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Wenn das Auto zum Krabbel-Terrarium wird – und wie man sich schützt
Die Sommerzeit gilt für viele als die schönste Zeit des Jahres. Doch mit der Wärme kommen auch die ungebetenen Gäste: Spinnen, Käfer und andere Schädlinge kriechen ums Auto herum oder finden gar den Weg ins Innere. STREETLIFE zeigt, wie man diese Insekten effektiv loswird und worauf es bei der Reinigung wirklich ankommt.
Mit Krabbeltieren in der freien Natur kann man meist gut leben, doch haben sie im Fahrzeuginneren definitiv nichts zu suchen. Im schlimmsten Fall drohen sogar schwere Unfälle, wie ein aktuelles Beispiel aus Zeiningen verdeutlicht. Dort endete die Fahrt einer 80-jährigen Frau in einem Totalschaden, weil sie durch einen ungebetenen Gast im Cockpit so stark abgelenkt wurde, dass sie die Kontrolle über ihren Honda Jazz verlor. Der Wagen kollidierte mit einem Gartenzaun und kippte schliesslich auf die Seite.
Damit das Krabbeltier nicht zum Verhängnis wird, haben wir den ultimativen Guide gegen Ungeziefer im Auto zusammengestellt.
Wo sich das Ungeziefer versteckt
Wie gelangen Insekten überhaupt ins Innere eines Autos? Die Wege sind vielfältig, denn Insekten nutzen jede kleine Chance, um in unsere Nähe zu gelangen, da sie dort oft Nahrung und Schutz finden. Offene Fenster wirken wie eine Einladung, aber auch über die eigene Kleidung, Einkäufe oder durch kleinste Beschädigungen an der Karosserie und den Dichtungen, zum Beispiel an den Türen und Fenstern sowie im Bereich des Kofferraums, finden Ameisen, Spinnen oder Käfer ihren Weg.
Hat sich erst einmal eine Kolonie eingenistet, suchen sich die Tiere Verstecke in dunklen und warmen Ritzen, etwa unter den Sitzen, hinter dem Armaturenbrett oder in den Türfächern, wo oft unbemerkte Essensreste locken.
Mögliche Schäden an Inneneinrichtung und Elektrik
Kleine Untermieter können grosse Schäden verursachen. Besonders Ameisen greifen auf der Suche nach Nahrung Textilien, Teppiche und Sitzpolster an und hinterlassen chemische Spuren wie Ameisensäure, die gar Kunststoffe spröde machen können. Noch problematischer sind Schäden an der Elektrik: Ameisen nagen an Isolierungen und dringen in elektrische Komponenten ein. Die Folgen reichen von Fehlfunktionen über Kurzschlüsse bis hin zu Fahrzeugbränden.
Auch Motten sowie Teppich- und Speckkäfer können das Interieur beschädigen, indem ihre Larven natürliche Materialien wie Wolle oder Leder anfressen. Selbst Spinnen können Probleme verursachen. Bestimmte Arten werden vom Geruch von Benzinabgasen angezogen und bauen ihre Nester in Entlüftungsleitungen des Kraftstoffsystems. Diese feinen Gespinste verstopfen die Leitungen, was zu einem unregelmässigen Druck im Tank und damit zu Fehlermeldungen des Motormanagements oder sogar zu Rissen im Tanksystem führen kann.
Der Weg zur gründlichen Reinigung
Wer das Ungeziefer effektiv loswerden will, muss äusserst gründlich vorgehen. Zuerst sollte der gesamte Innenraum genau inspiziert werden, wobei man besonders auf Kotspuren achten sollte, die oft wie harmloser Kaffeesatz aussehen. Anschliessend muss sämtlicher Müll entfernt und das Auto bis in den kleinsten Winkel ausgesaugt werden, um jede Futterquelle zu eliminieren.
In 6 Schritten zum insektenfreien Auto
- Innenraum prüfen: Suchen Sie nach Kot (sieht oft aus wie Kaffeesatz) oder toten Tieren.
- Grob reinigen: Alles raus! Müll, Essensreste, alte Decken und Krümel entfernen.
- Staubsaugen: Jede Ritze zählt. Saugen Sie besonders unter den Sitzen und in den Polsterzwischenräumen.
- Gezielte Bekämpfung:
- Chemische Keulen? Vorsicht bei Verneblern (Aerosolen). Diese sind hochgiftig, brennbar und können Polster verfärben. Zudem flüchten Insekten oft nur tiefer in die Ritzen.
- Biologische Lösungen: Gelköder sind effektiv und sicher für Kinder und Haustiere. Auch Borsäure (gemischt mit Krümeln) oder Insektenwachstumsregulatoren (IGR) helfen, ganze Kolonien auszurotten.
- Dampfreinigung: Ein professioneller Dampfreiniger tötet Bakterien ab und entfernt tiefsitzenden Schmutz sowie Eier.
- Ozonbehandlung: Gegen den muffigen Geruch, den Insekten hinterlassen, hilft ein Ozongenerator.
Präventions-Tipp: Lassen Sie keine Lebensmittel im Auto, halten Sie die Fenster geschlossen und saugen Sie regelmässig, besonders, wenn Sie unter Bäumen parkieren.
Der Friedhof auf der Frontscheibe: Reinigungstipps für den Sommer
Nicht nur im Inneren, auch auf der Aussenseite des Fahrzeugs stellt die Insektenzeit eine Belastungsprobe dar. Auf langen Sommerreisen wird die Frontscheibe schnell zum Insektenfriedhof, was nicht nur unschön aussieht, sondern massiv die Sicht behindert.
Der erste Reflex, einfach den Scheibenwischer zu betätigen, ist dabei oft der grösste Fehler. Wenn die Sonne die Insektenreste bereits in das Glas oder den Lack eingebrannt hat, verschmiert das Wischwasser die harten Chitinpanzer nur zu einem schmierigen Film, der bei Gegenlicht blind machen kann. Zudem ruinieren die harten Rückstände die feinen Wischergummis. Stattdessen sollte man regelmässige Putzpausen einlegen und die Scheibe mit viel Wasser, Glasreiniger und einem Mikrofasertuch säubern.
Besondere Vorsicht ist beim Lack geboten, da harte Schwämme hier irreparable Kratzer verursachen können. Ein bewährtes Hausmittel ist nasses Zeitungspapier, das man für etwa zwanzig Minuten auf die betroffenen Stellen legt, um die Verschmutzungen sanft aufzuweichen. Ein spezieller Insektenreiniger oder eine Mischung aus Wasser, Spülmittel und Putzalkohol hilft anschliessend dabei, auch hartnäckige Reste zu entfernen.
Wer langfristig Ruhe haben möchte, kann über eine Nanobeschichtung nachdenken, die dafür sorgt, dass Schmutz und Insekten gar nicht erst fest anhaften können.
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