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Verkehrsplaner Scheck über Strassen-Kollaps: «Bin am Ende meines Lateins»
Die Schweizer Stimmbevölkerung hat sowohl die Nachhaltigkeitsinitiative als auch den Ausbau der Nationalstrassen abgelehnt. Jetzt stehen Pendler und Verkehrsplane vor einem Scherbenhaufen. Wie bleibt die Schweiz mobil, wenn die Bevölkerung wächst und die Infrastruktur stagniert?
Die Verkehrsinfrastruktur ist am Anschlag. Die Staustunden im Jahr 2025 erreichten einen absoluten Rekordwert von 68'040 und dürften weiter zunehmen. Doch der dringend benötigte Strassenausbau ist vielerorts abgesagt. Am 24. November 2024 lehnte das Schweizer Stimmvolk den «Ausbauschritt 2023 für die Nationalstrassen» knapp mit 52,7 % ab – die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! scheiterte am 14. Juni 2026 ebenfalls an der Urne. Gleichzeitig nimmt aber die Bevölkerung in der Schweiz weiter zu und verschärft damit die Situation dramatisch.
Was also planen Politiker und Verkehrsingenieure der Schweiz, um den Verkehrskollaps zu vermeiden? Sie sehen kaum noch Spielraum, um die kommenden Herausforderungen zu bewältigen, wie Kantonsrat und Verkehrsingenieur Roland Scheck auf Anfrage von STREETLIFE zugibt: «Nach der Ablehnung der Nachhaltigkeitsinitiative bin ich – nicht zuletzt auch aus verkehrsplanerischer Sicht – leider am Ende meines Lateins.» Als Verkehrsingenieur wisse er schlichtweg nicht, was jetzt noch zu tun wäre, um den Kollaps auf den Infrastrukturen zu verhindern.
Realismus statt Symbolpolitik gefordert
Doch Aufgeben ist keine Option. Zumindest nicht für FDP-Nationalrat Heinz Theiler. Er fordert eine «nüchterne Auslegeordnung statt verkehrspolitischer Symbolpolitik». Theiler, der erst kürzlich eine Interpellation zu den steigenden Staustunden und deren wirtschaftlichen Folgen eingereicht hat, betont: «Die Schweiz wächst, die Mobilitätsbedürfnisse wachsen ebenfalls – und die Infrastruktur muss mit dieser Realität Schritt halten.»
Wer das Bevölkerungswachstum akzeptiere, müsse laut Theiler auch die nötige Infrastruktur bereitstellen. Kurzfristig setzt er auf ein konsequentes Verkehrsmanagement: bessere Baustellenkoordination, raschere Unfallräumung und intelligente Verkehrslenkung. Doch mittelfristig führt für ihn kein Weg an punktuellen Kapazitätserweiterungen vorbei: «Der Strassen- und Autobahnausbau darf kein Tabu sein. Schiene, Digitalisierung oder Homeoffice sind wichtig, sie ersetzen aber nicht in jedem Fall die Strasse.»
Grüne Verkehrsplaner fordern: Der Verkehr soll sich verlagern
Während die bürgerliche Seite auf Effizienz und Ausbau setzt, sieht die Gegenseite die Lösung primär in der Verhaltensänderung. Sven Sobernheim, Verkehrsplaner und Co-Präsident der GLP-Fraktion im Zürcher Gemeinderat, sieht sich durch das Resultat der Abstimmung bestätigt. Für ihn bleibt die Marschrichtung dieselbe: «Vermeiden, verlagern, elektrifizieren.»
Gemäss den Grünen müsse der Bedarf an Mobilität nachhaltig gesenkt werden, indem Wohnen, Freizeit und Arbeit räumlich näher zusammenrücken. Ein zentrales Element ihrer Politik ist ein umfassendes «Mobility-Pricing», um Anreize für Sparsamkeit zu setzen. Auch die Nutzung von Homeoffice soll den Arbeitsverkehr weiter entlasten.
Doch hier scheiden sich die Geister: Kann die Mobilität eines modernen Wirtschaftsstandorts allein durch Verzicht und Umverteilung gesichert werden? Denn die Ablehnung des Ausbaus ändert nichts daran, dass Waren geliefert, Handwerker zu ihren Kunden und Pendler zu ihren Arbeitsplätzen gelangen müssen. Die Politik ist gefordert, Lösungen zu finden, die nicht nur auf dem Papier existieren, sondern den Verkehrsfluss auf der Strasse real sicherstellen.
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