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«Umweltfreundliche Autos müssen erschwinglich sein»
Toyota überraschte die Autobranche mit der Ankündigung, neue Verbrennungsmotoren zu entwickeln. Wieso setzt der grösste Autobauer der Welt auf die alte Technologie, die in Europa inzwischen höchst umstritten ist? Philippe Cauderay, Geschäftsleitungsmitglied von Toyota Schweiz, gibt im STREETLIFE-Interview Einblicke in Toyotas Antriebsstrategie.
Herr Cauderay, Toyota war mit dem nachhaltigen Hybridantrieb Vorreiter. Jetzt aber, wo die anderen Autobauer auf die Elektro-Karte setzen, entwickelt Toyota wieder Verbrennungsmotoren. Weshalb?
Um es vorwegzunehmen: Toyota forciert den Ausbau der Elektromobilität massiv – unsere Modellpalette und die Absatzzahlen bei batterieelektrischen Fahrzeugen wachsen stetig. Als globaler Hersteller mit einer Produktion von über zehn Millionen Fahrzeugen pro Jahr bedienen wir jedoch Märkte auf der ganzen Welt. Wir produzieren das, was der jeweilige Markt benötigt. Wenn Europa eine rein elektrische Mobilität fordert, werden wir diese liefern.
Und die restliche Welt will keine Elektroautos?
Es gibt Regionen, in denen Elektrofahrzeuge derzeit noch nicht die sinnvollste Lösung sind, um Mobilität für die Menschen sicherzustellen. Jeder Markt hat individuelle Bedürfnisse. Während sie in Ländern wie Norwegen boomen, stehen Elektroautos in anderen Regionen vor grossen infrastrukturellen Herausforderungen. In einer Metropole wie Abuja (Nigeria) ist Elektromobilität denkbar, in den ländlichen Weiten des Landes hingegen kaum umsetzbar. Für Toyota ist entscheidend: Nicht der Motor ist das Problem, sondern das CO2. Ob Benzin, Diesel, Wasserstoff oder Strom – jeder Energieträger kann CO2-neutral sein, sofern er mit grüner Energie hergestellt wird. Ein Elektroauto, das mit Kohlestrom geladen wird, emittiert ebenso viel wie ein moderner Verbrenner. Umgekehrt ist ein Verbrennungsmotor, der mit 100 Prozent grünem E-Fuel betrieben wird, genauso umweltfreundlich wie ein Batterieantrieb.
Welche Anforderungen müssen die neuen Motoren erfüllen?
Wir wollen in jeder Kategorie die effizientesten und umweltfreundlichsten Antriebe anbieten. Das bedeutet eine stetige Weiterentwicklung über den gesamten Lebenszyklus – von der Produktion bis zum Recycling. Die neue Generation unserer Vierzylinder ist so konzipiert, dass sie äusserst kompakt ist und flexibel mit verschiedenen Treibstoffen wie E-Fuels, Methanol oder sogar Wasserstoff betrieben werden kann. Zudem sind diese Motoren ein zentraler Bestandteil unserer neuesten Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Systeme. Unser Ziel ist es, weltweit den Zugang zu Mobilität zu sichern, die nicht nur nachhaltig, sondern für alle Menschen auch bezahlbar bleibt.
Besteht nicht die Gefahr, sich zu verzetteln?
Die parallele Entwicklung verschiedener Technologien ist anspruchsvoll, aber für unsere Ingenieure kein Hindernis, sondern ein Vorteil. Wir nutzen enorme Synergien: Unsere Hybridantriebe vereinen das Beste aus der Verbrennungs- und der Elektrowelt. Erkenntnisse aus der Batterietechnologie fliessen direkt in unsere Elektroautos ein und umgekehrt. Diese technologische Breite macht uns widerstandsfähig und erlaubt es uns, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren.
Wie wichtig ist für Toyota die Reichweite bei Elektroautos?
Natürlich ist die Reichweite ein zentrales Thema beim Neuwagenkauf, auch wenn Herr und Frau Schweizer im Schnitt nur rund 40 Kilometer am Tag fahren. Wir müssen uns aber bewusst sein: Eine extrem hohe Reichweite erfordert grössere und schwerere Batterien, was das Fahrzeug teurer und weniger effizient macht. Wir werden künftig eine breite Palette an Batterietechnologien anbieten, die sich am effektiven Bedarf der Kunden orientiert – von der preiswerten Stadteinstiegslösung bis zur leistungsstarken Langstrecken-Batterie.
Was meinen Sie damit?
Unser Ansatz ist es, die verfügbaren Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen, um den grössten Effekt für das Klima zu erzielen. Wenn wir Rohstoffe für Batterien nutzen, erreichen wir oft eine deutlich höhere CO2-Reduktion in der Breite, wenn wir diese auf viele Millionen Hybridfahrzeuge verteilen, anstatt sie nur in einer vergleichsweise geringen Anzahl reiner Elektroautos zu bündeln. Es geht uns darum, den Dekarbonisierungseffekt für den gesamten Planeten zu maximieren.
Also spielt die Elektromobilität für Toyota keine grosse Rolle?
Im Gegenteil. Wir streben nach stetiger Verbesserung in allen Bereichen. Unsere «Multi-Path»-Strategie bedeutet, dass wir technologieoffen bleiben. Wir entwickeln hocheffiziente Lösungen für alle Antriebsarten – ob Elektro, Wasserstoff oder Hybrid. Letztlich entscheidet der Kunde, die gesellschaftliche Akzeptanz und die politischen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Märkten, welche Technologie sich durchsetzt.
Kommen die Modelle mit den neuen Verbrennungsmotoren also nicht in die Schweiz?
In der Schweiz wird der Fokus künftig klar auf den sparsamsten Varianten liegen, vor allem in Form unserer hocheffizienten Hybridantriebe. Wir respektieren die demokratischen Entscheide und die gesetzlichen Zielvorgaben zur CO2-Neutralität. Das bedeutet, dass die klassische Verbrennertechnologie ohne elektrische Unterstützung oder CO2-neutrale Kraftstoffe langfristig ein Auslaufmodell ist. Wir bereiten uns auf diese Zukunft vor, indem wir schon heute die Weichen für einen klimaneutralen Mix stellen.
Inwiefern?
Die Herausforderung besteht darin, die ökologische Transformation so zu gestalten, dass Mobilität ein erschwingliches Gut bleibt. Als Mainstream-Marke nimmt Toyota seine ökologische Verantwortung sehr ernst. Wir wollen aber vermeiden, dass Umweltschutz zu einer sozialen Trennung führt, weil Fahrzeuge für den Durchschnittskunden nicht mehr finanzierbar sind.
Und was wird Toyota tun?
Wir setzen alles daran, unseren Kunden auch in Zukunft die Wahlfreiheit zu lassen. Toyota wird sich dafür einsetzen, dass jeder Kunde – basierend auf seiner persönlichen Lebenssituation – die ökologisch sinnvollste und zugleich preiswerteste Mobilitätslösung bei uns findet. Unsere Strategie ist darauf ausgerichtet, niemanden auf dem Weg zur Klimaneutralität zurückzulassen.
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