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Steht der weltweit viertgrösste Autokonzern am Abgrund?
Der Stellantis-Konzern mit seinen Automarken wie Peugeot, Citroën, Fiat, Opel, Jeep oder Chrysler muss 22 Milliarden Euro abschreiben. Der Aktienkurs stürzte um 28 Prozent in die Tiefe. CEO Antonio Filosa versucht, den Konzern zu retten.
Was denkt sich wohl der legendäre Fiat-Chef Gianni Agnelli, wenn er vom Himmel aus beobachtet, wohin sein Enkel John Elkann das Autoimperium steuert? Bereits als 21-Jähriger wurde Elkann als direkter Nachfolger seines Großvaters in den Fiat-Vorstand berufen. Und Elkann war 2021 die treibende Kraft bei der Megafusion zum Stellantis-Konzern. Mit Marken wie Peugeot, Citroën, Opel, Fiat, Jeep oder Chrysler verkaufte Stellantis 2023 6,4 Millionen Fahrzeuge und gilt aktuell noch als viertgrösster Autokonzern der Welt.
John Elkann hat in seiner Karriere viele, wegweisende Entscheidungen getroffen. Aber auf sein Konto gehen auch einige fürchterliche Fehlentscheidungen. Elkanns vermutlich folgenschwerster Fehler war die Ernennung des portugiesischen Elektrifizierungsfanatikers Carlos Tavares zum CEO des Stellantis-Konzerns. Tavares Elektro-Wettkampf endete im Fiasko. Die Verkaufszahlen brachen 2024 auf 5,4 Millionen Autos ein. Auch 2025 sollen die Verkaufszahlen weiter gesunken sein. Nun zog Verwaltungsratspräsident John Elkann die Notbremse und schmiss Tavares raus.
22 Milliarden Euro abschreiben
Seit Anfangs 2025 versucht CEO-Nachfolger Antonio Filosa, den Supertanker Stellantis wieder auf Kurs zu bringen. Die Marken Peugeot, Citroën, Opel, Fiat oder Jeep sollen aus stürmischer See gerettet werden. CEO Filosa orientierte am vorletzten Freitag die Medien über die Zukunft des viertgrössten Autokonzerns. Besonders dramatisch: Stellantis muss 22 Milliarden Euro abschreiben. Mit der Abschreibung von 22 Milliarden sowie extremen Kurskorrekturen will Antonio Filosa den Autokonzern vor dem Untergang retten. Stellantis will wieder mehr auf die Kundenbedürfnisse eingehen. Neu will man die Stellantis-Kunden weniger stark zur klimabewussten Elektrifizierung zwingen und wieder mehr Auswahl bei den Antriebsarten bieten. Verbrenner- und Hybridautos sollen wieder mehr gefördert werden.
Stellantis-Aktie 28 Prozent minus
Weshalb Stellantis zuerst 22 Milliarden Euro vernichten musste, um zur kundenfreundlichen Antriebsoffenheit zurückzukehren, wird ein Rätsel bleiben. Antonio Filosa will jetzt die Produktpalette wieder mehr der Nachfrage anpassen. Schade, dass man mehrere Jahre benötigte, um zu realisieren, dass die Automodelle den Kundenbedürfnissen entsprechen sollen. Stellantis schrieb allein im zweiten Halbjahr 2025 bei einem Umsatz von rund 80 Milliarden Euro einen Verlust von 20 Milliarden. Kurz nachdem CEO Filosa am Freitag diese Zahlen kommunizierte und die milliardenschwere Abschreibung ankündigte, stürzte die Stellantis-Aktie in Mailand um 28% in die Tiefe. So tief waren die Aktien seit der Stellantis-Fusion noch nie gesunken. Aus glorreichen Kultautomarken wie Fiat oder Jeep wurde ein maroder, schwerfälliger Autogigant.
Massiver Stellenabbau
Während der portugiesische Schönwetterkapitän Tavares dank goldenem Fallschirm eine Luxusrente geniesst, könnten bald hunderttausende von Arbeitern ihren Job verlieren. 1,3 Milliarden soll allein der drohende Stellenabbau in Europa kosten. CEO Antonio Filosa muss nun dringend reagieren. Viele erfolgsversprechende Stellantis-Autos wären bereits auf dem Markt. Modelle wie der neue Fiat Grande Panda, der Peugeot 208 oder der preiswerte Citroën C3 finden bei den Konsumenten Gefallen. Das Problem liegt eher bei der Qualität. Zu den 22 abgeschriebenen Milliarden gehören auch mehr als 4 Milliarden für Garantieleistungen. Teure Rückrufaktionen nagen am Gewinn. Die Zukunft der Stellantis-Marken liegt in coolen, günstigen Modellen und besserer Qualität. Gespannt beobachtet nun Stellantis-Lenker John Elkann, ob sein neuer CEO Filosa abliefert.

Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.
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