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Verkehr •
Gefährlicher Trend – Experten warnen

«Autoreparaturen nach Tiktok-Videos können teuer werden»

Tiktok-Trends beschränken sich längst nicht mehr nur auf Musik und Tanz. Neu werden Autoliebhabern Videos in den Feed gespült, in denen erklärt wird, wie man das Auto selbst reparieren kann. Was auf den ersten Blick praktisch klingt, kann aber laut Garagenverband zum Sicherheitsrisiko werden.

Eigentlich sieht alles ganz einfach aus: ein kleines Teil aus dem Motor eines ungesund stotternden Autos herausschrauben, von Schmutz befreien, wieder einbauen – und schon klingt der Motor wieder so, wie er soll.

Doch was simpel aussieht, kann schnell zum Sicherheitsrisiko werden, sagt Markus Peter, Mediensprecher Technik & Umwelt beim Auto Gewerbe Verband Schweiz AGVS, auf Anfrage von STREETLIFE. «Wenn Reparaturen ohne richtiges Werkzeug und ohne entsprechendes Fachwissen durchgeführt werden, kann es schnell gefährlich werden.»

So gehören insbesondere Arbeiten an sicherheitsrelevanten Bauteilen wie etwa an der Lenkung oder den Bremsen in die Hände von Profis, so Peter.

Wie einfach sind Reparaturen am Auto?

Auf die Frage, ob ein Tiktok-Video den Mechaniker ersetzen kann, findet Markus Peter klare Worte: «Auf keinen Fall.» Er fügt an: «Videos zeigen oft nur einen Teil der Reparatur und klammern meistens aus, dass ein Problem nicht nur behoben werden sollte, sondern auch dessen Ursache untersucht werden muss, um nicht nach kurzer Zeit wieder damit konfrontiert zu sein.»

Weiter entsprechen Autos, die in den Videos repariert werden, nur selten den Fahrzeugen, welche die Zuschauerinnen und Zuschauer effektiv fahren. «Darum sind solche Reparaturtipps nur sehr allgemeiner Art und können nicht eins zu eins auf jedes beliebige Fahrzeug angewendet werden», so der AGVS-Experte.

Eigenreparatur immer schwieriger

Berücksichtigt man die neuesten Technologien in der Autobranche und die Zunahme an Elektroautos auf den Strassen, stellt sich zudem die Frage: Wie viel kann an einem modernen Auto tatsächlich selbst repariert werden? «Die tendenziell eher komplexer werdenden Fahrzeuge hinsichtlich der Elektronik führen eher dazu, dass immer weniger selbst an den Fahrzeugen gemacht werden kann», erklärt Peter.

Zudem sei bei vielen Arbeiten auch ein Diagnosegerät notwendig, das mit dem Server des Fahrzeugherstellers verbunden ist. Das sei besonders dann relevant, «wenn es um sicherheits- oder diebstahlrelevante Programmierarbeiten geht.

Garantieverlust beim Selbstflicken

Kommt dazu: Wer auf eigene Faust am Auto herumschraubt, riskiert den Verlust seiner Fahrzeuggarantie. Toyota-Pressesprecher Björn Müller klärt auf: «Es gilt das Verursacherprinzip. Tritt ein Defekt auf, der nachweislich auf eine unsachgemässe Eigenreparatur oder Manipulation, etwa am Motor, zurückzuführen ist, besteht für diesen spezifischen Schaden kein Garantieanspruch.»

Einfache Handgriffe wie das Wechseln der Scheibenwischer oder das Nachfüllen von Wischwasser sind laut Müller aber weiterhin problemlos möglich, doch «für alles, das tiefer in die Mechanik oder Elektronik geht, ist Fachpersonal heute unverzichtbar.»

Neben unsachgemässen Eingriffen kann zudem die Vernachlässigung der Wartung (Service), die Verwendung von Fremdteilen oder auch die Modifikation – nicht genehmigte Umbauten, Fahrwerksveränderungen oder Chip-Tuning zur Leistungssteigerung – zum Garantieverlust des Wagens führen.

Wenig Anklang beim Schweizer Publikum

Immerhin: Die viralen DIY-Videos scheinen bei den Schweizer Automobilisten wenig Anklang zu finden. «Die grosse Mehrheit der Fahrzeugbesitzenden vertraut ihr Fahrzeug lieber direkt der fachkundigen Garage an. Darum kommt es nicht oft vor, dass in Garagen selbständige Reparaturen nachgebessert werden müssen», erklärt Markus Peter vom AGVS.

Abschliessend warnt der Technikfachmann: «Tiktok-Videos mit Reparaturanleitungen sind mit Vorsicht zu geniessen. Heutzutage ist nicht immer klar, ob die Videos real oder Fake sind.»

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