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«Produziert künstlich Stau»: SVP-Wyssmann knöpft sich ASTRA-Tempolimits vor
Mit mehr Tempo 80 will das Bundesamt für Strassen Stau vermeiden. SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann sieht auf gewissen Autobahnabschnitten das Gegenteil. Jetzt plant er einen Vorstoss.
120, 100, 80 – und kurz darauf wieder hoch. Wer regelmässig auf Schweizer Autobahnen unterwegs ist, kennt das Spiel: Auf gewissen Abschnitten wechselt die Geschwindigkeit ständig. Das Bundesamt für Strassen ASTRA will so den Verkehr beruhigen, Staus verhindern und die Sicherheit erhöhen. Davon hat SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann genug. Ihm reichts mit den ständigen Wechseln.
Wie der Solothurner Politiker STREETLIFE verrät, plant er in der Sommersession deshalb einen Vorstoss gegen die Temporeduktionen des ASTRA. So bezweifelt Wyssmann die Wirkung dieses Systems – insbesondere da, wo Verkehrsachsen zusammenkommen.
«Früher hatte man auf diesen Strecken nie Probleme»
Als Beispiel nennt Wyssmann den A1-Abschnitt zwischen Wangen an der Aare und Oensingen sowie den Raum Egerkingen/Härkingen, wo mit der A1 und der A2 zwei zentrale Verkehrsachsen vereint werden. Gerade dort findet der SVP-Politiker Tempo 80 besonders problematisch: «Zwischen Wangen an der Aare und Oensingen hatte man früher nie Probleme. Der Verkehr konnte sich nach Oensingen besser verteilen, weil Autofahrer nach dem Engpass wieder beschleunigen konnten. Seit das ASTRA diese starren Temporeduktionen einführte, kommt es immer wieder zu einem Handorgel-Effekt, der künstlichen Stau produziert», sagt Wyssmann. Der SVP-Nationalraft findet deutliche Worte für die ASTRA-Regelung: «Das dient ja angeblich der Verkehrssicherheit, aber das ist Unsinn. Wo viel Verkehr zusammenkommt, muss dieser möglichst gut abfliessen können.» Gerade beim Autobahnkreuz Egerkingen sei das zentral.
Hinzu komme auch noch die stationäre Radaranlage auf dieser Strecke. «Das ist auch so ein Quatsch. Viele bremsen dann noch zusätzlich ab, weil sie Angst haben, dass sie gebüsst werden oder sogar den Ausweis verlieren», sagt Wyssmann. Das führe zu Unsicherheit und weiteren, unnötigen Bremsmanövern.
ASTRA hält an Tempo 80 fest
Das ASTRA argumentiert genau umgekehrt. Auf seiner Website schreibt das Bundesamt, dass ein Autobahnabschnitt seine maximale Kapazität bei einer Geschwindigkeit von rund 85 km/h erreiche. Durch eine stufenweise Reduktion von 120 auf 100 oder 80 km/h könnten Geschwindigkeitsunterschiede verringert, der Verkehrsfluss harmonisiert und Stau verzögert oder reduziert werden.
Auch die Sicherheit soll steigen, weil die Anlagen nicht nur Tempolimits anzeigen, sondern auch vor Gefahren wie Stau, Unfällen, Baustellen oder Glatteis warnen können.
SVP beisst bei Röstis Tempo-80-Plänen auf Granit
Bereits SVP-Nationalrat Thomas Knutti wollte in der Wintersession 2025 gegen die flächendeckende Temporeduktion auf der Autobahn vorgehen (STREETLIFE berichtete). Der Bundesrat erteilte der Motion jedoch eine Absage: Verkehrsminister Albert Rösti (SVP) will weiterhin an seinen Tempo-80-Plänen festhalten.
Internationales System «ist in der dicht befahrenen Schweiz kontraproduktiv»
Das will Rémy Wyssmann aber nicht einfach so stehen lassen. Sein Vorwurf: Die Schweiz habe mit diesen dynamischen Verkehrsregulierung ein System übernommen, das in anderen Ländern mit längeren Autobahnabschnitten und tieferer Bevölkerungsdichte besser funktioniere. «In der dicht befahrenen Schweiz ist das aber kontraproduktiv.»
Mit einem Postulat will der SVP-Nationalrat nun an der aktuell laufenden Sommersession Zahlen sehen. Im weiteren Verlauf könnte laut Wyssmann eine Motion zum Thema folgen.
Darum ändert die Geschwindigkeit zu Stosszeiten
Mit der sogenannten Geschwindigkeitsharmonisierung und Gefahrenwarnung (GHGW) will das ASTRA «den Verkehr harmonisieren und so Staus vermeiden», wie es auf der Website heisst. Die Steuerung erfolge verkehrsabhängig, entweder automatisch oder auf Eingabe der Verkehrsmanagementzentrale. Wie das genau funktioniert, beschreibt STREETLIFE in diesem Artikel. 2015 veröffentlichte das ASTRA offizielle Richtlinien zu dieser «international anerkannten Methode zum Lenken, Steuern und Informieren der Verkehrsteilnehmenden, um den Verkehrsfluss entlang einer Strecke flüssig zu halten.» Seither weitete das Bundesamt für Strassen das System in der ganzen Schweiz aus.

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