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Politik & Wirtschaft •
Unfallzahlen steigen

Mehr Töff-Tote – «Zeit, dass der Bundesrat vorwärts macht!»

Mehr Tote, mehr Schwerverletzte – und trotzdem mahlen die politischen Mühlen langsam. Neue Zahlen des ASTRA zeigen ein wachsendes Problem bei Motorradfahrern, besonders bei Jugendlichen. SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel fordert Tempo.

Die Zahlen sind deutlich – und alarmierend. Laut Bundesamt für Strassen (ASTRA) starben 2025 in der Schweiz 49 Motorradfahrende, über 1000 wurden schwer verletzt. Besonders betroffen sind junge Fahrende: 11 Tote und 154 Schwerverletzte bei 15- bis 17-Jährigen. Eine Entwicklung, die seit der Senkung des Mindestalters noch stärker in den Fokus rückt.

«Diese Zahlen sind erschreckend», sagt SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel. Die Unfälle hätten sich bei Jugendlichen in den letzten Jahren fast verdreifacht. Junge hätten ein erhöhtes Risikoverhalten, könnten Geschwindigkeiten schlechter einschätzen und hätten weniger Fahrpraxis.

Auch aus Sicht der BFU ist das Risiko für Motorradfahrende überdurchschnittlich hoch. Gemessen an der Fahrleistung gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmenden. Die BFU weist ebenfalls darauf hin, dass schwere Unfälle meist nicht durch einen einzelnen Faktor entstehen, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Risiken – insbesondere Geschwindigkeit, Unaufmerksamkeit und fehlende Schutzmassnahmen. Deshalb fordert die BFU seit Jahren ein Bündel an Massnahmen: bessere Ausbildung, konsequente Schutzausrüstung, gezielte Infrastrukturverbesserungen sowie eine stärkere Sensibilisierung der Fahrerinnen und Fahrer.

«Es dauert zu lange»

Politisch stehen entsprechende Massnahmen seit längerem zur Diskussion. Dazu gehören eine mögliche Erhöhung des Mindestalters für 125-ccm-Motorräder sowie Anpassungen in der Ausbildung. Fehr Düsel positioniert sich klar: «Ein höheres Mindestalter ist zielführender», sagt sie. Früher habe dieses bei 18 Jahren gelegen, bevor die Regelung angepasst wurde. Kleinere Motorräder könnten Jugendliche weiterhin früher fahren – die grösseren Maschinen sollten aus ihrer Sicht jedoch später zugänglich sein.

Auch bei der Ausbildung sieht sie Verbesserungspotenzial. Insbesondere müsse stärker auf Gefahrenbewusstsein und Risikoeinschätzung eingegangen werden. Dennoch betont sie, dass es nicht nur um einzelne Massnahmen geht, sondern um deren Umsetzungsgeschwindigkeit.

Und genau hier sieht sie das zentrale Problem. «In der Schweiz wird immer alles genau geprüft, und es gibt verschiedene Auswertungen, auch seitens ASTRA», sagt Fehr Düsel. Diese sorgfältigen Prozesse seien zwar richtig, führten aber zu langen Zeitspannen. «Das dauert jeweils leider etwas lange. Aber immerhin ist man daran.»

Gleichzeitig verweist sie auf politische Realitäten: Unterschiedliche Interessen würden Reformen immer wieder verzögern. «Es gibt immer einzelne Verbände, die andere Interessen haben», so Fehr Düsel. Während auf Bundesebene noch analysiert und geprüft werde, entwickle sich die Unfalllage weiter.

Diese Diskrepanz führt aus ihrer Sicht zu einer zunehmenden Dringlichkeit. «Es dauert schon sehr lange und die Unfallzahlen steigen laufend», sagt sie offen. Dennoch sieht sie Bewegung im Thema: Die Verkehrssicherheit sei politisch und gesellschaftlich präsent, gerade wenn es um junge Menschen gehe. «Das hört man auch oft in der Bevölkerung und beim Fahrlehrerverband. Aber wir sind auf gutem Weg.»

Mehr Verbindlichkeit schaffen

Parallel dazu kündigt die Nationalrätin eigenen politischen Druck an. «Ich plane in den kommenden Monaten einen Vorstoss im Nationalrat, um nachzufragen, wie der aktuelle Stand ist und welche Abklärungen noch nötig sind, um das Ganze etwas voranzutreiben», sagt sie. Ziel sei es, den Prozess zu beschleunigen und mehr Verbindlichkeit in die Umsetzung zu bringen.

Dabei geht es ihr nicht nur um politische Abläufe, sondern auch um konkrete Folgen im Alltag. «Man gefährdet ja oft nicht nur sich, sondern auch andere», betont sie. Verantwortung liege sowohl bei der Politik als auch bei den Fahrern selbst. «Jeder soll Spass haben, aber auch die Risiken einschätzen können.»

Die Ausgangslage bleibt damit widersprüchlich: Die Risiken sind bekannt, die Datenlage klar, viele Massnahmen liegen auf dem Tisch – doch die Umsetzung dauert an. Auf diese Weise werden sich die Unfallzahlen nicht automatisch verringern, das ist klar. Nina Fehr Düsel bringt ihre Kritik deshalb pointiert auf den Punkt: «Es wird Zeit, dass der Bundesrat hier vorwärts macht.»

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