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Fahrbericht Volvo EX60

So ruhig können 510 PS sein

510 PS, Allradantrieb und 2,35 Tonnen Gewicht – der neue Volvo EX60 könnte daraus eine grosse Show machen. Tut er nicht. Auf den Landstrassen der Ostschweiz überzeugt der Elektro-SUV vor allem mit Ruhe, bemerkenswerter Stabilität und jener reduzierten Souveränität, die sehr nach Volvo aussieht.

Schon nach wenigen Kilometern fällt etwas auf, das in keiner Leistungstabelle richtig zur Geltung kommt: die Ruhe. Wir fahren mit dem neuen Volvo EX60 durch das hügelige Hinterland zwischen Wil und Uzwil. Durch Dörfer, über Landstrassen, auf wechselndem Asphalt. Und egal, ob bei tiefem Tempo im Ort oder zügiger über freie Strecken: Wind- und Abrollgeräusche bleiben erstaunlich weit weg.

Bei Elektroautos fehlt der Verbrennungsmotor als akustische Kulisse. Geräusche von Reifen und Fahrtwind treten dadurch oft umso deutlicher hervor. Im EX60 passiert das kaum. Die Geräuschdämmung gehört deshalb zu den Dingen, die schon nach kurzer Fahrt hängen bleiben. Die Ruhe passt zum Auto. Denn auch sonst ist der EX60 keiner, der Aufmerksamkeit erzwingen muss.

Viel Kraft, fein serviert

Unser Testwagen ist der EX60 P10 AWD. Zwei Elektromotoren liefern zusammen 510 PS und 710 Newtonmeter Drehmoment. Von 0 auf 100 km/h geht es in 4,6 Sekunden. 

Das klingt nach reichlich Leistung – und die ist jederzeit vorhanden. Beim Herausbeschleunigen aus einem Dorf oder beim Überholen genügt ein Druck aufs Fahrpedal. Der EX60 zieht sofort und kräftig an. Bemerkenswert ist aber weniger das «Wie viel?» als das «Wie?». Die Leistung kommt sehr sauber und kontrolliert. Kein Rucken, kein nervöser Antritt, sondern gleichmässiger Schub.

Stabil – und trotzdem beweglich

Auf den kurvigeren Abschnitten zeigt sich eine zweite Eigenschaft des EX60 besonders deutlich: seine hohe Stabilität.

Das passt zu einer technischen Neuerung, die tief unter dem Fahrzeug verborgen liegt. Beim EX60 setzt Volvo erstmals in einem Serienmodell auf Megacasting. Im hinteren Unterboden ersetzt ein einziges Aluminiumgussteil bis zu 100 konventionelle Karosseriekomponenten. Weniger Einzelteile bedeuten weniger Verbindungsstellen; laut Volvo kann die Bauweise Gewicht reduzieren und die Struktursteifigkeit verbessern. 

Natürlich spürt man beim Fahren kein «Megacasting». Was man spürt, ist eine Karosserie, die ausgesprochen geschlossen und solide wirkt. Auf Bodenwellen oder schlechterem Asphalt bleibt wenig Bewegung im Aufbau. Der EX60 liegt satt auf der Strasse und vermittelt viel Vertrauen.

Gleichzeitig überrascht, wie wenig man ihm seine 2350 Kilogramm anmerkt. Auf den kurvigen Ostschweizer Strassen lässt sich der SUV präzise platzieren und wirkt deutlich beweglicher, als es seine Abmessungen vermuten lassen. Auch das Fahrwerk lässt sich komfortabler oder straffer abstimmen und passt sich zudem automatisch an die Geschwindigkeit an.

Weniger Ablenkung, mehr Ruhe

Im Innenraum setzt sich dieser Eindruck fort. Volvo bleibt seiner skandinavischen Linie treu: wenige Formen, klare Flächen, hochwertige Materialien und möglichst wenig optische Unruhe.

Textil-, Holz- und Metalloberflächen schaffen eine wohnliche Atmosphäre, ohne dass es verspielt wirkt. Auch das Platzangebot fällt grosszügig aus; der lange Radstand schafft vor allem im Fond viel Raum. Der Kofferraum fasst 523 Liter, bei umgelegten Rücksitzen sind es bis zu 1647 Liter. Dazu kommen weitere 58 Liter Stauraum im Frunk unter der Fronthaube. 

Das passt auch zum Thema Sicherheit. Der EX60 vermittelt nicht deshalb Vertrauen, weil ständig etwas blinkt oder warnt. Das sichere Gefühl entsteht zuerst ganz klassisch: aus guter Strassenlage, Ruhe, präzisem Fahrverhalten und dem Eindruck einer sehr soliden Karosserie.

660 Kilometer Reichweite

Auch auf längeren Fahrten soll der EX60 möglichst wenig Aufmerksamkeit verlangen. Der P10 AWD verfügt über eine 95-kWh-Batterie und erreicht nach WLTP bis zu 660 Kilometer Reichweite. Dank 800-Volt-Technologie sind zudem hohe Ladeleistungen möglich. An einer entsprechend leistungsfähigen DC-Schnellladestation sind bis zu 400 kW möglich. Laut den vorliegenden Testdaten lässt sich die Batterie damit in rund 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden.

Damit passt die Technik zum Charakter des Autos: viel Reserve, ohne dass man dauernd darüber nachdenken muss. Preislich startet der EX60 in der Schweiz bei 72’000 Franken. Der von uns gefahrene P10 AWD kostet in der Basis 75’000 Franken, der konkrete Testwagen lag bei 88’240 Franken.

Nach unserer Fahrt durchs Ostschweizer Hinterland bleibt deshalb vor allem ein Gesamteindruck. Der EX60 ist schnell, ohne sich sportlich inszenieren zu müssen. Er ist gross und schwer, fühlt sich aber erstaunlich handlich an. Und trotz all der neuen Technik wirkt er sofort vertraut.

Vor allem aber bleibt diese bemerkenswerte Ruhe – verbunden mit viel Stabilität, Leistung und einem sehr reduzierten Auftritt. Genau so stellt man sich einen modernen Volvo vor.

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