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Liebe Lisa Mazzone
Die Präsidentin der Grünen Schweiz kämpft gegen sinkende Wähleranteile. Trotzdem fordert Lisa Mazzone nun radikale Temporeduktionen auf Schweizer Autobahnen. STREETLIFE-Autor Pentti Aellig schreibt der Parteipräsidentin in seiner neuesten Kolumne einen offenen Brief.
Liebe Lisa Mazzone
Keine Partei hat in den letzten Jahren mehr Wähleranteile verloren als Ihre Grünen. Vermutlich ahnen Sie als langjähriger Politprofi, weshalb Ihre Klimapartei bei der Bevölkerung stetig an Vertrauen verliert. Es liegt auf der Hand, dass Ihre ständige Panikmache vor dem unmittelbar bevorstehenden Klimakollaps vielen Wählern zunehmend auf den Wecker geht. Zudem realisieren immer mehr Schweizerinnen und Schweizer, dass Sie als Parteipräsidentin der Grünen exakt die gleiche Strategie verfolgen, wie Ihre Vorgänger Balthasar Glättli oder Regula Rytz – nämlich mit immer neuen Verboten, Vorschriften und Gebühren die Menschen bevormunden und abschröpfen.
Bevölkerung vor den Kopf stossen
Nun haben Sie letzte Woche dem «Tages-Anzeiger» ein vielbeachtetes Interview gegeben und gezielt für Furore gesorgt. Mit Ihrer Forderung, alle Schweizer Autobahnen auf Tempo 80 zu reduzieren, haben Sie bewusst die breite Bevölkerungsschicht vor den Kopf gestossen, welche täglich im Auto zur Arbeit fährt oder mit dem LKW den Güterumschlag sicherstellt. Schon klar, mit Ihrem Schneckentempo-Vorstoss wollen Sie als Präsidentin der Grünen erreichen, dass möglichst viele Menschen in ihren Autos verzweifeln und auf die überfüllten Züge umsteigen. Aber wenn weiterhin jährlich 100'000 Menschen in die Schweiz drängen, werden sich in den Zügen der SBB bald Szenen abspielen wie in Kalkutta, wo sich die Menschen aussen an die Zugfenster klammern oder auf das Dach klettern.
Überfüllte Strassen
Eigentlich müssten Sie als Präsidentin der Grünen die Nachhaltigkeitsinitiative der SVP unterstützen. Eine zubetonierte Schweiz, explodierende Preise im Wohnungsmarkt, ein rasant ansteigender Strombedarf und überfüllte Strassen und Schienen kann ja nicht ernsthaft in Sinne der Grünen sein. Vermutlich sind Sie durch die Nachhaltigkeitsinitiative in einen inneren Konflikt geraten. Einerseits wissen Sie genau, dass sich die SVP und gemäss aktueller Umfrage 52% der Bevölkerung um unsere Umwelt und um unsere Kultur sorgen. Aber andererseits müssen Sie als Gallionsfigur der Grünen aus parteitaktischen Gründen alles bekämpfen, was von der SVP kommt. Würde die SVP eine Initiative für mehr Biodiversität lancieren, würden Sie vermutlich sogar die Artenvielfalt bekämpfen.
Europas radikalste Temporeduktion
Nun fordern Sie trotzig Europas radikalste Temporeduktion auf Schweizer Autobahnen. Aktuell liegt es im Trend, den Konflikt zwischen Trump und den störrischen Mullahs politisch zu nutzen. Die Erdölkrise scheint Ihnen willkommen, um den Individualverkehr zu attackieren sowie auf die bürgerlichen Parteien einzudreschen. Die Schweiz sei zu erdölabhängig und «Tempo 80 sei ein einfacher Hebel. Damit lasse sich der Verbrauch senken, und der Verkehr werde flüssiger». Die Hauptschuld am hohen Verbrauch fossiler Energie sehen Sie selbstverständlich bei der bürgerlichen Mehrheit und nicht bei den Linksgrünen, welche sich mit Händen und Füssen gegen CO2-freie Kernenergie zur Wehr setzen.
Vorschriften, Verbote und Umverteilung
Liebe Lisa Mazzone, neben Schneckentempo auf allen Autobahnen fordern Sie auch landesweite Verbote von Öl- und Gasheizungen, die Verbannung aller Privatjets sowie unbeschränkte SBB-Tageskarten zum Spottpreis von 10 Franken. Das klingt erneut nach Vorschriften, Verboten und Umverteilung. Vielleicht versuchen Sie auf die anstehenden Gesamterneuerungswahlen 2027 hin etwas Neues. Beispielsweise den Schweizern wieder mehr Freiheit zugestehen. Weniger staatliche Bevormundung könnte Ihnen die eine oder andere Wählerin zurückbringen.
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