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Politik & Wirtschaft •
Bund bei Autodieben im «Dämmerschlaf»

SVP-Büchel fordert: «Weniger Radar-, dafür mehr Grenzkontrollen»

Die Schweiz lässt sich von kriminellen Banden auf der Nase herumtanzen. Nationalrat Roland Rino Büchel reichen die Massnahmen von Politik und Polizei nicht. Er sagt, was die Schweiz jetzt gegen die Autodiebe aus dem Ausland machen muss.

Herr Büchel, Sie haben dem Bundesrat Fragen zu den grassierenden Garageneinbrüchen und Autodiebstählen aus dem grenznahen Ausland gestellt. Mit den Antworten geben Sie sich nicht zufrieden. 

Der Bundesrat bestätigt, dass international organisierte Banden zunehmend von Frankreich aus bis in die Ostschweiz hinein aktiv sind. Er hat dazu interessante und brauchbare Hintergrundinformationen geliefert (siehe Kasten, die Red.). Wenn der Bund das Problem richtigerweise als organisierte Kriminalität bezeichnet, müsste er aber auch sagen können, wie viele Fälle aufgeklärt werden. 

Haben Sie Anhaltspunkte dafür?

Ja. Es sind klar zu wenige. 

Aus Ihrer Sicht bleibt der Bundesrat auch Antworten auf andere zentrale Fragen schuldig.

In der Tat. Die Regierung macht keine Angaben zu Verurteilungen und sie liefert keine Informationen über ausgesprochene Strafen. Zudem macht sie keine konkreten Aussagen zu zusätzlichen Grenzkontrollen. Warum das? Weil es diese kaum gibt! Dabei wären solche Aktionen unabdingbar. Diese Sache muss nun prioritär behandelt werden.   

Der Bundesrat hat immerhin eine nationale Taskforce eingesetzt. 

Sie sehen ja selbst, wie wenig sich die skrupellosen Täter und die Bosse im Hintergrund davon beeindrucken lassen! Angesichts hunderter Delikte und erheblicher Schäden genügt dies hinten und vorne nicht. Für klare Aufträge an die Polizei und das Personal an der Grenze braucht es keine neue Taskforce, sondern Chefs, die führen wollen und können. 

 

Die Behörden setzen falsche Prioritäten. Darum können die Täter weiterhin viel zu leicht ein- und mit den gestohlenen Autos wieder ausreisen.

Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat

Sie vermissen den politischen Willen, die Grenzen schärfer zu kontrollieren. 

Die Behörden setzen falsche Prioritäten. Darum können die Täter weiterhin viel zu leicht ein- und mit den gestohlenen Autos wieder ausreisen. Es braucht in der Schweiz weniger Parkbussen und Radarkästen, dafür mehr gezielte Grenzkontrollen! Auch die Polizisten würden noch so gerne weniger Parkbussen verteilen, dafür aber eine Arbeit machen, für die sie ausgebildet worden sind. Wenn die Chefs beim Bund und in den Kantonen wirklich wollen, kann man handeln. Das ist keine Raketenwissenschaft.

 

Wer bremst denn bei den Grenzkontrollen? Welche Möglichkeiten haben die Kantone? 

Dass Bundesrat Beat Jans seinen Leuten nicht die richtigen Aufträge gibt, sieht man nicht nur bei diesen Banden. Die eidgenössische Grenzwacht und die Polizeikorps der Kantone müssen endlich enger zusammenarbeiten. Die unnötigen Eifersüchteleien zwischen den verschiedenen Korps sind überflüssig; sie erschweren gute Resultate. 

Welche Rolle spielt das Schengen-Dublin-Abkommen dabei? 

Das völlig überschätzte Abkommen erleichtert es den Banden, über die Grenzen hinweg kriminell zu handeln. 

Wie geht es nun weiter: Können sich die Schweizer Garagisten darauf verlassen, dass die Behörden sie endlich besser schützen? 

Wenn die Bosse der organisierten Banden den Diebstahl von Luxusautos in der Schweiz aus Afrika oder direkt aus dem Gefängnis koordinieren können und ich unsere unkoordinierten Behörden sehe – dann bin ich nicht sehr optimistisch, dass dem üblen Tun bald der Riegel geschoben wird.

 

Wenn die Bosse der organisierten Banden den Diebstahl direkt aus dem Gefängnis koordinieren können und ich unsere unkoordinierten Behörden sehe – dann bin ich nicht sehr optimistisch, dass dem üblen Tun bald der Riegel geschoben wird.

Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat

Sie wollen doch nicht sagen, dass die Garagisten den kriminellen Banden von jenseits der Grenze auch künftig mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert sein werden?

Die Täter nutzen gezielt rechtliche Lücken aus und rekrutieren Handlanger über soziale Netzwerke. Es sind eigentliche «Stelleninserate», welche auf Snapchat oder TikTok geschaltet werden. Das zielt auf perspektivlose Jugendliche oder Minderjährige aus französischen Banlieues. Seit ich das Thema politisch aufgegriffen habe, wird wenigstens darüber berichtet. 

Öffentlichkeit als Präventivmassnahme. Kann das funktionieren?

Das System ist so aufgezogen, dass die Chefs im Hintergrund kaum greifbar sind. Sie steuern das Millionengeschäft. Die Jugendlichen erhalten für die Diebstähle der Luxuskarossen wenige tausend Euro «Lohn». Zudem tragen sie fast das ganze Risiko. Hier nützt mehr Öffentlichkeit tatsächlich nur bedingt.

Wo nützt es denn?

Bei unseren trägen Exekutiv-Politikern und den Beamten. Diese wären ohne Druck nicht aus ihrem Dämmerschlaf erwacht. Nun braucht es zusätzliche öffentliche Power, damit sie noch einen Gang hochschalten. 

 

Autodiebstahl: Zahlen und Hintergründe

In seiner Antwort auf die Fragen von Nationalrat Büchel schreibt der Bundesrat, das Bundesamt für Polizei, Fedpol, habe bis zu diesem Zeitpunkt Kenntnis von schweizweit rund 435 Einbrüchen oder Einbruchsversuchen in Garagenbetriebe seit Anfang 2025. Im Jahr 2026 belaufe sich die Zahl auf mindestens 116 Einbrüche oder Einbruchsversuche. Die Tätergruppierungen agierten «nun auch über den Jurabogen in Richtung Ostschweiz hinaus». Die kriminellen Gruppierungen hinter den Taten seien mutmasslich hauptsächlich in Frankreich, aber gemäss Europol auch in Spanien und Italien zu verorten. 

Sie funktionierten nach dem Prinzip des «Crime-as-a-Service», nach welchem kriminelle Dienstleistungen gegen Bezahlung angeboten würden. Die Aufträge nähmen sie über Social Media oder Chatkanäle entgegen. Eine neue nationale Taskforce soll gemäss Bundesrat bei der Identifikation, Aufklärung und Zerschlagung der dahinterstehenden Täterstrukturen und Organisatoren helfen. 

 

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