Skip to main content

Werbung

Politik & Wirtschaft •
Vorstoss gegen Rentner

Grünen-Nationalrätin will Senioren nur noch tagsüber ans Steuer lassen

Grünen-Nationalrätin Marionna Schlatter will prüfen lassen, ob ältere Autofahrende stärker kontrolliert werden sollen. SVP-Nationalrat Christian Imark hält davon nichts und erklärt, warum er den Vorstoss «unseriös» findet.

Für viele Seniorinnen und Senioren ist das Auto weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es bedeutet Freiheit, Selbstständigkeit, Einkaufen, Arzttermine, Familienbesuche – gerade dort, wo Bus und Bahn nicht im Minutentakt fahren. Doch genau diese Mobilität gerät politisch wieder stärker in den Fokus.

Der Individualverkehr von Menschen über 70 beschäftigte Grünen-Nationalrätin Marionna Schlatter erneut in der diesjährigen Sommersession. Bereits 2023 reichte sie einen Vorstoss zum Thema Senioren am Steuer ein. Nun beauftragte sie den Bundesrat wiederum, «in einem Bericht zu prüfen, wie die Verkehrssicherheit älterer Fahrzeuglenkenden verbessert werden kann.»

Nur noch tagsüber fahren – und weg von der Autobahn?

Schlatter spricht dabei von Anreizen für freiwillige Fahrkurse ab einem gewissen Alter, obligatorischen Kursen oder Praxistests bis hin zu stufenweisen Einschränkungen – zum Beispiel nur noch Tagfahrten oder ein Autobahnverbot. Auch will die Grünen-Nationalrätin, dass das Potenzial von Fahrassistenzsystemen geprüft wird. 

Ihren Vorstoss begründet Schlatter mit Unfallzahlen: «2025 verursachten über 70-jährige Fahrzeuglenkende mehr Unfälle als Junglenkerinnen und Junglenker zwischen 18 und 24 Jahren.» Die Grünen-Nationalrätin argumentiert, mit zunehmendem Alter nähmen Sehvermögen und Hirnleistung häufiger ab. Dadurch werde es schwieriger, Distanzen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen. «Die obligatorische medizinische Fahrtauglichkeitsprüfung ist breit akzeptiert und hilft seit den 1970er-Jahren mit, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, aber sie hat auch Grenzen. So prüft sie nur die Fahreignung», heisst es in ihrem Vorstoss. Gemäss Art. 14 SVG sei aber auch die Fahrkompetenz eine Voraussetzung für die Zulassung zum Strassenverkehr.

«Diese Altersklasse existiert nicht»

Bei der SVP kommt dieser Vorstoss gar nicht gut an. Nationalrat Christian Imark findet gegenüber STREETLIFE deutliche Worte: «Ich lehne diesen Vorstoss ab. Ältere Personen fahren nicht gefährlicher als Junge, im Gegenteil.»

Der Solothurner SVP-Nationalrat wirft Schlatter vor, mit den Zahlen ein verzerrtes Bild zu zeichnen. «Bei jungen Verkehrsteilnehmern werden gemäss Bundesamt für Statistik 6 Jahre (18 bis 24 Jahre) ausgewertet, bei älteren Personen gibt es Altersklassen von 65 – 79 Jahre sowie alle über 80 Jahre. Frau Schlatter wirft nun alle Zahlen der älteren Altersklassen in einen Topf und macht mit «Fahren ab 70 Jahren» ihre eine eigene Altersklasse, die so nicht existiert.»

Für ihn sagen absolute Zahlen allein wenig darüber aus, ob eine Altersgruppe tatsächlich gefährlicher unterwegs ist. «Absolute Zahlen müssen immer im Verhältnis stehen, zum Beispiel im Verhältnis zur Anzahl Verkehrsteilnehmer», so Imark. Auch eine frühere STREETLIFE-Auswertung zeigte: Obwohl immer mehr Ü80-Jährige Auto fahren, verursachten sie im Verhältnis zuletzt weniger Unfälle.

Imark: «Unseriös»

Was den SVP-Nationalrat am Vorstoss besonders ärgert: «Auf diese Weise Stimmung gegen ältere Verkehrsteilnehmer zu machen und so eine neue Regulierungsflut zu rechtfertigen ist unseriös. Es entspricht der Art und Weise wie unqualifiziert die Sozialisten generell Politik machen.»

Der Vorstoss ist damit lanciert und der Widerstand ebenfalls. Für viele ältere Autofahrende dürfte es um weit mehr gehen als um Statistik: nämlich um Freiheit, Alltag und die Frage, wie lange man sich vom Staat noch ins Lenkrad greifen lassen muss.

Leserreporter

Hast du etwas beobachtet?

Schicke uns deine Bilder und Videos! Bei unseren Lesern ist immer etwas los, doch unsere Reporterinnen und Reporter können nicht überall sein. Und hier kommst du ins Spiel: Hast du etwas beobachtet oder möchtest du uns etwas mitteilen, das nur du weisst? Schicke uns deine Bilder und Videos per WhatsApp unter 077 279 72 56 oder per Mail an [email protected].

Werbung