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Verkehr •
Zum Saisonstart

Frühlingsgefühle erhöhen das Unfallrisiko beim Töff fahren

Mit den ersten warmen Tagen beginnt für viele Motorradfahrende die Saison. Doch mit steigenden Temperaturen nehmen auch die Unfallzahlen zu. Zeit für einen Frühjahrscheck für Motorradfahrende.

Der warme und sonnige März hat die Motorradsaison in der Schweiz dieses Jahr ungewöhnlich früh eröffnet. Zahlreiche Fahrerinnen und Fahrer haben ihre Maschinen bereits aus dem Winterschlaf geholt und die ersten Kilometer der neuen Saison zurückgelegt. Mit der Rückkehr der Zweiräder ins Strassenbild beginnt aber auch eine Phase, die aus Sicht der Verkehrssicherheit besonders sensibel ist. 

Denn mit den euphorisierenden Frühlingsgefühlen erkennen Fachstellen einen klaren Trend: «Mit den zunehmend schönen und wärmeren Tagen nehmen auch die Zahl der Motorradunfälle zu», erklärt Christoph Leibundgut von der Beratungsstelle für 
Unfallverhütung BFU. So zeigt der Durchschnitt der Unfallzahlen in den Jahren 2020 bis 2024, dass nach tiefen Winterwerten die Zahlen ab März deutlich ansteigen und im Sommer ihren Höhepunkt erreichen. Sind es im Februar noch 39 registrierte Fälle, sind es im Mai bereits 124. 

Saisonstart als Risikofaktor 

Nach mehreren Monaten Pause fehlt vielen Fahrerinnen und Fahrern Routine, wie Markus Lehner, Mediensprecher von moto-suisse ermahnt: «Bei aller Freude auf die Ausfahrt nach der langen Winterpause sollte man seine Emotionen und die Gashand möglichst im Zaum halten. Selbst bei jahrelanger Erfahrung sind die gewohnten Reflexe und Automatismen noch nicht sofort präsent oder zumindest ein bisschen eingerostet.» 

Hinzu komme, dass die spezifische Muskulatur nach der Winterpause oft weniger belastbar sei und bei kühlen Temperaturen langsamer reagiere. moto-suisse rät deshalb dazu, die ersten Fahrten bewusst defensiv anzugehen und sich schrittweise wieder an Geschwindigkeit und Fahrdynamik zu gewöhnen. 

Schwierige Bedingungen auf den Strassen 

Auch die Strassenbedingungen im Frühling erhöhen das Unfallrisiko. «Zu dieser Jahreszeit trocknen die Strassen an schattigen Stellen nur sehr langsam und sind eventuell von Salz oder gar Kies verschmutzt», so Lehner.  

Besonders auffällig ist der Einfluss des Wetters. Gemäss aktuellen Zahlen wurden beispielsweise in Zürich im Juli der Jahre 2021 bis 2025 insgesamt 143 Unfälle bei schönem Wetter gezählt, gegenüber 38 bei bedeckten Bedingungen. 

Selbstunfälle prägen das Unfallgeschehen 

Auffällig bleibt die Art der Unfälle mit Motorrädern. Gemäss der Verkehrsunfallstatistik der Stadt Zürich handelt es sich häufig nicht um Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmenden, sondern um Schleuder- oder Selbstunfälle. Solche Ereignisse deuten darauf hin, dass viele Unfälle aus Fahrfehlern, Fehleinschätzungen oder mangelnder Routine entstehen.  

Mehr Schwerverunfallte bei jungen Motorradfahrenden 

Besonders im Fokus stehen derzeit die jüngsten Motorradlenkenden. Seit der Senkung des Mindestalters für Motorräder der Kategorie A1 beobachtet das Bundesamt für Strassen ASTRA bei den 15- und 17-Jährigen steigende Unfallzahlen. 2025 kamen elf junge Motorradfahrende ums Leben, 154 wurden schwer verletzt. Insgesamt nahm die Zahl der Schwerverletzten im Motorradverkehr im ersten Halbjahr 2025 um rund zehn Prozent zu, von 443 auf 490 Personen. 

Das ASTRA prüft deshalb gemeinsam mit Fachkreisen mögliche Massnahmen. Diskutiert werden Anpassungen bei der praktischen Grundschulung sowie eine mögliche Erhöhung des Mindestalters auf 18 Jahre. Eine entsprechende Vorlage soll voraussichtlich 2027 in die Vernehmlassung gehen. 

Zu den häufigsten Ursachen zählen Unaufmerksamkeit und Ablenkung, momentane Konzentrationsfehler, Alkoholeinfluss oder Schwierigkeiten beim Überqueren von Gleisen. Gerade diese Faktoren treten typischerweise verstärkt zu Beginn der Motorradsaison auf, wenn Fahrpraxis und Aufmerksamkeit noch nicht wieder vollständig vorhanden sind. 

Gleichzeitig weist die Stadt Zürich darauf hin, dass sich das Unfallgeschehen im urbanen Raum von jenem in ländlichen oder alpinen Regionen unterscheidet. In Zürich dominieren Roller und kleinere Motorräder, während klassische Freizeitunfälle auf kurvenreichen Strecken eher ausserhalb der Städte auftreten.  

Töff-Check am besten bei den Profis  

Um das Risiko zu senken, startet die BFU jeweils im Frühling Präventionskampagnen. Ab April macht eine Social-Media-Kampagne auf typische Gefahren aufmerksam, ergänzt durch schweizweite Plakate zum Thema Blickkontakt im Strassenverkehr. Bereits online ist zudem die «Biker-Safety-Challenge», bei der Verkehrssituationen anhand realer Unfallbeispiele eingeschätzt werden müssen. 

moto-suisse und die Schweizerische Fachstelle für Motorrad und Roller SFMR empfehlen zum Saisonstart nicht nur einen technischen Check des Motorrads, sondern auch eine ehrliche Selbstprüfung der eigenen Fahrbereitschaft.  

Reifen, Bremsen, Fahrwerk und Elektronik sollten ebenso kontrolliert werden wie Schutzkleidung und Helm. Ebenso wichtig ist jedoch der mentale Wiedereinstieg: ein defensiver Fahrstil, genügend Zeit zur Wiedergewöhnung und gegebenenfalls der Besuch eines Fahrtrainings können das Unfallrisiko deutlich reduzieren. 

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