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Verkehr •
Ungültig seit 1,5 Jahren

Noch immer sind 380'000 blaue Führerausweise im Umlauf

Seit Anfang November 2024 ist der blaue Führerausweis nicht mehr gültig. Trotzdem sind noch immer rund 380’000 davon im Umlauf. Das sind die Gründe der Umtausch-Verweigerer.

Er gehörte jahrzehntelang zum Schweizer Strassenbild: der blaue Papier-Führerausweis. Bis 2003 wurde er in der Schweiz ausgestellt, danach ersetzte ihn der Führerausweis im Kreditkartenformat. Gültig blieb das blaue Dokument aber noch viele Jahre. Erst seit dem 1. November 2024 sind alle blauen Führerausweise definitiv ungültig. 

Trotzdem halten immer noch hunderttausende an ihrem «blauen Permi» fest: 380'844 waren per 31. Dezember 2025 nach wie vor im Umlauf. Ein Jahr zuvor, per 31. Dezember 2024, lag die Zahl noch bei 398'575. Direkt nach Ablauf der Umtauschfrist, per 31. Oktober 2024, waren es 418'462, und per 31. Dezember 2023 sogar noch 639'970. Die Zahlen stammen von der Vereinigung der Strassenverkehrsämter asa und beziehen sich auf Ausweise in der Schweiz und im Ausland. 

 

Viele fahren wohl nicht mehr mit dem Auto

Dass noch immer so viele Blaue Führerausweise nicht umgetauscht wurden, erklärt asa-Sprecherin Monica Di Mattia so: «Viele Ausweisinhaberinnen und Inhaber, insbesondere ältere Personen, nehmen nicht mehr aktiv am motorisierten Verkehr teil und verzichten daher auf einen Umtausch.» Hinzu komme ein weiterer Punkt: «Ein weiterer Teil der noch registrierten blauen Führerausweise entfällt auf Schweizerinnen und Schweizer im Ausland, die ihren Führerausweis in der Regel ebenfalls nicht mehr benötigen und ihn deshalb nicht umtauschen.» 

 

So reagierten Leute mit einem blauen Führerausweis

Allein in der Schweiz trotzten im Dezember 2024 eine Viertelmillion der Umtauschpflicht, wie ein früherer Artikel von STREETLIFE berichtete. Die Reaktionen darauf zeigten: Für viele ist der Blaue Führerausweis mehr als ein ungültiges Dokument. Er ist auch ein Stück Alltag, Nostalgie und für manche sogar ein kleines Symbol gegen unnötige Bürokratie. 

So schrieb Leser Remo P.: «Da gehöre ich auch dazu. Meine Autos sind 53 und 74 Jahre alt, da muss der Ausweis dazu passen. Nein ernsthaft, wenn ich zum Umtausch gezwungen werde und dafür auch noch bezahlen soll, hängt's mir aus. Ich habe nichts bestellt...» 

Leser Aaron G. hatte einen anderen Vorschlag: «Einfach gelassen nehmen. Die Strassenverkehrsämter könnten die neuen Karten per Post versenden. Mit Kreditkarten, SIM-Karten, Krankenkassenkarten etc. geht das auch.» 

Und Andre W. fasste es kurz zusammen: «Vorteile keine, Kosten ja.» 

Umtausch-Kosten variieren je nach Kanton

Könnte auch die Höhe der Umtauschgebühr eine Rolle spielen? So gibt es in den einzelnen Kantonen grosse Preisunterschiede: In Basel-Stadt kostet der Umtausch beispielsweise 75 Franken, während man in St. Gallen 30 Franken zahlt. Monica Di Mattia ordnet ein: «Aus unserer Sicht hat die Höhe der Umtauschgebühr keinen wesentlichen Einfluss auf die Anzahl Umtausche.» Das asa weist zudem darauf hin, dass die Kantone für die Gebührenerhebung zuständig sind und die Vereinigung keinen Einfluss auf die Höhe hat. 

Busse steht nicht im Vordergrund

Wer mit dem ungültigen blauen Führerausweis unterwegs ist, riskiert zwar grundsätzlich eine Busse von 20 Franken. Im Alltag scheint das Thema bei den Polizeikorps aber mit Augenmass gehandhabt zu werden, wie eine frühere Umfrage von STREETLIFE zeigte. Mehrere Polizeikorps betonten, dass der Fokus auf dem Umtausch und nicht auf den Bussen liegen würde.  

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