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Politik & Wirtschaft •
Kahlschlag bei Volkswagen

Könnte VW-Abspaltung den Konzern retten?

Die Horrormeldungen der Autokonzerne werden immer düsterer. Nun soll Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume im März jährliche Sparmassnahmen von 60 Milliarden Euro verkünden. Dabei sind Managementfehler beim zweitgrössten Autokonzern der Welt noch das kleinere Übel. Schuld an der grossen VW-Krise scheinen auch die uneinsichtigen Gewerkschaften zu sein.

Diese Woche hatte eine Meldung des deutschen «Manager Magazin» eingeschlagen wie eine Bombe. Der Konzernchef von Volkswagen soll am kommenden 10. März anlässlich der Jahrespressekonferenz besonders brutale Sparmassnahmen verkünden. Von jährlichen Einsparungen im Bereich 60 Milliarden Euro ist die Rede. 20 Prozent der Gesamtkosten sollen gesenkt werden. Vermutlich wurde den deutschen Medien diese Insidermeldung bewusst zugespielt, damit die übermächtigen deutschen Gewerkschaften das Ausmass der Krise endlich erkennen. Einerseits wirkt die 60 Milliarden-Sparandrohung wie ein verzweifelter Hilferuf des VW-Konzernchefs Oliver Blume. Andererseits könnte diese frühzeitig durchgesickerte Horrormeldung eine taktische Massnahme sein, damit die uneinsichtigen Gewerkschaften den Ernst der Lage begreifen.

Untergang des gesamten Konzerns?

Zwar leidet der Volkswagen-Konzern aktuell unter den Zollstrafen des unberechenbaren Donald Trump sowie unter schwachen Verkaufszahlen im weltgrössten Automarkt China. Die Hauptschuld an der immer dramatischeren Schieflage von Volkswagen liegt aber beim Machtanspruch der Gewerkschaften. Die vorherrschende IG Metall und die einflussreichen Betriebsräte blockieren konsequent die strategischen Entscheidungen des Volkswagen-Managements, wenn es um Werkschliessungen, Entlassungen oder Effizienzsteigerungen geht. Gewerkschaften und Betriebsräte nehmen eher den Untergang des gesamten Konzerns in Kauf, als die Schliessung einzelner unrentabler Werke zu akzeptieren. Fatalerweise ist im VW-Gesetz ein Vetorecht des Land Niedersachsen verankert. Strategische Entscheidungen wie Werksschliessungen können durch Niedersachsens 20 Prozent der Stimmanteile gemäss VW-Gesetz blockiert werden.

Aggressive Betriebsratschefin Cavallo

Das von Linksgrün regierte Bundesland Niedersachsen gilt als besonders gewerkschaftsnahe. Die enge Harmonie zwischen den SPD-Ministern der Landesregierung und den linken Betriebsräten wirkt wie ein Bollwerk gegen das Volkswagen-Management. Kaum meldete diese Woche das «Manager Magazin» die geplante 60 Milliarden-Sparrunde, setzte sich die aggressive Betriebsratschefin Daniela Cavallo in Szene. Konzern und Gewerkschaften haben sich 2024 darauf geeinigt, dass es keine weiteren Werkschliessungen geben wird und dabei bleibe es, sprach die gebürtige Wolfsburgerin in die Mikrofone. Die Tochter eines italienischen Gastarbeiters gilt als mächtigste Arbeitnehmervertreterin in Deutschland. Bei Tarifverhandlungen und Forderungen des Werkpersonals hinterlässt die resolute Betriebsratschefin beim Volkswagen-Management jeweils Angst und Schrecken.

Machtwort der Familien Porsche und Piëch

IG Metall und Daniela Cavallo haben den Tarif diese Woche durchgegeben. Mit ihnen werde es weder Werkschliessungen noch Kündigungen geben. CEO Oliver Blume könnte im März zwischen düsterer Wirtschaftslage und uneinsichtigen Gewerkschaften zerbrechen. Nun müssen die Familien Porsche und Piëch ein Machtwort sprechen. Über ihre Porsche Holding kontrollieren sie 53 Prozent der Stimmanteile des gesamten Volkswagenkonzerns. Im Aufsichtsrat müssen die Familienvertreter der Porsches und Piëchs nun Klartext reden. Entweder kommt die unheilvolle Allianz zwischen linker Landesregierung und Gewerkschaften zur Einsicht, dass nur radikale Sparmassnahmen den VW-Konzern retten. Oder der Aufsichtsrat muss die Abspaltung des VW-Teils von den übrigen Marken wie Porsche, Audi, Škoda, Cupra, Scania oder MAN in Betracht ziehen. Nur ohne die altmodische VW-Betriebskultur kann der gesamte Konzern überleben.


Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.

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