Zum Hauptinhalt springen

Werbung

Politik & Wirtschaft •
Konkurrenz durch Uber und Bolt

Preiskampf am WEF – wie Limousinen-Anbieter um Aufträge buhlen

Wenn sich im Januar Staatschefs, CEOs und Superreiche in Davos treffen, fliesst normalerweise auch das grosse Geld. Vor allem die Limousinen-Branche profitiert davon. Doch während einige Anbieter die Preise erhöhen, geraten andere durch Plattformen wie Uber und Bolt massiv unter Druck. Die Branche ist gespalten.

Das World Economic Forum WEF gilt als Hochsaison für Chauffeure und Limousinenfirmen. Während der WEF-Woche buhlen Anbieter um die zahlungskräftigste Kundschaft der Welt: Staatsoberhäupter, internationale Konzernlenker und deren Entouragen. Wer einen Auftrag ergattert, kann normalerweise mit hohen Umsätzen rechnen. 

Für die Swiss Limousine Association SLA ist die Lage während des World Economic Forums klar: Die Preise schiessen in die Höhe. Verbands-Präsident Ralph-Martin Trümmel betont, dass sich die Mitglieder des Verbands im absoluten Höchstpreissegment bewegen. 

«Alles wird teurer» 

Die Entwicklung zeichne sich jetzt schon mehrere Jahre ab: «Es wird einfach alles teurer», sagt Trümmel. Unterkünfte für Fahrer, Fahrzeugmieten, Bewilligungen, Badges und Sticker fürs WEF – die Kosten seien kontinuierlich gestiegen. Auch die Löhne habe man angepasst. Entsprechend seien auch die Preise schrittweise nach oben korrigiert worden. 

Aus Sicht des Verbands sind klassische Limousinenservices zudem nicht mit Plattformanbietern wie Uber oder Bolt vergleichbar. Es handle sich um unterschiedliche Dienstleistungen mit anderen Standards, anderer Verfügbarkeit und anderem Servicelevel.  

Dass einzelne Anbieter dennoch mit tieferen Preisen operieren, erklärt Trümmel eher mit individuellen Geschäftsmodellen. Gerade Einzelunternehmer oder sogenannte One-Man-Shows stünden stärker unter Druck und passten ihre Preise womöglich aus unternehmerischer Unsicherheit nach unten an. Der Verband selbst mache keine Preisvorgaben, Absprachen gebe es ebenfalls keine. 

Unter der Oberfläche brodelt es 

Ganz anders sieht das Kurt-Raymond Meier, Privatchauffeur aus dem Raum Zürich. Er erlebt den Markt deutlich rauer. «Es herrscht ein brutaler Preiskampf bei den Limousinenfahrern», sagt er. Seit dem Markteintritt von Uber – und später Bolt – hätten sich die Spielregeln grundlegend verändert. 

Was früher ein lukratives Geschäft war, sei heute kaum mehr rentabel. Meier spricht von massivem Preisdumping, das zunächst in Zürich begonnen habe. Mit dem Einstieg von Bolt habe sich der Konkurrenzkampf weiter verschärft. Jeder Anbieter habe versucht, den anderen zu unterbieten, mit direkten Auswirkungen auf die Fahrten nach Davos während des WEF. Hinzu kämen Anbieter aus dem Ausland, die ebenfalls zu sehr tiefen Preisen fahren.  

Der Fahrdienstvermittler Bolt weist den Vorwurf des Preisdumpings zurück. Bei Grossveranstaltungen wie dem WEF wende man klar definierte, veranstaltungsspezifische Preise für Premium-Dienstleistungen an, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Für wichtige Fernstrecken – etwa zwischen Zürich und Davos oder Klosters – gelten demnach Festpreise, die den Fahrern im Voraus kommuniziert werden. 

Hoher Aufwand, tiefe Preise 

Besonders problematisch sei für Privatchauffeure wie Kurt-Raymond Meier das Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Zwar hätten ihn Uber und Bolt angefragt, während des WEF Fahrten zu übernehmen. Nachdem er die Auflagen gesehen habe, habe er jedoch abgelehnt. 

Für Einsätze in Davos braucht es spezielle Zufahrtsbewilligungen und Plaketten, die viel Geld kosten. Diese müssen persönlich bei der Polizei in Davos abgeholt werden. Für gewisse Hotels und Hotspots sind sie zwingend notwendig. «Mit den Preisen von Uber und Bolt und den Investitionen, die man selbst noch tätigen muss, lohnt sich das nicht», sagt Meier. 

Wie stark der Preiszerfall ist, zeigt ein konkretes Beispiel: Eine Fahrt vom Flughafen Zürich nach Davos kostete gemäss Meier früher mit Uber Black rund 850 Franken. «Letztes Jahr wurde dieselbe Fahrt für etwa 400 Franken angeboten», sagt Meier. Für ihn ist klar, dass sich solche Preise langfristig nicht rechnen. 

Bolt kontert: Nach dem ersten WEF-Jahr habe das Unternehmen Rückmeldungen der Fahrer ausgewertet und die Preisstruktur angepasst. Für 2025 und 2026 seien die Festpreise je nach Strecke gar um rund 15 bis 50 Prozent erhöht worden. Diese Anpassungen würden die tatsächlichen Betriebskosten, die Nachfrage sowie qualitative Rückmeldungen der Fahrer widerspiegeln. 

Ob im Hochpreissegment oder als Einzelunternehmer: Das WEF bedeutet für Limousinenfahrer intensive Arbeit unter aussergewöhnlichen Bedingungen. Steigende Kosten, hoher organisatorischer Aufwand und wachsender Wettbewerbsdruck sorgen dafür, dass sich der Einsatz nicht für alle gleichermassen lohnt. 

Leserreporter

Hast du etwas beobachtet?

Schicke uns deine Bilder und Videos! Bei unseren Lesern ist immer etwas los, doch unsere Reporterinnen und Reporter können nicht überall sein. Und hier kommst du ins Spiel: Hast du etwas beobachtet oder möchtest du uns etwas mitteilen, das nur du weisst? Schicke uns deine Bilder und Videos per WhatsApp unter 077 279 72 56 oder per Mail an redaktion@streetlife.ch.

Werbung