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Betrugsmasche beim Autokauf

Traumwagen zum Spottpreis? Dumm nur, dass es ihn nicht gibt

Ein Porsche mit 40 Prozent Rabatt? Ein Ferrari zum Schnäppchenpreis? Betrüger locken Autokäufer mit Luxusautos, die sie nie liefern. Auch in der Schweiz ist die Masche bekannt, wie eine STREETLIFE-Umfrage bei mehreren Kantonspolizeien zeigt. Ein Unternehmer aus dem Raum Luzern bezahlte für zwei Ferraris sogar 392’000 Franken – und erhielt die Fahrzeuge nie.

Zwei Ferraris, ein verlockender Preis und ein Verkäufer, der Zugang zu günstigen Luxusautos verspricht. Ein Unternehmer aus dem Raum Luzern glaubte, ein besonders gutes Geschäft zu machen. Für einen Ferrari 296 und einen F8 überwies er insgesamt 392’000 Franken. Doch die Sportwagen wurden nie geliefert.

Was folgte, war eine erstaunliche Reihe von Ausreden. Mal war ein Begräbnis schuld an der Verzögerung, mal ein Spitalaufenthalt, gelegentlich sogar das Wetter. Als der Käufer sein Geld zurückforderte, erhielt er angebliche Zahlungsbelege. Laut Recherchen der «Luzerner Zeitung» waren sie gefälscht.

Der Betroffene ist nicht allein. Mehrere Unternehmer haben Anzeige gegen denselben Verkäufer erstattet. Laut einem der Zeitung vorliegenden Betreibungsauszug beliefen sich dessen Schulden auf rund sieben Millionen Franken. Die Ermittlungen wurden zwischenzeitlich durch einen Zuständigkeitsstreit zwischen den Staatsanwaltschaften Luzern und Zürich blockiert. Der beschuldigte Verkäufer behauptet, er habe das Geld zurückbezahlt. Die dafür angekündigten Belege lieferte er der Zeitung allerdings nicht.

Gefälschte Porsches mit 40 Prozent Rabatt

Der Luzerner Fall zeigt, wie teuer die Jagd nach einem vermeintlichen Schnäppchen enden kann. Im Internet treiben Betrüger diese Masche noch weiter: Sie bieten Autos an, die gar nicht existieren. Die Fahrzeuge sehen auf den Bildern tadellos aus, die Verkaufsunterlagen wirken professionell, die Anbieter seriös. Nur eines fehlt: das Auto selbst.

In Deutschland warnt der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) seit Längerem vor solchen Angeboten. Besonders dreist: Die Betrüger missbrauchen sogar die Identität bekannter Hersteller. In einem dokumentierten Fall verschickten sie E-Mails, die vermeintlich von Porsche stammten. Versprochen wurden junge Gebrauchtwagen mit bis zu 40 Prozent Rabatt. Der Haken: Die Angebote waren gefälscht.

Auch Porsche selbst hat wiederholt vor solchen Betrugsversuchen gewarnt. Die Kriminellen arbeiten mit täuschend echten Webseiten, gefälschten Fahrzeugkatalogen und teilweise sogar mit Namen und Bildern echter Mitarbeitender.

Das Problem beschränkt sich längst nicht auf Deutschland. Volkswagen warnte 2026 ausdrücklich vor gefälschten Gebrauchtwagenangeboten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch Audi veröffentlichte eine entsprechende Warnung. Dabei werden Fahrzeuge über nachgeahmte Webseiten und angeblich offizielle Verkaufskataloge angeboten. Tatsächlich existieren weder die beworbenen Autos noch die vermeintlichen Vertriebskanäle.

Was die Schweizer Polizei über Phantomautos weiss

Wie sieht die Lage hierzulande aus? STREETLIFE hat bei mehreren Kantonspolizeien und beim Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) nachgefragt.

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt, dass solche Betrugsfälle auch im Kanton Zürich vorkommen. Eine separate Statistik dazu wird allerdings nicht geführt. Auch der Kantonspolizei St. Gallen ist die Masche seit Längerem bekannt. Sie verweist auf die Schweizerische Kriminalprävention, die bereits vor Scheinfahrzeugen auf Kleinanzeigenportalen wie AutoScout24, tutti.ch oder anibis.ch warnt.

Im Kanton St. Gallen wurden 2025 insgesamt 1622 Betrugsfälle registriert, davon 1379 im Bereich der digitalen Kriminalität. Wie viele davon auf Phantomautos entfallen, lässt sich nicht ermitteln. Auch die Luzerner Polizei erfasst die Fälle nicht gesondert. Den Kantonspolizeien Aargau und Bern sind dagegen keine entsprechenden Fälle bekannt.

Erst das Schnäppchen, dann der Zeitdruck

Bei den klassischen Phantomauto-Angeboten folgt der Betrug meist einem einfachen Muster. Zuerst lockt ein auffällig günstiger Preis. Sobald sich jemand meldet, machen die vermeintlichen Verkäufer Druck. Das Auto sei begehrt, andere Interessenten stünden bereits Schlange. Wer nicht sofort zuschlage, verpasse die Gelegenheit.

«Wer sich nicht sofort entscheidet, riskiert, dass jemand anderes schneller ist», heisst es in der Warnung der Schweizerischen Kriminalprävention, auf die die Kantonspolizei St. Gallen verweist. Diese Situation werde von den Betrügern absichtlich herbeigeführt. Sie wüssten genau, dass sich unter solchem Druck nur wenige die Zeit nähmen, das Angebot gründlich zu überprüfen.

Dann folgt der entscheidende Schritt: Die Käufer sollen eine Anzahlung oder gleich den gesamten Kaufpreis überweisen. Ist das Geld weg, verschwindet auch der Verkäufer. Das versprochene Fahrzeug wird nie geliefert.

Die Luzerner Polizei bestätigt dieses Vorgehen. «Mit professionell gestalteten Inseraten und teilweise gefälschten Dokumenten versuchen sie, das Vertrauen der Kaufinteressierten zu gewinnen.» Häufig werde eine Vorauszahlung verlangt. Anschliessend breche der Kontakt ab.

Wenn selbst das Inserat täuschend echt aussieht

Besonders tückisch ist, wie überzeugend die Angebote inzwischen aussehen. «Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und digitaler Bildbearbeitung können betrügerische Angebote heute mit vergleichsweise geringem Aufwand täuschend echt gestaltet werden», erklärt Céline Lehmann vom AGVS.

Gefälschte Inserate, Bilder und Dokumente machen es selbst aufmerksamen Käufern schwer, echte Angebote von Betrugsversuchen zu unterscheiden. Ein ansprechend gestalteter Fahrzeugkatalog oder ein bekanntes Firmenlogo sind deshalb längst kein Beweis mehr für Seriosität.

Dem AGVS selbst sind bislang keine konkreten Fälle dieser Betrugsmasche bekannt. Zahlen zur Verbreitung liegen dem Verband ebenfalls nicht vor. Die Gefahr nimmt er dennoch ernst. Solche Betrugsversuche unterstrichen die Bedeutung von Transparenz, Fachkompetenz und Vertrauen beim Fahrzeugkauf, erklärt Lehmann. Seriöse Garagen könnten gerade durch persönliche Beratung, professionelle Fahrzeugprüfungen und zuverlässige Dienstleistungen Sicherheit bieten.

Auch die Betreiber von Onlineplattformen sieht der AGVS in der Verantwortung. Sie spielten bei der Erkennung und Prävention betrügerischer Inserate eine wichtige Rolle.

Die beste Versicherung ist eine Besichtigung

Was also tun, wenn im Internet plötzlich der Traumwagen zum halben Preis auftaucht? Die wichtigste Regel ist ebenso simpel wie wirksam: Kein Geld für ein Auto überweisen, das man noch nie gesehen hat.

«Egal wie gut das Angebot ist, eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Produkt ist unerlässlich», betont Florian Schneider von der Kantonspolizei St. Gallen. Bei einem Auto bedeutet das vor allem eine persönliche Besichtigung.

Auch der AGVS empfiehlt, die Identität des Verkäufers und seine Kontaktangaben genau zu überprüfen. Bei angeblichen Markenvertretungen sollte man die Kontaktdaten unabhängig über die offizielle Herstellerseite kontrollieren. Auf eine Telefonnummer aus einer verdächtigen E-Mail allein sollte man sich nicht verlassen.

Die Luzerner Polizei bringt ihre wichtigste Warnung auf eine knappe Formel: «Zu günstig, um wahr zu sein? Finger weg!» Ebenso wichtig: Sich niemals unter Druck setzen lassen und keine sensiblen Daten wie Ausweiskopien oder Kreditkarteninformationen an unbekannte Personen weitergeben.

Und wer bereits bezahlt hat? Dann zählt jede Minute. Die Luzerner Polizei rät, sofort die Bank zu kontaktieren, um abzuklären, ob sich die Zahlung noch stoppen oder zurückrufen lässt. Ausserdem sollten Betroffene sämtliche Inserate, Nachrichten und Zahlungsbelege sichern und Anzeige bei der Polizei erstatten. Der AGVS empfiehlt zusätzlich, die betroffene Verkaufsplattform zu informieren und gegebenenfalls die Rechtsschutzversicherung einzuschalten.

Der Traum vom günstigen Porsche oder Ferrari muss deswegen nicht ausgeträumt sein. Gute Gelegenheiten gibt es auf dem Gebrauchtwagenmarkt durchaus. Aber wer ein Auto verkauft, sollte es auch zeigen können. Und wenn ein Angebot fast zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es das möglicherweise auch.

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