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Milliarden-Verschwendung?
Der umtriebigen Tunnellobby im Bundeshaus ist es gelungen, Bundesrat Rösti von einem wahnwitzigen Projekt zu überzeugen. Mit einem Bahntunnel, welches hunderte von Steuermillionen verschlingen wird, soll das abgelegene Haslital mit dem Oberwallis verbunden werden.
Beim Ergattern von Steuermilliarden gibt es in Bundesbern zwei besonders erfolgreiche Gruppierungen: Die Bauernlobby und die Tunnellobby. Während bei der teuer subventionierten Landwirtschaft immerhin die Ernährungssicherheit der Schweiz im Vordergrund steht, sorgen die Tunnellobbyisten mit dem aktuellen Projekt des Grimseltunnel in weiten Teilen der vernunftsorientierten Bevölkerung für Kopfschütteln. Das Vorhaben des Bundesrats, die Grimsel-Höchstspannungsleitung zwischen Bern und dem Wallis durch ein Kabeltunnel zu ersetzen, macht grundsätzlich Sinn. Aber nun will die Tunnellobby das abgelegene Innertkirchen durch ein «multifunktionales Tunnel» mit dem Oberwallis verbinden. Begründung: Wenn schon gebohrt wird, dann gleich auch noch eine Bahntunnel dazu.
Schattiges Haslital
Das weit hinten im schattigen Haslital gelegene Innertkirchen wirkt wie das Ende der Welt. Wenn der Grimselpass im Herbst geschlossen wird, versinkt die kleine Ortschaft in völliger Einsamkeit. Nun soll das abgelegene Innertkirchen durch den Grimseltunnel mit dem Oberwallis verbunden werden, welches bereits durch den Furkatunnel ausreichend erschlossen ist. Die drei Hauptakteure im fragwürdigen Tunnelprojekt sind FDP-Ständerat Hans Wicki, die Berner Oberländer SVP-Nationalrätin Nadja Umbricht Pieren sowie der Walliser Mitte-Ständerat Beat Rieder. Alle drei sitzen im Verwaltungsrat der Grimselbahn AG, welche für das «multifunktionale Tunnel» an die sprudelnden Quellen der eidgenössischen Steuermilliarden herankommen will.
Am Schluss kostet es 1 Milliarde
Zuerst hiess es, das Grimseltunnel koste 250 Millionen Franken. Damals schätzte der Bundesrat das Projekt als wirtschaftlich nicht tragbar ein. Jetzt heisst es plötzlich, das Projekt koste 800 Millionen. Die Erfahrung bei öffentlichen Bauprojekten lässt leider jegliche Hoffnung schwinden, dass auch die aktuell prognostizierten Kosten eingehalten werden können. Wer heute eine Wette abschliesst, dass das Grimseltunnel schlussendlich mindestens eine Milliarde Franken verschlingt, wird voraussichtlich gewinnen.
Denkmal für Rösti
Im Januar 2026 präsentierte der Berner Oberländer Bundesrat Albert Rösti die Ausbaupläne für Strassen und Bahnen bis 2045. Über 9 Milliarden Franken sollen in die Weiterentwicklung der Nationalstrassen investiert werden. Weitere 24 Milliarden sollen in den Bahnausbau fliessen. Die Aufnahme des Grimseltunnel in das Investitionsprogramm sorgt nun zunehmend für Kritik. Der Berner Oberländer Bundesrat Albert Rösti wolle sich mit dem Grimseltunnel ein ähnliches Denkmal setzen wie sein politischer Ziehvater Dölf Ogi mit dem Lötschbergtunnel, heisst es hinter vorgehaltener Hand.
Ein weiters Tunnel ins Bedretto?
In Bundesbern realisieren immer mehr Parlamentarier, dass der Grimseltunnel jeglichen Rahmen volkswirtschaftlicher Vernunft sprengen könnte. Voraussichtlich in der Frühlingssession 2027 soll der Nationalrat über die fragwürdige Zugverbindung Innertkirchen-Oberwald entschieden. Der Appenzeller FDP-Ständerat Caroni kritisiert in seiner neusten Interpellation bereits die unterirdische Kosten-Nutzen-Bilanz des Grimseltunnel und will vom Bundesrat wissen, weshalb viele Ostschweizer-Infrastrukturprojekte vernachlässigt werden. Und der Tessiner FDP-Nationalrat Rocco Cattaneo fordert verwegen einen 10 Kilometer langen Eisenbahntunnel ins einsame Bedretto.
Sawiris schwärmt
Inzwischen zieht das Trio der Grimsel-Tunnellobbyisten alle PR-Register. Der Grimseltunnel sichere nicht nur den Stromfluss vom Wallis ins Mittelland, sondern schliesse gleichzeitig eine Lücke im alpinen Schmalspurnetz für Tourismus und Bevölkerung. Sogar der sympathische, ägyptische Investor Samih Sawiris wird auf der Onlinepräsenz der Grimselbahn AG eingesetzt: «Der Grimseltunnel lege die Basis für neue, attraktive Tourismusangebote!» Aber wer um Himmels Willen vom schattigen Innertkirchen unter dem Grimselmassiv hindurch nach Oberwald gelangen sollte, weiss vermutlich auch Sawiris nicht.
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