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STREETLIFE-Community empört: «Warum muss alles digital werden?»
Die Motion von SVP-Nationalrat Thomas de Courten, die klassische Klebevignette vorzeitig abzuschaffen, sorgt für heftige Reaktionen. Nach dem STREETLIFE-Bericht gingen zahlreiche Zuschriften aus der Community ein. Die Botschaft ist eindeutig: Rund 95 Prozent der Leserinnen und Leser sprechen sich für den Erhalt der Klebevignette aus.
Wer die Schweizer Autobahnen nutzt, kann seit August 2023 zwischen der traditionellen Klebevignette und der digitalen E-Vignette wählen. Die E-Vignette erfreut sich dabei immer grösserer Beliebtheit. Trotzdem stösst der Vorschlag von SVP-Nationalrat Thomas de Courten, die Klebeversion möglichst rasch abzuschaffen, bei der STREETLIFE-Community auf massiven Widerstand.
Unter dem Bericht über die entsprechende Motion gingen in den vergangenen Tagen zahlreiche Kommentare und Nachrichten ein. Der Tenor ist klar: Die grosse Mehrheit der Leserinnen und Leser möchte an der klassischen Vignette festhalten.
«Analoge Möglichkeiten müssen erhalten bleiben»
Besonders häufig in den Kommentaren der Community taucht eine Frage auf: Weshalb soll die Klebevignette verschwinden, wenn beide Systeme problemlos nebeneinander funktionieren? Wer die Vorteile der E-Vignette nutzen wolle, könne dies bereits heute tun, wer weiterhin auf die Klebevignette setze, solle diese Möglichkeit ebenfalls behalten.
Die Kritik der STREETLIFE-Community richtet sich dabei nicht nur gegen die Abschaffung der Klebevignette selbst, sondern grundsätzlich gegen die fortschreitende Digitalisierung im Alltag. Viele Leserinnen und Leser fragen sich, weshalb bewährte analoge Lösungen überhaupt ersetzt werden müssen. Zwar würden viele Autofahrende digitale Angebote wie Online-Buchungen, E-Tickets oder die E-Vignette selbst nutzen, dennoch sei für sie klar: «Es muss für all das weiterhin eine analoge Möglichkeit geben.»
Besonders häufig werden auch Sicherheitsbedenken genannt. Einige befürchten, dass digitale Systeme anfällig für technische Störungen, Cyberangriffe oder grossflächige Stromausfälle sein könnten. Leser Roger M. berichtet von seinen Erfahrungen während des grossen Stromausfalls in Spanien: «Ich habe letztes Jahr das Blackout von ganz Spanien miterlebt. Da wird einem Angst und Bange.»
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Zugänglichkeit. Zahlreiche Stimmen aus der Community befürchten, dass insbesondere ältere Menschen durch die vollständige Digitalisierung ausgeschlossen werden könnten. «Finde ich gar nicht gut. Denkt auch mal an die ältere Generation. Nicht jede und jeder ist bewandert mit der neuen Technik», schreibt Leser Rolf P.
Hat de Courten mit dem Widerstand gerechnet?
STREETLIFE hat Thomas de Courten mit den zahlreichen Reaktionen aus der Community konfrontiert. Dabei zeigt er sich wenig überrascht über die kritischen Stimmen. «Wenn man bedenkt, dass einzelne Verkehrsteilnehmer mehrere tausend Franken investieren, um ein 3- oder 4-stelliges Nummernschild zu ergattern, ist zu erwarten, dass bei diesem Thema viele Emotionen im Spiel sind», sagt der SVP-Nationalrat auf Anfrage von STREETLIFE.
Dennoch plädiert er für eine sachliche Diskussion. Die Klebevignette sei «ein kostspieliger Anachronismus, überholt von den Realitäten der Zeit». Die Einsparungen beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit könnten seiner Ansicht nach sinnvoller für andere Aufgaben wie Sicherheit und Grenzschutz eingesetzt werden.
Österreich macht es vor – die Schweiz zögert
Als Vorbild nennt de Courten Österreich. Dort wird die klassische Klebevignette («Pickerl») per 1. Dezember 2026 definitiv abgeschafft und vollständig durch die digitale Variante ersetzt.
In der Schweiz ist ein solcher Schritt derzeit allerdings nicht geplant. Zwar gewinnt die digitale Variante deutlich an Bedeutung. Für das Vignettenjahr 2025 wurden rund 4,9 Millionen E-Vignetten verkauft. Ihr Anteil stieg innerhalb eines Jahres von 35 auf 45 Prozent. Trotzdem entscheidet sich noch immer mehr als die Hälfte aller Käuferinnen und Käufer für die klassische Version.
Genau deshalb sieht auch das heutige Nationalstrassenabgabegesetz keine rasche Abschaffung vor. Gemäss den geltenden Bestimmungen könnte die Klebevignette erst dann verschwinden, wenn ihr Verkaufsanteil unter zehn Prozent fällt. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG wollte sich auf Anfrage nicht zur politischen Debatte äussern. Solange der Bundesrat keine Stellung zur Motion bezogen habe, könne man keine weiteren Auskünfte geben.
Die häufig geäusserten Bedenken zur Digitalisierung lässt de Courten nicht gelten. Die E-Vignette sei lediglich an das Kontrollschild gebunden und erfasse weder Fahrer noch Mitfahrer oder Fahrstrecken. Die Sorge, ältere Menschen könnten durch die Abschaffung der Klebevignette benachteiligt werden, teilt de Courten ebenfalls nicht: «Österreich beweist, dass es durchaus möglich ist, das Verkaufstellennetz auch ohne «Pickerl» aufrecht zu erhalten. Niemand ist auf einen eigenen Internet-Anschluss, auf ein Handy, einen eigenen PC angewiesen. Man kann die E-Vignette an Tankstellen, Raststätten, Kiosks etc. im ganzen Land erwerben.»
Eine Antwort des Bundesrates erwartet de Courten noch vor der Herbstsession. Er gehe davon aus, dass dieser die Motion unterstützt. Wann das Geschäft anschliessend im Parlament behandelt wird, hängt von der Traktandierung ab.
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