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SVP-Nationalrat will «Fräulein Rottenmeier» abschalten
Seit Juli 2024 piepsen neue Autos gesetzlich vorgeschrieben öfter als früher. SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann will die Pflicht-Assistenten nun dauerhaft abschaltbar machen.
Es piepst, blinkt und mahnt – und das bei jeder Fahrt von Neuem. Seit Juli 2024 müssen laut einer EU-Verordnung in neu zugelassenen Fahrzeugen gewisse Fahrassistenzsysteme serienmässig verbaut sein. Was eigentlich der Sicherheit dienen soll, wird für viele Autofahrer zunehmend zur Geduldsprobe.
Jetzt will SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann (SO) politisch gegensteuern. In der kommenden Sommersession im Juni plant er einen Vorstoss gegen die Pflicht-Assistenten im Auto: «Unsere freien Bürger in der Schweiz sollen diese Systeme deaktivieren können, wenn sie wollen», sagt Wyssmann zu STREETLIFE. Sein Ziel: «Der Bundesrat soll die Gesetzeslage so anpassen, dass die Systeme künftig dauerhaft deaktiviert werden können.»
Die «Gouvernante im Auto»
Besonders der intelligente Geschwindigkeitswarner sorgt mit seinem Gepiepse bei vielen Lenkern für Ärger. Doch auch Aufmerksamkeitskontrolle, Steuerradkontrolle, Gurten- und Türöffnungskontrolle, Spurhalteassistent, Notbremsassistent und Rückfahrassistent melden sich im Fahralltag immer wieder mit Warntönen, Symbolen oder Eingriffen.
Wyssmann spricht von «Fräulein Rottenmeier im Auto». Gemeint ist die strenge Gouvernante aus der Heidi-Geschichte – jene Figur also, die ständig mahnt, korrigiert und erzieht. Genau so empfindet Wyssmann die neuen Assistenzsysteme: «Dieses nervige Fräulein Rottenmeier muss sich endlich abstellen lassen.»
«Man wird zum Gejagten im eigenen Auto»
Für Wyssmann geht es bei seinem Vorstoss nicht nur um Komfort, sondern auch um Verkehrssicherheit: «Eigene Wahrnehmungsreflexe werden ausgeschaltet. Der Automobilist ist ständig beschäftigt mit dem Piepsen und Eingreifen und soll sich so nicht mehr selber auf den Verkehr konzentrieren. Er wird zum Gejagten im eigenen Auto!»
Auch der ökologische Aspekt gibt Wyssmann zu denken. So kritisiert er die automatische Start-Stopp-Automatik, die aus seiner Sicht langfristig dem Fahrzeug schaden könnten. «Das ständige An- und Abstellen eines Diesel-Motors macht diesen langfristig kaputt und die Fahrzeuge haben dadurch eine kürzere Lebensdauer», sagt Wyssmann.
Seine Kritik richtet sich auch gegen die Übernahme europäischer Vorschriften. «Einmal mehr sollte man ablehnen, was aus der EU kommt. Die Entwicklung ist schlimm.»
Assistenzsysteme lassen sich nicht dauerhaft ausschalten
Viele Systeme lassen sich zwar deaktivieren. Doch der Haken: Beim nächsten Start des Fahrzeugs sind sie wieder aktiv und müssen erneut manuell abgeschaltet werden. Auch der Gang in die Garage hilft nicht: Aufgrund der Gesetzeslage dürfen diese die Systeme nicht deaktivieren.

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