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Politik & Wirtschaft •
«Stapi»-Kandidat Ueli Bamert

«Autofahrende werden in Zürich nur noch schikaniert»

Ueli Bamert kandidiert am 8. März als Zürcher Stadtpräsident. Neben der Unterstützung der Polizei und der massvollen Zuwanderung in der Stadt macht sich der gebürtige Solothurner auch für Autofahrerinnen und Autofahrer stark. STREETLIFE traf den SVP-Politiker zum Gespräch.

Herr Bamert, wie sind Sie heute früh zur Arbeit gekommen?

Ausnahmsweise mit meinem schwarzen BMW X3, da ich anschliessend noch einen weiteren Termin habe. Normalerweise spaziere ich aber ins Büro. Das sind von zu Hause aus etwa 20 Minuten.

Haben sie sofort einen Parkplatz gefunden?

Ja, das habe ich tatsächlich – ausnahmsweise. Das Parkplatzproblem ist aber sehr präsent in der Stadt. Es werden kontinuierlich Parkplätze gestrichen. Besonders mühsam: Viele der Parkplätze sind wegen Bauarbeiten gesperrt. Überall, wo gebaut wird, werden die Parkplätze grosszügig dafür genutzt, um die Baumaterialien oder Fahrzeuge abzustellen. Das ist ein grosses Ärgernis. Und ist die Baustelle weg, gilt das oft auch für den Parkplatz.

Nicht nur die verschwundenen Parkplätze sind in der Stadt ein Problem: Auch überfüllte Trams, Züge und Busse sind für die Menschen in Zürich belastend.

Trams, Busse, Strassen – es ist tatsächlich immer alles voll. Allerdings kann man das an neuralgischen Punkten nicht verhindern. Was ich auf jeden Fall tun werde: Ich werde mich gegen diese Anti-Auto-Politik einsetzen. Die Stadt kennt hinsichtlich Autopolitik nur einen Weg: die Autofahrenden sauer zu machen, damit das Auto möglichst zu Hause gelassen wird. Dabei gibt es konstruktivere Ansätze. Man könnte das Park & Ride wieder ausbauen und dafür sorgen, dass die Leute an der Stadtgrenze ihr Auto günstig abstellen können. Ein anderer Weg: mehr Parkhäuser in der Innenstadt.

Gewerbler, Pflegefachleute oder auch ältere Menschen – nicht jeder kann auf das Auto verzichten. Grenzt die Autofeindlichkeit in Zürich an Diskriminierung?

Ich sehe es eher als Schikane. Es ist sehr unbedacht – und teilweise auch sehr asozial. Die linke Mehrheit will, dass jede und jeder überall teilnehmen kann, aber bei den Autofahrenden verlangt man schnell das Dreifache für eine Parkkarte.

Macht diese Autofeindlichkeit die Bevölkerung nicht sauer?

Doch, sehr. Die Leute müssen die Schikane bis zu einem gewissen Grad zähneknirschend hinnehmen. Das will ich beenden und mich für den Autoverkehr einsetzen. Aber ich will auch Velo- und ÖV-Nutzer nicht vergessen.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Meiner Meinung nach sind die Velostreifen in der Stadt viel zu breit. Da würde die halbe Breite reichen. Am Kreuzplatz wurde eine ganze Autospur gestrichen, damit dort Velos fahren können. Ich sehe dort allerdings kaum Velofahrer. Diese Situation führt zu Stau, und man kann an einzelnen Stellen nicht mehr abbiegen. Das Resultat: mehr Emissionen, Lärm und Staustunden. Und was die Velopolitik angeht: Man hat Millionen für Velobrücken, Velotunnels und Velorouten ausgegeben – in der Hoffnung, dass die Leute aufs Velo umsteigen. Das ist aber nicht passiert. In meinen Augen ist das keine nachhaltige Politik, sondern sinnlos ausgegebenes Geld.

Was kritisieren sie an der Politik von Corinne Mauch?

Frau Mauch ist Stadtpräsidentin und das Gesicht der rot-grünen Regierung. Ich würde Frau Mauch aber nicht persönlich kritisieren wollen. Doch die Rot-Grün-Regierung macht insgesamt eine bevormundende und umerziehende Politik. Meine Hauptkritik lautet, dass man den Leuten vorschreiben will, wie sie sich zu verhalten haben. Zudem will man die völlig unrealistischen Klimaziele mit der Brechstange erreichen. Die Stadt Zürich scheint zu meinen, sie könne die Welt allein verbessern.

Einbahnstrassen und Tempo 30 beschäftigen die Menschen in der Stadt ebenfalls. Werden Sie das alles rückgängig machen, sollten Sie die Wahl gewinnen?

Auch im Falle einer Wahl wäre ich im Stadtrat nicht in der Mehrheit. Ich würde aber mit Sicherheit Gegensteuer geben, damit es nicht in diese Richtung weitergeht. Grundsätzlich finde ich Tempo 30 in Quartieren etwas Sinnvolles. Tempo 30 wird aber oft auf Strassen verordnet, wo es nur die Autofahrenden schikaniert und es hinsichtlich Verkehrsflusses keinen Sinn macht. Darum haben die bürgerlichen Parteien im Kanton die Mobilitätsinitiative lanciert, die ich damals unterstützt habe. Die Stadt Zürich hat es mit diesen 30er-Strecken einfach übertrieben. Darum haben wir eine kantonale Regelung bevorzugt. Was ich darüber hinaus immer wieder feststelle, sind mühsame Abbiegeverbote. Auch das ist keine gute Verkehrsführung, sondern eher Schikane und Bevormundung.

Sie selbst sagen, die Stadt ist nicht nur grün. Warum wehrt sich die Bevölkerung nicht stärker?

Zürich macht den Anschein, als sei die Stadt klar links. Schaut man aber genauer hin, dann ist Zürich eine dynamische, wohlhabende und marktwirtschaftliche Stadt. Doch viele sind vielleicht politisch nicht aktiv, oder sie interessieren sich nicht für das politische Geschehen. Die Herausforderung ist, diese Leute an die Urne zu bringen. Damit haben die Linken offenbar keine Mühe. Mir persönlich ist es ein Rätsel, wie sie jeweils all diese Wähler zusammentrommeln.

Kann es sein, dass die Leute von der links-grünen Politik der Stadt eingeschüchtert sind?

Ich denke, eingeschüchtert ist das falsche Wort. Wir leben in einer Demokratie, in der alle wählen und abstimmen können. Die meisten sind aber genervt. Ich höre oft: «Ich bin weggezogen. Ich verdiene genug und will hier nicht mehr Steuern zahlen. Ich ziehe in eine Nachbargemeinde, wo der Steuersatz 40 Prozent niedriger ist.» Ich selbst bezahle Steuern in der Stadt und habe auch kein Problem damit. Mich nervt es aber, wenn dieses Geld umverteilt oder für sinnlose Projekte ausgegeben wird, mit denen ich sogar noch schikaniert werde.

Haben Sie Angst, dass der Stadt Zürich die Bewohner davonlaufen?

Das passiert bereits. In Zürich findet eine demografische Bewegung statt, alteingesessene Bewohner werden verdrängt.

Oft wird man in Zürich schräg angeschaut, wenn man mit dem Auto in der Stadt unterwegs ist. Wie nehmen Sie dieses «Autoshaming» wahr?

Das kenne ich tatsächlich. Anhänger von SP und Grüne sehen das Auto als etwas Negatives und als Feindbild. Ich selbst kenne niemanden, der so denkt. Im Gegenteil: Auch in meinem Umfeld nerven sich die meisten darüber, dass sie keinen Parkplatz finden.

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