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Volkswagens Vergangenheit
Fiat, Ford und Volkswagen sorgten für die Massenmotorisierung. Die Italiener und Amis feierten bereits ihr 100-jähriges Bestehen. 2037 gerät Volkswagen in die Zwickmühle. Soll der zweitgrösste Autohersteller der Welt sein 100-Jahre Jubiläum zelebrieren, obwohl der Gründer Adolf Hitler heisst?
Vor rund 30 Jahren kaufte ich meinen ersten Volkswagen. Der Spass am Golf VR6 wurde bereits nach wenigen Tagen eingetrübt, als mein Nachbar meinte, so eine Hitler-Gammelle würde er aus historischen Gründen niemals fahren. Mit dieser abwertenden Bezeichnung bezeichnete man in der Schweiz nach dem zweiten Weltkrieg zuerst den VW-Käfer, welcher von Hitler ins Leben gerufen wurde. Ich denke, es gibt trotz der dunklen Vergangenheit gute Gründe, Autos von der Volkswagen-Gruppe zu fahren. Einerseits hat VW seine unrühmliche Historie sehr transparent aufgearbeitet. Und andererseits haben die Wolfsburger viel dazu beigetragen, dass auch einkommensschwächere Leute ein Auto kaufen konnten.
Die Massenmotorisierung
Drei berühmte Automarken spielten bei der Massenmotorisierung eine herausragende Rolle: Fiat, Ford und Volkswagen. Die bereits 1899 in Turin gegründete Fiat eroberte mit bezahlbaren Kleinwagen die Herzen der Menschen weit über Italien hinaus. Besonders der von Fiat ab 1957 produzierte, winzige Cinquecento (500) wurde zum Kultauto. Genau 50 Jahre später sorgte der damalige Fiat-Chef Sergio Marchionne mit einem neuen Fiat 500 für ein Revival. Nicht auszudenken wäre, was ab 2007 aus dem wirtschaftlich angeschlagenen Turiner Autoproduzenten ohne den neu lancierten, erfolgreichen Cinquecento geworden wäre.
Ford Model T, VW Käfer, Fiat Cinquecento
Nur vier Jahre nach der Gründung von Fiat sorgte Henry Ford in Detroit für eine Sensation. Mit der Fertigung des robusten Model T produzierte Ford das allererste Auto für die breite Masse. Dank konsequenter Fliessbandfertigung konnte Ford sein Model T bereits für 450 Dollar anbieten – als weltweit ersten, bezahlbaren Volkswagen. Fords Konzept inspirierte Ingenieure, Industrielle und Politiker auf der ganzen Welt. 1934 beschloss Adolf Hitler, auch in Deutschland ein billiges, zuverlässiges Auto auf den Markt zu bringen. 1937 wurde die Volkswagenwerk GmbH von der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront gegründet.
Die Nachfahren
Adolf Hitler als geistiger Vater – auf solch einen Stammhalter könnte man gerne verzichten. Nach Fiat 1999 und Ford 2003 wird die Volkswagen-Gruppe 2037 sein 100-Jahre-Jubiläum feiern. Fiat wurde vom legendären Giovanni Agnelli gegründet, dem Urur-Grossvater des heutigen Stellantis-Boss John Elkann. Ford wurde vom exzentrischen Henry Ford gegründet. Der kontrollwütige Ford startete seinen Arbeitstag bereits morgens um 4 Uhr, war überzeugter Vegetarier und grosser Tierliebhaber. Die Nachfahren von Agnelli und Ford greifen heute noch in die Geschicke ihrer Autokonzerne ein. Urur-Enkel Elkann fusionierte Fiat mit 13 weiteren Automarken. Und bei Ford sitzen heute die drei Nachfahren Henry Ford III, William Clay Ford Jr. und Alexandra Ford im Verwaltungsrat. Bei Volkswagen hingegen sitzen logischerweise keine Nachfahren Hitlers im Aufsichtsrat.
Nazi-Geschichte
Mit seiner Nazi-Vergangenheit geht VW vorbildlich um. Auf das konzerninterne Bewusstsein für das historische Unrecht wird grossen Wert gelegt. Seit Jahrzehnten gehört Erinnerungsarbeit zur Unternehmenskultur. Mit einer Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit, mit Gedenkveranstaltungen und mit informativen Internetseiten werden die Erinnerungen auf vielfältige Weise gefördert. Heute belastet nicht mehr nationalsozialistisches Gedankengut den Alltag im Volkswagen-Konzern, sondern eher der übermächtige Einfluss der leistungskritischen Gewerkschaften. Und echte Volksautos sind die mittlerweile eher teuren VW längst nicht mehr.
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