Werbung
Park + Rail im Check: Wie verlässlich ist der Umstieg am Bahnhof?
Die Theorie klingt so einfach: «Lass das Auto am Stadtrand stehen und nimm den Zug!» Während Parkplätze in den Zentren immer knapper werden, muss die Alternative am Bahnhof auch halten, was sie verspricht. Wie viele Parkfelder stehen tatsächlich zur Verfügung – und wie nutzerfreundlich ist das P+Rail-Konzept? STREETLIFE hat den Check gemacht.
Der Bund und viele Kantone haben sich zum Ziel gesetzt, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs bis 2050 deutlich zu senken. In Städten wie Zürich oder Bern soll der ÖV-Anteil auf teils über 70 bis 80 Prozent steigen. Um dies zu erreichen, wird das Autofahren in den Zentren durch höhere Gebühren und den gezielten Abbau von Parkplätzen zunehmend unattraktiv gemacht.
Die Lösung für Pendler aus der Agglomeration soll die «kombinierte Mobilität» sein: Mit dem Auto bis zum Bahnhof und dann per Schiene ans Ziel. Doch was, wenn das schwächste Glied in der Kette schon der Parkplatz selbst ist? STREETLIFE hat die Verfügbarkeit und Nutzerfreundlichkeit an vier wichtigen Park + Rail-Standorten geprüft.
Als aller erstes benötigt man ein Login für die SBB-App. Ist dieses eingerichtet, lädt man sich die P+Rail-App herunter und verknüpft diese mit dem SBB-Login. Auf der App findet man alle 600 Standorte über die Suchfunktion. Es genügt die Ortschaft und schon werden die verschiedenen Möglichkeiten und Parkplätze angegeben, die angesteuert werden können.
Man kann Plätze bequem per App buchen, doch eine Garantie für einen freien Platz ist das nicht, sondern lediglich die Bezahlung der Parkgebühr. An ausgewählten stark nachgefragten Standorten besteht aber die Möglichkeit, einen Parkplatz vorgängig zu reservieren.
Die Tarife sind an den verschiedenen Standorten verschieden. Während etwa in Solothurn eine Stunde parkieren 1 Franken kostet, bezahlt man in Baden AG für dieselbe Parkdauer mit 2 Franken das doppelte. Auch die 24-Stunden-Karte variiert im Preis je nach Lage.
P+Rail Dietikon ZH
Unser erster Halt des Tages: Das SBB P+Rail in Dietikon. Der Platz ist nicht zu übersehen. Steht man vor dem Bahnhof, so befindet sich der Parkplatz links vom Bahnhofsgebäude. Bei der Ankunft um 9:30 Uhr waren von insgesamt 96 Parkplätzen 13 Abstellplätze frei.
P+Rail Thun BE
Als zweiten Standort reisen wir nach Thun. Dort zählt das P+Rail der SBB genau 100 Parkplätze. Auch hier ist die Einfahrt zu den Abstellplätzen schnell und einfach gefunden. Bei Ankunft zur Mittagszeit waren 14 Parkplätze frei.
P+Rail Baden AG
Die nächste Destination ist Baden AG. Das SBB P+Rail befindet sich etwas versteckt auf der West-Seite des Bahnhofs und bietet Platz für 40 Autos. Um 15:30 Uhr war genau ein Parkplatz auf dem SBB-Areal frei. Da es nur wenige Parkplätze gibt, ist die Lage überschaubar und die Suche schnell beendet.
P+Rail Solothurn
In Solothurn besuchen wir mit 196 Parkplätzen den grössten SBB P+Rail des heutigen Tages. Hier dauert die Suche nach einem Abstellplatz mehrere Minuten und rund um das Parkareal. Total zählen wir 14 freie Parkplätze, wovon einige für Kleinwagen in Smart-Grösse reserviert sind. Fündig werden wir erst gegen Ende des SBB-Parkareals.
Dort begegnen wir Anita Sindiker aus Kappel SO. Die 54-Jährige nutzt das P+Rail-System der SBB für die Arbeit. Heute hatte sie Glück mit der Parkplatzsuche. Aber normalerweise verliert sie viel Zeit mit der Suche – und dreht oft mehrfach ihre Runden: «Es ist auch schon vorgekommen, dass ich wieder weggefahren bin. Ich drehe dann meine Runde in der Stadt und komme später zurück», erzählt sie genervt.
Das sagt die SBB: Fokus auf bestehende Strukturen
Wir haben die SBB mit unserer Zählung konfrontiert. Die P+Rail-Anlagen sind am Limit. Im Durchschnitt waren über 90 Prozent der Plätze belegt. Spitzenreiter war Baden, wo die Auslastung bei fast 98 Prozent lag.
Wer auf eine Ausbau-Offensive hofft, wird enttäuscht. Auf Anfrage von STREETLIFE teilt die SBB mit: «Ein genereller Ausbau stark nachgefragter Standorte ist derzeit nicht vorgesehen.» Man prüfe lediglich «punktuelle Anpassungen».
Um unnötige Suchfahrten und Extrakilometer zu vermeiden, wäre eine flächendeckende Live-Ansicht der Belegung eigentlich Pflicht. Dass dies technisch möglich ist, zeigt P+Rail bereits an vereinzelten Standorten wie dem Flughafen Zürich. Doch was dort vorbildlich funktioniert, bleibt im restlichen Netz bisher die Ausnahme: «Einen Zeitpunkt für eine flächendeckende Live-Anzeige freier Parkplätze können wir derzeit nicht nennen. Wo Belegungsinformationen angezeigt werden, handelt es sich um statistische Orientierungswerte», sagt die SBB.
P+Rail: Ein Angebot mit Lücken
Der Park + Rail-Check zeigt: Die Nachfrage ist gross, das Angebot stösst jedoch an vielen Orten an seine Grenzen. Damit der Umstieg vom Auto auf den Zug für noch mehr Menschen attraktiv wird, müsste die Infrastruktur am Bahnhof mit der Entwicklung in den Städten mithalten. Wie die SBB auf Anfrage mitteilt, stehe sie regelmässig mit Kantonen, Städten und Gemeinden dazu im Austausch.
Solange man am Bahnhof mit Unsicherheiten bezüglich freier Plätze oder passender Parkfeldgrössen rechnen muss, bleibt die direkte Fahrt mit dem Auto bis zum Zielort für viele Pendler vielleicht sogar die stressfreiere Alternative.
Werbung

















