeit jedoch verzögert, da gegen die Regelung Einsprachen – unter anderem von Fussgängerorganisationen – eingereicht wurden und das Verfahren noch hängig ist.

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