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Hohe Benzinpreise

Tankbetrug nimmt zu: Fälle im Aargau haben sich verdoppelt

Im Aargau häufen sich die Fälle von Treibstoffdiebstahl und Tankbetrug. Die Kantonspolizei registriert deutlich mehr Fälle als im Vorjahr. Zufall oder eine direkte Folge des teuren Sprits?

Der Besuch an der Tankstelle schmerzt derzeit besonders im Portemonnaie. Die Benzinpreise sind in der Schweiz in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und erreichten Ende Juli mit durchschnittlich 1.96 Franken für Bleifrei 95 den höchsten Stand seit rund zwei Jahren. Mit den steigenden Preisen wuchs auch die Anzahl registrierter Fälle von Treibstoffdiebstahl und Tankbetrug bei der Polizei. 

Besonders im Kanton Aargau ist die Zahl der Treibstoffdiebstähle seit Anfang Jahr im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025 deutlich gestiegen. Während im vergangenen Jahr rund 40 Fälle registriert wurden, sind es mittlerweile deutlich über 50. Dies bestätigt die Kantonspolizei Aargau auf Anfrage von STREETLIFE. Auch die Zahl jener Vorfälle, bei denen Personen nach dem Tanken davonfahren, ohne zu bezahlen, hat sich beinahe verdoppelt: Von knapp 20 Fällen bis Ende Juli 2025 auf rund 40 im laufenden Jahr. 

Auch Tankstellen melden Vorkommnisse 

Die Tankstellenbetreiber der Schweiz bestätigen ebenfalls entsprechende Vorfälle. Migrol etwa verzeichnet regelmässig Fälle, in denen Kundinnen und Kunden eine Tankstelle verlassen, ohne den getankten Treibstoff zu bezahlen. Shell vermerkt ebenfalls einen leichten Anstieg und führt diesen mutmasslich zurück auf die aktuelle Preisentwicklung der Benzinpreise.

Immerhin werden die Tankstellen durch moderne Videoanlagen überwacht. Denn Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau betont, dass ansonsten die Aufklärung der Diebstähle oft schwierig sei: «Liegen nicht Videobilder der Fahrzeuge oder andere Hinweise über die Täterschaft vor, ist es recht schwierig, die Delikte zu klären.» Bestes Beispiel: Erst kürzlich berichtete STREETLIFE über sogenannte Benzin-Trickdiebe, die mit erfundenen Notlagen Autofahrende um Bargeld bringen wollen. Die Polizei warnt vor einer Zunahme solcher Fälle. 

Wenn der Alltag teurer wird 

Dass ausgerechnet jetzt mehr Menschen versuchen, sich Treibstoff illegal zu beschaffen, dürfte kein Zufall sein. Die steigenden Spritpreise treffen auf eine ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage. Höhere Wohnkosten, steigende Krankenkassenprämien und die allgemeine Teuerung setzen insbesondere den Mittelstand unter Druck. Für viele Menschen ist das Auto aber im Alltag unverzichtbar. Wenn die monatlichen Ausgaben steigen, wird auch der Tankstopp zur Belastung. 

Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau erklärt gegenüber STREETLIFE, dass keine Angaben zu den jeweiligen Umständen der einzelnen Diebstähle gemacht werden können. Die Auswertung zeige aber, dass die Fälle mutmasslich als Folge der stark gestiegenen Treibstoffpreise zugenommen haben. 

Kriminologische Forschungen zeigen, dass wirtschaftliche Belastungen und finanzielle Engpässe unter bestimmten Umständen ein Einflussfaktor für Eigentumsdelikte sein können. Ansätze wie die «General Strain Theory» gehen davon aus, dass anhaltender finanzieller Druck oder das Gefühl fehlender Handlungsmöglichkeiten bei einzelnen Personen die Wahrscheinlichkeit für sogenannte Opportunitätsdelikte erhöhen kann – also für Straftaten, die spontan und situativ begangen werden. 

Ob die Zahl der Benzindiebstähle weiter zunimmt, hängt deshalb auch davon ab, wie sich die Preise und die allgemeine wirtschaftliche Lage in den kommenden Monaten entwickeln. 

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