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Hinter Audis Trump-Show steckt mehr
Ein gewaltiger Shitstorm fegt über Audi, weil sich Chef Gernot Döllner vom umstrittenen Präsidenten Donald Trump im US-Wahlkampf vor den Karren spannen lässt. Audi-Besitzer drohen, sich von der Marke abzuwenden. STREETLIFE-Kolumnist Pentti Aellig fragt sich, ob Audi tatsächlich völlig von der Rolle ist.
Die Strategie von US-Präsidenten Donald Trump, mit willkürlichen Strafzöllen möglichst viele Autohersteller zur Produktion in den USA zu zwingen, scheint aufzugehen. Audi-Chef Gernot Döllner wirft sich vor Trump live auf der Wahlkampfbühne in den Staub und verspricht ihm, eine neue Fabrik in den USA zu bauen. Um Trump gnädig zu stimmen, will der Audi-Chef bereits 2027 im US-Bundesstaat Georgia eine Fabrik aus dem Boden stampfen. Jährlich will Audi in Georgia 200'000 Luxus-SUVs produzieren. Eigentlich sollte sich Audi gemäss konzerninternem Verhaltenskodex politisch nicht instrumentieren lassen. Gernot Döllner hat sich trotz Kodex darüber hinweggesetzt.
Dies ist mein letzter Audi
Die Reaktionen auf Audis Kotau vor Trump sind teilweise heftig. Europäische Audi-Kunden regen sich fürchterlich auf, weil der Audi-Boss acht Tage vor den wichtigen US-Zwischenwahlen (Midterms) zusammen mit Trump auf die Wahlkampfbühne steigt. Der Shitstorm, welcher aktuell über Audi fegt, ist enorm. Die internationale Presse und die sozialen Medien sind überfüllt mit wütenden Leserkommentaren. Auch in der Schweiz hagelt es scharfe Kritik. Mehrere «Blick»-Leser drohen, der Marke Audi den Rücken zu kehren. Vermutlich fahren bald erste Audi-Fahrer mit Aufklebern herum wie «Vorsprung durch Anbiederung» oder «Dies ist mein letzter Audi».
Trump-Auftritt falsch
Nüchtern betrachtet reagiert Audi richtig. Ein erfolgreicher Autohersteller muss global aufgestellt sein und dort produzieren, wo die Fabrikationskosten vernünftig sind und der Markt brummt. Ein Kernmarkt für grosse SUVs sind nun einmal die USA. Die «Bild»-Zeitung titelt knapp und treffend: «US-Werk richtig, Trump-Auftritt falsch». Audis Konzernleiter sind vermutlich kaum so naiv, dass sie für vier Milliarden US-Dollar eine neue Fabrik hinstellen, nur um dem völlig unberechenbaren, 80-jährigen Trump zu gefallen. Es scheint eher so, dass Audi die Strafzölle von Trump ausnutzt, um dem maroden Autoproduktionsstandort Deutschland stufenweise den Rücken zu kehren.
Gewerkschaftshölle Deutschland
Tatsächlich driftet Deutschland zielsicher Richtung Gewerkschaftshölle. Deutsche Autokonzerne leiden unter dem steigenden Einfluss der mächtigen Gewerkschaften und der sinkenden Arbeitsmoral. Der Volkswagenkonzern, Mercedes oder BMW werden untergehen, wenn sie nicht schnellstmöglich den stufenweisen Absprung einleiten. Mercedes und BMW produzieren schon seit vielen Jahren ihre SUVs in den USA. Offensichtlich wurde nun Audi im US-Bundesstaat Georgia der rote Teppich ausgerollt. Schon in zwei Jahren sollen dort die grossen SUV-Reihen Q7, Q8 und der monströse Q9 entstehen. Solche faszinierenden Luxux-Offroader werden im woken Europa gesellschaftlich sowieso geächtet.
Blöd ist Audi bestimmt nicht
In den USA werfen die Nachbarn noch anerkennende Blicke zu, wenn man im brandneuen, 5,30 Meter langen Super-SUV Audi Q9 vorfährt. Und wenn der Nachbar noch weiss, dass der deutsche Luxus Offroader «Made in USA» ist, geht der Daumen sowieso hoch. Die unglückliche Anbiederung des Audi-Chefs beim aktuellen US-Präsidenten ist schnell vergessen. Der schlaue Audi-CEO Gernot Döllner hat eiskalt die Strafzölle als Chance genutzt, um Produktionskapazitäten aus dem maroden Standort Deutschland abzuziehen. Blöd ist Audi bestimmt nicht.

Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.
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