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Politik & Wirtschaft •
Lieferstopp für die AfD

Verweigert BMW auch Rösti die Bundesrats-Limousine?

Sollen sich Autohersteller in die Parteipolitik einmischen und bestimmten Politikern die Dienstlimousine verweigern? Ein entsprechendes Angebot für den Dienstwagen des neuen AfD-Landtagspräsidenten Tobias Rausch hat BMW zurückgezogen. STREETLIFE-Kolumnist Pentti Aellig findet es fragwürdig, wenn Autokonzerne mithelfen, Parteien zu stigmatisieren.

In Deutschland versuchen die Altparteien mit einer Brandmauer, den Zerfall ihrer Macht zu verhindern. Vergebens. Immer mehr Wähler geben ihre Stimme der neuen Partei AfD. Vor über 30 Jahren wurde auch in der Schweiz das politisch Establishment durchgerüttelt – von der patriotischen Schweizerischen Volkspartei SVP. Heute sind SVP-Bundesräte, SVP-Regierungsräte oder SVP-Bundesrichter eng in die politischen Prozesse der Eidgenossenschaft eingebunden. Mit Erfolg. Kein europäisches Land weist erfolgreichere Kennzahlen auf. Die wirtschaftliche und soziale Bilanz Deutschlands weist hingegen abwärts. Trotz nationalem Niedergang werden neue Kräfte in Deutschland nicht eingebunden, sondern ausgegrenzt. Jetzt hilft sogar Autohersteller BMW, politische Newcomer zu stigmatisieren.

Brandmauer und Markenausgrenzung

Bisher lieferte BMW die Dienstlimousine für den Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt. Bereits hatte der bayrische Autohersteller auch ein Leasingangebot für die Spitze des nächsten Landesparlamentes eingereicht. Beim AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt wurde nun mit Tobias Rausch erstmals ein AfD-Politiker an die Spitze eines deutschen Landesparlaments gewählt. BMW reagierte sofort und ergänzte die Brandmauer mit einer Markenausgrenzung. Die Bayern verhängten einen Lieferstopp für den parlamentarisch gewählten AfD-Mann. Ob ein Autohersteller wie BMW gut beraten ist, sich aktiv in die Parteipolitik einzumischen, ist mehr als fraglich.

Dünnes Eis für BMW

Mit dem Lieferstopp signalisiert BMW bewusst die Markenausgrenzung einer gesamten Wählergruppe. BMW setzt auf parteipolitische Moral. Dabei sind moralische Werte historisch betrachtet besonders dünnes Eis für BMW. Über 50'000 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter lieh sich BMW in der NS-Zeit von der SS aus. Grund genug, sich auf alle Zeiten von moralischen Belehrungen oder Ausgrenzungen fernzuhalten. Zusätzlich stellt sich die Frage, wohin BMWs Aktion in Sachsen-Anhalt führt. Will der Autohersteller auch in anderen Ländern solche politischen Signale setzen? Beispielsweise in unserer Schweiz?

Schweizer Bundesrat im BMW i7

Der Bund kaufte neulich 25 BMW-Luxus-Limousinen. Gemäss der Beschaffungsplattform Simap kostete die stolze BMW-Flotte 5,6 Millionen Franken. Auch die Mitglieder des Bundesrates werden in diesen neuen, vollelektronischen BMW i7 xDrive60 vorgefahren. Bis auf die beiden Bundesrätinnen, welche Produkte der Nobelmarke Mercedes bevorzugen, fahren die Mitglieder der Landesregierung als BMW-Markenbotschafter herum. Wird das nun für BMW zum Problem? Denn mit Albert Rösti und Guy Parmelin nutzen auch zwei Mitglieder der erfolgreichen, populären SVP die bayrischen Nobelkarossen. Könnte es sein, das BMW auf die verantwortliche Armasuisse Druck ausübt, damit die beiden SVP-Bundesräte auf ein anderes Produkt umsteigen müssen?

Rösti im Cadillac Escalade

Hoffen wir, dass sich deutsche Autohersteller nicht in die internen Angelegenheiten der Eidgenossenschaft einmischen. Dramatisch wäre ein Boykott von BMW für SVP-Verkehrsminister Albert Rösti keineswegs. Es gibt gute Alternativen. Rösti würde auch in einem amerikanischen Cadillac Escalade oder einem chinesischen XXL-SUV Yangwang U8 einen exklusiveren Eindruck hinterlassen.


Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.

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