Werbung
Falsch getankt – jedes Jahr müssen 10'000 Schweizer Autos in die Garage
Einmal an der Zapfsäule nicht aufgepasst – und schon ist der falsche Treibstoff im Tank. Muss man jetzt mit einem Totalschaden rechnen? Und übernimmt die Versicherung die Kosten? STREETLIFE beantwortet die wichtigsten Fragen zusammen mit Experten.
An Schweizer Tankstellen ist die Auswahl meist überschaubar: Diesel, Bleifrei 95 oder Bleifrei 98. Trotzdem genügt ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – und schon landet der falsche Treibstoff im Tank.
10'000 Fälle jährlich
Tatsächlich kommt diese Art von Fauxpas laut Marco Wölfli vom TCS öfter vor als vermutet. «Schätzungsweise kommt es zu zirka 10'000 Fällen pro Jahr», so der Mediensprecher.
Ist das Malheur passiert, kommt es auf das richtige Verhalten an – für das Auto ebenso wie für das Portemonnaie. Denn falscher Treibstoff kann am Fahrzeug erhebliche Schäden verursachen. «Benzin hat im Vergleich zu Diesel keine schmierende Wirkung», erklärt Markus Peter, Fachspezialist für Technik und Umwelt beim Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS), auf Anfrage von STREETLIFE. Gelangt Benzin in die Treibstoffanlage eines Dieselmotors, wird zunächst der vorhandene Schmierfilm abgewaschen. In der Folge beginnen bewegliche Teile, etwa in der Hochdruckpumpe, durch Reibung zu verschleissen.
Der Metallabrieb gelange dadurch in weitere empfindliche Teile des Antriebs, wie etwa in die Einspritzdüsen, und richte dort weiteren kostspieligen Schaden an. Wird dagegen Diesel statt Benzin getankt, verkleben Einspritzdüsen und Zündkerzen, was eine saubere Verbrennung des Treibstoffs verhindert.
Bis zu 8000 Franken Reparaturkosten
Wie teuer ein solcher Schaden werden kann, ist davon abhängig, ob der Motor des Wagens nach der Falschbetankung gestartet wurde oder nicht. Experte Peter: «Wird die Falschbetankung rechtzeitig, also vor dem Motorstart, bemerkt, beschränken sich die Massnahmen nur auf das Auspumpen und Reinigen des Tanks und der Bauteile, die schon zuvor mit Benzin in Berührung kamen.
Wurde der Motor hingegen gestartet und gefahren, hängt das Schadensausmass laut Peter vom Mischungsverhältnis Benzin zu Diesel und von der Einwirkdauer ab. «Die gesamte Einspritzanlage muss danach gespült und gereinigt und der Treibstofffilter ersetzt werden. Je länger die Einwirkzeit und oder je höher der Anteil Benzin im Tank ist, desto wahrscheinlicher wird der teure Ersatz weiterer Bauteile, etwa von Hochdruckpumpe, Einspritzdüsen oder im Worst Case der ganze Motor inklusive Abgasanlage.» Kostenpunkt: zwischen einigen hundert bis hin zu 8000 Franken.

Keine Deckung durch Versicherungen
Wer nun denkt, bei einem solchen Missgeschick komme die Versicherung auf, irrt. Weder die Haftpflichtversicherung noch die Kaskoversicherungen decken Schäden am Fahrzeug durch falschen Treibstoff, erklärt Pamela Spinelli, Mediensprecherin des Automobil Club Schweiz ACS. «Versicherer stufen Falschtanken meist als Betriebsschaden (unsachgemässe Bedienung) ein, der weder durch die Haftpflicht- noch durch die Kaskoversicherung gedeckt ist.» Bei Mietautos sei dies sogar explizit ausgeschlossen.
Wie beuge ich Falschtanken vor?
Wie Markus Peter vom AGVS weiss, verbauen einige Autohersteller ab Werk Falschbetankungssperren beim Einfüllstutzen. «Das bedeutet, es kann nur getankt werden, wenn Durchmesser von Zapfhahn und Einfüllöffnung übereinstimmen. Ein Dieselzapfhahn hat beispielsweise einen grösseren Durchmesser als ein Benzinzapfhahn.» Solche Schutzvorrichtungen gibt es teils auch zum Nachrüsten.
Es gibt aber auch andere Tricks, wie der Fehler an der Zapfsäule vermieden werden kann. Pamela Spinelli vom ACS beispielsweise rät: «Ein auffälliger Sticker im Tankdeckel erinnert an die richtige Treibstoffart, und es gibt spezielle Tankdeckel-Aufsätze, wie zum Beispiel für «Solo Diesel» Diese verhindern mechanisch, dass eine Benzin-Zapfpistole in einen Diesel-Stutzen passt.»
Werbung




