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STREETLIFE-Leser Beat verärgert

Kein Twint? «Dann dürfen Sie hier nicht parkieren»

STREETLIFE-Leser Beat Baumli will in Lenzburg seine Parkgebühr mit Münzen bezahlen. Doch der Automat nimmt sein Geld nicht. Bei der Polizei bekommt er eine Antwort, die ihn sprachlos und wütend macht. Der Fall wirft die Frage auf, welchen Platz Bargeld im zunehmend digitalen Alltag noch hat.

Eigentlich will Beat Baumli an diesem Tag nur einen Parkplatz bezahlen. Der 70-Jährige aus Baden ist in Lenzburg unterwegs und stellt sein Auto auf dem Parkplatz «Seifi» ab. Am Automaten gibt er sein Kennzeichen ein, nimmt seine Münzen hervor – doch das Geld lässt sich nicht einwerfen. Irgendetwas klemmt.

Baumli probiert es weiter, ohne Erfolg. Schliesslich entdeckt er am Automaten den Hinweis, sich bei einer Störung an die Polizei zu wenden. Also ruft er an und schildert das Problem. Der Polizist sei freundlich gewesen, betont Baumli im Gespräch mit STREETLIFE. Dann habe ihn der Beamte gefragt, ob er Twint oder Parkingpay nutze. Beides hat Baumli nicht. Er habe Bargeld dabei, erklärt er. Die Antwort des Polizisten habe ihn dann doch verblüfft: Ohne eine der digitalen Möglichkeiten dürfe er dort nicht parkieren. 

«Es wird einfach zu viel»

Das macht Baumli wütend. Nicht zuletzt deshalb, weil er ja bezahlen will und sich sogar die Mühe macht, die Störung zu melden. Weiterdiskutieren will er schliesslich nicht mehr. Stattdessen steigt er wieder ins Auto und sucht sich einen anderen Parkplatz.

Dabei ist Baumli kein Technikverweigerer. Der pensionierte Gitarrenlehrer, der weiterhin als Jazzgitarrist auftritt, besitzt ein Smartphone und eine Kreditkarte. Wenn es nötig ist, bezahlt er mit Visa. Twint und Parking-Apps nutzt er hingegen bewusst nicht. «Es wird einfach zu viel», sagt er über die wachsende Zahl von Apps, Konten und digitalen Zugängen.

Hinzu kommt sein Misstrauen gegenüber den unzähligen Betrugsversuchen. Immer wieder erhält er Mails, die angeblich von Banken, der Post oder Twint stammen. Besonders absurd findet er Nachrichten, wonach sein Twint-Konto gehackt worden sei – schliesslich besitzt er gar keines. «Theoretisch muss man bei jeder Mail schauen, ob sie echt ist oder nicht. Das ist schon mühsam.» Bargeld ist für ihn deshalb auch eine Frage der Wahlfreiheit. 

Gerade Ältere bezahlen häufiger bar

Mit seiner Vorliebe ist Baumli keineswegs ein Exot. Die Schweiz bezahlt zwar immer digitaler: Laut der jüngsten Zahlungsmittelumfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist die Debitkarte bei Zahlungen vor Ort inzwischen das meistgenutzte Zahlungsmittel. Gleich dahinter folgt aber weiterhin Bargeld – noch vor den Bezahl-Apps.

Vor allem ältere Menschen greifen häufiger zu Münzen und Noten. Laut SNB nutzen Menschen ab 55 Jahren Bargeld häufiger als jüngere. Gleichzeitig wollen die Schweizerinnen und Schweizer Cash keineswegs abschaffen: In der jüngsten Erhebung sprachen sich gerade einmal zwei Prozent dafür aus.

Für die Nationalbank erfüllt Bargeld denn auch Funktionen, die über das Bezahlen hinausgehen. Sie nennt unter anderem finanzielle Privatsphäre und «finanzielle Inklusion»: Wer bar bezahlen kann, ist nicht zwingend auf Smartphone, App oder ein entsprechendes Konto angewiesen.

Der Ärger am Lenzburger Parkautomaten trifft damit einen wunden Punkt der Digitalisierung. Apps wie Twint oder Parkingpay machen vieles bequemer. Doch wenn Bargeld zwar angeboten wird, im entscheidenden Moment aber nicht funktioniert, kann aus der zusätzlichen digitalen Möglichkeit plötzlich eine Voraussetzung werden.

Parkingpay sollte Bargeld ergänzen

Interessant ist dabei ein Blick zurück. Als Lenzburg 2021 Parkingpay flächendeckend an den damals 52 Parkuhren einführte, war die App ausdrücklich als zusätzliche Dienstleistung gedacht. Wer lieber bar bezahlte, konnte weiterhin Franken- und Euromünzen oder den Lenzburg-Jeton verwenden.

Auch heute sollen Menschen ohne App nicht vom Parkieren ausgeschlossen werden. Das stellt die Stadt Lenzburg auf Anfrage von STREETLIFE klar – und bedauert gleichzeitig, wie Baumlis Anruf bei der Polizei verlaufen ist.

«Wir bedauern, dass es zu diesem Zwischenfall gekommen ist», schreibt Michèle Gächter, stellvertretende Leiterin Kommunikation, nach Rücksprache mit der Regionalpolizei. Die gängige Praxis sei, bei einer gemeldeten Störung die Situation im Einzelfall zu prüfen und «nach Möglichkeit eine pragmatische Lösung zu finden».

Weiter hält die Stadt fest: «Personen, die weder TWINT noch Parkingpay nutzen, sollen dadurch nicht grundsätzlich vom Parkieren ausgeschlossen werden.»

Polizei will Mitarbeitende sensibilisieren

Ist die Barzahlung an einem Automaten vorgesehen und funktioniert sie nicht, soll die Störung über die angegebene Kontaktstelle gemeldet werden. Anschliessend werde geprüft, ob tatsächlich ein technisches Problem vorliegt oder möglicherweise die Bedienung die Ursache ist.

Genau das hat Baumli getan. Eine pragmatische Lösung bekam er nach seiner Darstellung trotzdem nicht. Die Stadt kündigt deshalb an: «Die Mitarbeitenden der Regionalpolizei Lenzburg werden nochmals für den Umgang mit solchen Situationen sensibilisiert.»

Baumli hätte sich gar nichts Spektakuläres gewünscht. Die Polizei hätte beispielsweise sein Kennzeichen aufnehmen und ihm erlauben können, das Auto dort stehen zu lassen, während die Sache geklärt wird, sagt er. «Das wäre kulant gewesen.»

An seiner Haltung zu Bargeld hat das Erlebnis jedenfalls nichts geändert. Baumli besitzt Smartphone und Kreditkarte – nur möchte er nicht für jeden alltäglichen Vorgang noch eine weitere App benötigen. Für ihn ist deshalb klar: «Ich finde, man muss auch Bargeld erhalten, unbedingt.»

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