Zum Hauptinhalt springen

Werbung

News •
Mythos und Realität

Die Raser-Lüge von Polizei und Medien

Es würden «immer mehr» Menschen auf Schweizer Strassen sterben, berichten Medien wie das Schweizer Radio und Fernsehen oder der Tages-Anzeiger. Sie liegen falsch.

Es beginnt schon auf der Frontseite. «Immer mehr junge Männer verursachen Unfälle, die zum Teil tödlich enden», schrieb der Tages-Anzeiger vergangene Woche. Im Artikel im Lokalteil konnte man dann lesen: «Die Unfälle aufgrund von Raserdelikten nehmen im Kanton Zürich zu.» Letztes Jahr habe es sechs Todesopfer wegen viel zu schneller Fahrten und waghalsiger Manöver gegeben, wie die Kantonspolizei im Rahmen der Unfallstatistik mitgeteilt habe (STREETLIFE berichtete). 

Die Berichterstattung erweckt den Eindruck, als würde es immer gefährlicher auf den Zürcher Strassen, und als steige die Zahl von Unfällen und Opfern insbesondere durch Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit ständig. Ähnlich irreführend titelte das Schweizer Radio und Fernsehen: «Negativtrend: Auf Schweizer Strassen sterben immer mehr Menschen.»

Alarmistische Darstellung 

Doch stimmt das auch? Ein Blick in die Verkehrsunfallstatistik relativiert und widerlegt zum Teil die alarmistische Darstellung.

Die Zahlen: In Jahr 2025 wurden im Kanton Zürich 15'095 Verkehrsunfälle polizeilich registriert. «Dies entspricht einer Abnahme von 4.2 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025», schreibt der Kanton. 508 Personen verletzten sich dabei schwer. Das sind rund 2.2 Prozent weniger gegenüber dem Fünfjahresmittel. 30 Personen verloren ihr Leben. Dies wiederum sind 14.5 Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. 

Zweittiefster Wert in zehn Jahren

In die Betrachtung einzubeziehen ist auch das Bevölkerungswachstum beziehungsweise die Zunahme eingelöster Fahrzeuge. Seit 2021 hat die Gesamtzahl der Einwohnerinnen und Einwohner im Kanton Zürich von 1'562'345 auf 1'628'081 um 65'736 Personen zugenommen. Der Fahrzeugbestand erhöhte sich um 39'367 von 994'164 auf 1'033'531.

Dennoch nahmen die Verkehrsunfälle ab – relativ zum Fahrzeugbestand also noch stärker als es die Zahlen anzeigen. Diese positive Entwicklung streicht auch der Kanton Zürich hervor, indem er festhält: «Trotz der erneuten Bevölkerungs- und Fahrzeugzunahme verzeichnen wir im vergangenen Jahr den zweittiefsten Wert an Verkehrsunfällen in den letzten 10 Jahren. Nur im Coronajahr 2020 wurden weniger Verkehrsunfälle registriert.»

Unfälle aufgrund von Geschwindigkeit nehmen ab 

So weit das grosse Bild. Doch auch im Detail ist die Darstellung des Tages-Anzeigers, wonach es immer mehr Raserunfälle gebe, zu korrigieren. Denn die Zahl der Unfälle mit Hauptursache Geschwindigkeit – zu finden auf Seite 44 der Statistik – war 2025 so tief wie nie. Sie lag bei 415. In den drei Jahren zuvor waren es über 500 gewesen, 2021 sogar 764. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden mit der Hauptursache Geschwindigkeit lag im letzten Jahr ebenfalls unter dem Fünfjahresschnitt. Von «immer mehr» Raserdelikten kann also nicht die Rede sein. 

Auch im Vergleich zu anderen Hauptursachen von Unfällen ist die Geschwindigkeit bei weitem nicht das grösste Problem. 135 Unfälle mit Personenschaden waren im vergangenen Jahr im bevölkerungsreichsten Kanton der Schweiz der Geschwindigkeit geschuldet, 776 dem Vortritt, 827 Unaufmerksamkeit und Ablenkung. 

Markant weniger Verkehrstote 

Wirft man einen Blick auf die gesamtschweizerische Entwicklung in grösseren Zeiträumen, so zeichnet sich auch hier ein markanter Rückgang der Unfälle mit Personenschaden und der Verkehrstoten ab. Wurden auf dem Höhepunkt 1971 – bei einem um ein Vielfaches geringeren Fahrzeugbestand als heute – fast 30'000 Personenschäden und 1773 Getötete gemeldet, so waren es Jahr 2024 noch 17'432 Personenschäden und 250 Tote. 

Das Bundesamt für Statistik schreibt dazu: «Trotz wachsenden Verkehrs ist die Anzahl der auf Schweizer Strassen getöteten und schwer verletzten Personen seit den 1970er-Jahren stark zurückgegangen.» Die Gründe dafür seien «sowohl technischer, als auch rechtlicher und erzieherischer Natur».

Werbung