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Verkehr ’45

Mehr SBB, weniger Autobahn – so will Rösti den Verkehrskollaps verhindern

Mit «Verkehr ’45» legt der Bundesrat fest, wie sich die Schweiz in den nächsten zwanzig Jahren bewegen soll: mehr Kapazität auf der Schiene, weniger Engpässe auf der Strasse und neue Impulse für die Agglomerationen. Der Plan verspricht Ordnung im Infrastrukturdschungel.

Die Schweiz steht vor wachsenden Mobilitätsbedürfnissen: mehr Bevölkerung, mehr Pendelverkehr, steigende Gütermengen, und gleichzeitig der Anspruch, Raum, Klima und Lebensqualität zu schonen. Mit der heute beschlossenen Stossrichtung «Verkehr ’45» reagiert der Bundesrat auf diese Herausforderungen. Erstmals soll der Ausbau von Bahn, Strasse und Agglomerationsverkehr in einer gemeinsamen Vorlage geplant und priorisiert werden.

Nationalstrassen: Weniger Projekte, klarere Prioritäten

Auch die Nationalstrassen bleiben wichtig für Personen- und Güterverkehr. Der Bundesrat setzt hier jedoch auf eine stärkere Priorisierung. Im Ausbauschritt 2027 sollen lediglich zwei Projekte realisiert werden, beide auf der A1:

  • Aarau-Ost – Birrfeld (AG)
  • Perly – Bernex (GE)

Sie kosten zusammen rund 1,5 Milliarden Franken und sollen zentrale Engpässe entschärfen. Gleichzeitig werden über 30 geplante Strassenprojekte mit geringem Nutzen-Kosten-Verhältnis gestrichen. Ein deutliches Signal für mehr Effizienz und gegen flächendeckenden Ausbau. Stattdessen prüft der Bund betriebliche Massnahmen, etwa die temporäre Nutzung von Pannenstreifen in Spitzenzeiten.

Mehr Bahn: Taktverdichtungen und Schlüsselprojekte

Im Zentrum von «Verkehr ’45» steht klar die Schiene. Bereits bis 2030 will der Bundesrat das Angebot punktuell ausbauen, etwa mit besseren Verbindungen zwischen Biel und Lausanne/Genf. Grössere Investitionen folgen bis 2035: Rund drei Milliarden Franken sind vorgesehen für dichtere Takte, darunter der Viertelstundentakt Bern–Zürich sowie neue Halbstundentakte auf wichtigen Achsen im Mittelland.

Langfristig, mit Zeithorizont 2045, sollen grosse Schlüsselprojekte realisiert werden, die auch von der ETH Zürich empfohlen wurden. Dazu zählen unter anderem der Zimmerberg-Basistunnel II, der Ausbau der Bahnhöfe Genf Cornavin und Basel SBB, das 4. Gleis Zürich Stadelhofen, eine erste Etappe des Durchgangsbahnhofs Luzern sowie der Grimseltunnel, der Bahn- und Energieinfrastruktur kombiniert

Allein diese Projekte kosten mindestens zehn Milliarden Franken. Weitere Grossvorhaben, etwa im Raum Morges oder Luzern, sollen 2031 folgen.

Agglomerationen: Koordination von Verkehr und Siedlung

Besonders für den Alltag entscheidend ist das Programm Agglomerationsverkehr. Es verbindet Verkehrsprojekte mit Siedlungsentwicklung und unterstützt Städte und Regionen finanziell. In der kommenden Programmgeneration sollen unter anderem Projekte in den Agglomerationen Genf, Lausanne–Morges, Zürich, Aareland und Burgdorf mit insgesamt rund 500 Millionen Franken gefördert werden.

Zusätzlich plant der Bundesrat kleinere Massnahmen in rund 40 Agglomerationen, etwa für Veloinfrastruktur, ÖV-Knoten oder verkehrsberuhigte Räume.

Finanzierung: Mehr Effizienz, klare Grenzen

Der geplante Ausbau ist teuer und politisch sensibel. Für die Bahn will der Bundesrat das befristete Mehrwertsteuerpromille verlängern und so bis 2045 rund acht Milliarden Franken zusätzlich in den Bahninfrastrukturfonds BIF einspeisen. Für Strasse und Agglomerationen bleibt der NAF die zentrale Finanzierungsquelle, ergänzt ab 2030 durch eine Abgabe auf Elektrofahrzeuge.

Neu ist der starke Fokus auf Kostendisziplin. Das bedeutet: Nur Projekte mit abgeschlossenem Vorprojekt kommen in einen Ausbauschritt. Dazu sollen Normen flexibler angewendet werden und die Digitalisierung soll dichtere Zugfolgen ermöglichen. Reichen die Mittel nicht aus, werden Projekte verschoben oder abgespeckt.

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