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Motorsport-Community feiert

Rennverbot fällt – kommt jetzt die Formel 1 in die Schweiz?

Nach Jahrzehnten des Verbots dürfen in der Schweiz wieder Rundstreckenrennen durchgeführt werden. Der Bundesrat hat kürzlich einen 15 Jahre alten Vorstoss von Swiss-Moto-Präsident Walter Wobmann gutgeheissen. Der Ex-Parlamentarier nennt gegenüber STREETLIFE erste mögliche Austragungsorte.

Die Motorsport-Community in der Schweiz hat Grund zu feiern: Bereits ab dem 1. Juli 2026 sind Rundstreckenrennen hierzulande unter bestimmte Auflagen wieder zugelassen, wie der Bundesrat am 6. Mai beschlossen hat. Dies sei «ein historischer Tag für den Schweizer Motorsport», teilte kurz darauf der nationale Dachverband für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer in der Schweiz, Swiss Moto, mit. 

Das Verbot wurde in der Folge des schweren Unfalls von Le Mans im Jahr 1955 erlassen. 71 Jahre und mehrere technologische und sicherheitstechnische Revolutionen später dürfen in der Schweiz nun also wieder öffentliche Rundstreckenrennen veranstaltet werden.

Nachdem das Verbot im Strassenverkehrsgesetz bereits aufgehoben worden war, wurden nun auch die Detailregelungen in der Verkehrsregelnverordnung angepasst. Die Bewilligung von Rundstreckenrennen liegt bei den Kantonen. Dabei haben diese insbesondere Sicherheitsstandards sowie Anforderungen des Umweltschutzes zu berücksichtigen

Ende eines «Unsinns»

Treibende Kraft hinter der Aufhebung des Rundstreckenrennverbots ist der ehemalige SVP-Nationalrat und Swiss-Moto-Präsident Walter Wobmann, der sich nun schon seit fast 30 Jahren in dieser Sache engagiert. «Es war eine lange Geschichte», sagt er zu STREETLIFE über sein Engagement.

Wobman startete die ersten Anläufe gemeinsam mit seinem Rats- und Parteikollegen Ueli Giezendanner. Im Berner Parlament war er seit 2003 Hauptinitiator und auch als Wortführer aktiv. Schliesslich gelang es ihm, auch andere Parlamentarier an Bord zu holen und die Behörden zu überzeugen. «Niemand kann den Aufwand wirklich nachvollziehen», sagt Wobann. «Aber das spielt ja auch keine Rolle, denn ich freue mich einfach riesig!»

Anfänglich waren Bemühungen gescheitert, die ausdrücklich die «Wiederzulassung von Formel-1-Autorennen» in der Schweiz gefordert hatten. Ein zurückhaltender formulierte Vorstoss von Wobmann von 2010 führte nun wiederum nach mehr als 15 Jahren zum Ziel. Wobmann argumentiert, dass sich seit den 1950er Jahren und dem Drama von Le Mans sowohl die Sicherheitsmassnahmen im Allgemeinen wie auch die Technologie der Fahrzeuge massiv verbessert hätten.

Das Verbot habe weiter zur Folge gehabt, dass Schweizer Motorsportler für Trainings- und Rennzwecke jährlich Tausende Kilometer hätten zurücklegen müssen, weil die Schweiz keine eigene Rundstrecke besitze. Auch Kurse zur Förderung der Fahrzeugbeherrschung oder Testfahrten mit speziellen Auto- bzw. Motorradmodellen, welche sich nur auf einer vollwertigen Rennstrecke durchführen lassen, hätten im umliegenden Ausland durchgeführt werden müssen. Dies sei – neben der «Diskriminierung einer Sportart und ihrer Zehntausenden von einheimischen Fans» – sowohl ökologisch wie auch volkwirtschaftlich «ein Unsinn».

Auch Zulieferer profitieren

Wobmann weist auf weitere Möglichkeiten hin: Die Strecken könnten auch als Testgelände für einheimische Autozulieferbetriebe genutzt werden. Nicht zu vergessen sei das Forschungsgebiet der alternativen Antriebe, dessen Produkte insbesondere für Langzeitversuche und Geschwindigkeitstests auf entsprechende Infrastrukturen angewiesen seien.

Für Swiss Moto ist der Entscheid «weit mehr als eine juristische Anpassung.» Er sei ein wichtiges Signal an die gesamte Motorsport-Community in der Schweiz und zeige, dass Motorsport, Sicherheit, technische Entwicklung, Verantwortung und moderne Rahmenbedingungen heute zusammen gedacht werden könnten. Dass dieses Anliegen nun umgesetzt werde, sei auch das «Ergebnis von Beharrlichkeit». Wobmann habe sich über viele Jahre dafür eingesetzt, die Anliegen der Motorsportlerinnen und Motorsportler in Bundesbern zu vertreten, politische Netzwerke genutzt und immer wieder darauf hingewiesen, dass ein pauschales Verbot nicht mehr in die heutige Zeit passe

Wo Rennstrecken denkbar sind

Und wie geht es nun weiter? Finden in der Schweiz schon bald wieder MotoGP- oder Formel-1-Rennen statt?

«Nun kommt endlich Bewegung in die Sache», sagt Wobmann. Aber so schnell gehe es nicht. «Ich bin Realist, kein Fantast». Auch Swiss Moto betont, die Realität in der Schweiz bleibe anspruchsvoll: Raumplanung, Umweltauflagen, Lärmschutz, Investitionskosten und gesellschaftliche Akzeptanz setzten dem Rundstreckenrennsport hierzulande Grenzen. Für grosse internationale Veranstaltungen bestünden weiterhin erhebliche infrastrukturelle und politische Hürden. Der direkte Nutzen der Verbotsaufhebung bestehe deshalb vor allem im nationalen und regionalen Motorsport.

Besonders im Supermoto-Bereich könnte die neue Regelung jedoch relativ rasch konkrete Auswirkungen haben. Bisher war ein Offroad-Anteil notwendig, um Rennen durchführen zu können. Mit der neuen Ausgangslage öffneten sich Türen für reine Onroad-Rennen und damit für neue Veranstaltungsformate, neue Standorte und eine breitere Entwicklung des Sports in der Schweiz.

Und wo würden die Rennen in Zukunft durchgeführt? An erster Stelle nennt Wobmann das TCS-Fahrzentrum in Lignères im Neuenburger Jura. Aber natürlich müsse der TCS über einen Ausbau entscheiden. Infrage kämen auch Wettkämpfe auf Flugplätzen wie etwa jenem von Ambrì. Nun liegt es an der Motorsportszene selbst, umsetzbare Ideen zu entwickeln.

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