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Verkehr •
Handysünder am Steuer

STREETLIFE-Test zeigt: Jeder zehnte Autofahrende greift zum Smartphone

Das Smartphone ist für die Menschen längst zum ständigen Begleiter geworden – selbst während der Fahrt oder an der Ampel. STREETLIFE hat in Basel, Zürich, Winterthur und Baden nachgezählt. Wir wollten wissen: Wie schlimm steht es wirklich um die Smartphone-Disziplin der Schweizer Autofahrenden?

Das Handy am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Wer während der Fahrt Nachrichten liest, tippt oder filmt, lenkt den Blick für entscheidende Sekunden von der Strasse ab. Das erhöht das Unfallrisiko, sorgt für stockenden Verkehr und kann teure Konsequenzen nach sich ziehen. 

Wie ernst die Behörden solche Verstösse nehmen, zeigte ein Fall Ende Juni im Kanton Schwyz. An der Gotthardstrasse in Oberarth brannte ein Auto. Ein gefährlicher Einsatz für die Feuerwehr und Polizei. Doch statt zügig und konzentriert am Schadenplatz vorbeizufahren, zückten mehrere Autofahrende ihr Handy. Filmen und Fotografieren statt Lenken. Drei Personen wurden von der Kantonspolizei Schwyz direkt verzeigt. Ihnen droht nun nicht nur eine saftige Busse, sondern auch der Entzug des Führerausweises.  

In der Schweiz ist die Smartphone-Nutzung am Steuer – auch beim Warten an der Ampel oder im Stau – strikt untersagt. Das Gesetz fordert die ständige Beherrschung des Fahrzeugs (Art. 31 SVG) sowie die ungeteilte Aufmerksamkeit (Art. 3 VRV). Wer das Handy ohne Freisprechanlage bedient, riskiert eine Ordnungsbusse von 100 Franken.  

Doch es kann weit teurer werden: Tippen, Texten oder Filmen während der Fahrt gelten als grobe Verkehrsregelverletzung. In diesen Fällen folgt eine Verzeigung, die den Führerausweis für mindestens drei Monate kosten kann und happige Geldstrafen nach sich zieht. Auch das Filmen von Unfallstellen ist strafbar. Es verletzt zudem die Persönlichkeitsrechte der Opfer. 

Die Polizei warnt deutlich: Wer seine Aufmerksamkeit nicht dem Verkehr widmet, macht sich strafbar. Doch ist das nur die Spitze des Eisbergs? STREETLIFE hat den Test gemacht und sich an die Strassen gestellt. 

Der STREETLIFE-Check: Das haben wir beobachtet 

In einem Test haben wir in verschiedenen Städten gezählt: Wie viele Autofahrende tippen während der Fahrt oder an der Ampel auf ihrem Display herum? An jedem unserer Standorte – Basel, Zürich, Winterthur und Baden – wurde genau eine Stunde lang observiert. Dabei haben wir die Zeit aufgeteilt: 30 Minuten lang galt unser Fokus dem fliessenden Verkehr, die restlichen 30 Minuten konzentrierten wir uns ausschliesslich auf das Geschehen an einer roten Ampel. Die Ergebnisse haben wir hierzusammengetragen.  

Basel 

An der Emil-Frey-Strasse/Münchensteinerstrasse an der Stadtgrenze zu Basel fahren täglich rund 6000 Autos vorbei. Swenja Willms hat sich das Geschehen eine Stunde lang genau angeschaut. Von 213 vorbeifahrenden Autos waren 14 Fahrende sichtlich am Handy (6.5%). Das klingt nach wenig, aber bei Tempo 50 bedeutet eine Sekunde Ablenkung fast 14 Meter Blindflug.  

An der Ampel nutzen von 201 wartenden Fahrzeugen 10 Personen die Rotphase für einen schnellen Check (4.98%). Auch bei stehendem Fahrzeug vor einer roten Ampel ist die Bedienung des Handys verboten (siehe Infobox).  

Winterthur 

Marthin Bartholdi nahm die Kreuzung Wülflingerstrasse/Neuwiesenstrasse unter die Lupe. In Fahrt waren von 233 gezählten Fahrzeugen 19 Personen am Handy (8.5%). Am Lichtsignal stieg die Quote deutlich: 24 von 191 Fahrern konnten die Finger nicht vom Display lassen (12.57%). 

Sein Fazit: Das Handy kennt keine sozialen Schichten, aber ein Generationengraben ist sichtbar. So waren fast ausschliesslich Leute am Handy, die alleine im Auto sassen. Nur eine Gruppe fiel positiv auf: Ältere Menschen ab dem Pensionsalter wurden kein einziges Mal am Handy gesehen. Diese scheinen sich auf das Fahren zu konzentrieren. 

Baden 

In Baden suchte sich Salvatore Iuliano eine besonders pikante Stelle aus: Er postierte sich direkt bei der Kantonspolizei Aargau. Doch selbst hier war das Ergebnis an der Ampel ernüchternd: 22 von 171 (12.8%) Automobilisten hatten das Handy in der Hand, während sie auf Grün warteten, darunter sogar ein Fahrlehrer, der seine Vorbildfunktion komplett missachtete.  

Beim anschliessenden Wechsel auf eine Brücke über der Mellingerstrasse zeige sich ein ähnliches Bild. Von 314 Fahrzeugen in Fahrt waren 24 Personen unerlaubt am Handy (7.6%). Auch Salvatore Iuliano fiel auf: Die Fehlbaren sassen ausnahmslos alleine im Auto. Sobald ein Beifahrer mit an Bord war, schien die soziale Kontrolle zu wirken und das Handy blieb in der Tasche. 

Zürich 

Einen notorischen Verkehrsknotenpunkt wählte Lukas Rüttimann in Zürich: die Strecke zwischen dem Kreisel beim Triemlispital bis zur ersten Ampel auf der Birmensdorferstrasse Richtung stadteinwärts. Vor allem dort bestätigte sich das Bild: 33 von 234 Autofahrenden griffen bei Rot zum Handy, also ungefähr 14,1%. 

Auch bei diesem Wert gilt: Junge und Alleinfahrende griffen deutlich häufiger zum Handy als Personen mit Begleitung. Bei diesen war dafür meist die Person auf dem Beifahrersitz am Handy, was natürlich erlaubt ist. Ältere Fahrende zeigten sich disziplinierter und liessen das Handy zumeist versorgt. Geschlechterspezifisch fiel das Verhalten kaum ins Gewicht: Junge Frauen und Männer zückten das Handy gleichermassen.

Zwischen Kreisel und Ampel ein ähnlicher Eindruck: Junge, allein Fahrende greifen während der Fahrt öfters zum Handy als Fahrer in sozialer Begleitung; bei 412 Fahrzeugen wurden 33 Fälle registriert (8,01%). Spannend zudem: Firmenfahrzeuge hatten ihr Handy zumeist via Halterung installiert und liessen es auch dort. Und: Bei einer zweiten Zählung am Sonntag blieb das Handy deutlich häufiger liegen als beim Stichtest unter der Woche. Stress scheint also ein zusätzlicher Faktor zu sein, der Autofahrende während der Fahrt zum Smartphone greifen lässt. 

Fazit 

Der STREETLIFE-Test zeigt, dass das Handy am Steuer ist kein Randphänomen. Über alle acht Zählungen hinweg griffen 9,6 Prozent der beobachteten Autofahrenden zum Smartphone – also fast jeder Zehnte.  

Während der Fahrt lag der Anteil bei 7,7 Prozent, an der roten Ampel sogar bei 12,4 Prozent. Besonders häufig griffen jüngere Alleinfahrende zum Handy, während ältere Personen und Autofahrende mit Begleitung deutlich disziplinierter unterwegs waren.  

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