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Eis, Schnee, Glätte – warum jetzt jede Autofahrt zur Herausforderung wird
Der Wintereinbruch hat die Schweiz fest im Griff. Kälte, Schnee und Eis machen aus Alltagsstrecken plötzlich heikle Passagen. Wer jetzt unterwegs ist, braucht einen kühlen Kopf, das richtige Setup – und ein Gespür dafür, wie moderne Autos, inklusive E-Autos, bei Glätte reagieren.
Der Winter ist nicht nur angekommen – er zeigt jetzt richtig Zähne. Eine kalte Luftmasse hält die Schweiz derzeit im Griff, vielerorts herrscht Dauerfrost. In La Brévine wurden in der Nacht auf Mittwoch knapp minus 25 Grad gemessen, im Mittelland bleibt das Thermometer auch tagsüber unter null. Und es kommt noch mehr: Ab heute setzt flächendeckend Schneefall ein, in einzelnen Regionen sind laut Bund bis zu 80 Zentimeter Neuschnee möglich. Für Teile des Berner Oberlands und des Wallis gilt bereits Gefahrenstufe 3.
Für Autofahrerinnen und Autofahrer heisst das: Die Strassen werden zur echten Herausforderung – und jede Fahrt verlangt jetzt volle Aufmerksamkeit. STREETLIFE sagt dir, wie du trotz Schnee, Glätte und Eis sicher durch die winterlichen Verhältnisse auf den Strassen kommst.
Sicherheit beginnt vor dem Start
First things first: Bevor der Motor läuft, ist Aufmerksamkeit gefragt. Ein Auto, das noch mit Schnee auf dem Dach oder vereisten Leuchten losfährt, wird schnell zur rollenden Gefahr. Herabfallende Eisschollen können bei Tempo zu schweren Geschossen werden – ein Risiko, das die Polizei jeden Winter mit Kontrollen unterstreicht. Das gilt besonders für Lastwagen, aber auch PKWs können zu Eisschleudern werden. Der TCS erinnert in diesem Zusammenhang regelmässig daran, dass Fahrzeuge vor der Fahrt vollständig von Schnee und Eis befreit werden müssen – Dach, Scheiben, Lichter inklusive. «Iglu-Fahrzeuge» sind nicht nur gefährlich, sie werden bei einer Kontrolle auch richtig teuer.
Gute Sicht ist dabei nicht nur eine Frage des Komforts, sondern der Reaktionsfähigkeit. Wer erst spät erkennt, was vor ihm passiert, hat im Winter kaum Reserven. Eiskratzer, Schneebesen und Handschuhe gehören deshalb genauso ins Auto wie wintertaugliches Scheibenwischwasser.
Reifen: Der einzige Kontakt zur Strasse
So banal es klingt: Die Reifen entscheiden über alles. Winter- oder hochwertige Ganzjahresreifen mit mindestens vier Millimetern Profil sind laut TCS die Grundvoraussetzung für sicheres Vorankommen. Auch noch so gute Assistenzsysteme, ein Allradantrieb oder andere Fahrmodi können fehlenden Grip nicht ersetzen – sie können ihn höchstens besser nutzen. Besonders auf Schnee zeigt sich, wie schnell physikalische Grenzen erreicht sind. Also: Wer bei diesen Bedigungen nicht die richtigen Reifen montiert hat, lässt das Auto zuhause. Punkt.
Tempo raus, Abstand rein
Auf winterlichen Strassen gelten andere Massstäbe. Vor allem der Bremsweg verlängert sich massiv – laut TCS kann er auf Schnee bis zu fünfmal so lang sein wie auf trockener Fahrbahn. Wer im Sommer mit zwei Sekunden Abstand unterwegs ist, sollte im Winter entsprechend drei bis vier Sekunden einplanen. Das fühlt sich langsam an, schafft aber die nötige Reserve. Sinnvoll ist eine vorsichtige Bremsprobe auf freier Strecke, sofern niemand gefährdet wird. So lässt sich einschätzen, wie glatt es tatsächlich ist. Vorsicht ist dennoch geboten. Denn: Besonders bei wechselnden Temperaturen kann sich die Haftung der Strasse von Abschnitt zu Abschnitt drastisch verändern. Deshalb: Langsam und vorsichtig fahren, und lieber zu viel als zu wenig Abstand einhalten.
Ruhe schlägt Reflex
Hektik ist im Winter fehl am Platz. Sanftes Beschleunigen, frühes Bremsen und ruhige Lenkbewegungen helfen, die Kontrolle zu behalten. Der TCS rät dazu, vor Kurven deutlich früher Tempo abzubauen als bei trockenen Verhältnissen. Kommt das Fahrzeug dennoch ins Rutschen, gilt: bremsen, Blick in Fahrtrichtung und die Systeme arbeiten lassen. ABS und ESP sind genau für solche Situationen konzipiert. Automatikfahrzeuge sollten bei Schnee und Eis nicht im Sportmodus gefahren werden. Hohe Drehzahlen und spätes Hochschalten bringen auf glatter Fahrbahn keinen Vorteil – im Gegenteil, sie erhöhen das Risiko von Traktionsverlust.
E-Autos – neue Technik, gleiche Physik
Elektroautos sind längst Alltag – auch in der Schweiz, auch im Winter. Ihr tiefer Schwerpunkt sorgt für Stabilität, gleichzeitig bringen Batterien viel Gewicht auf die Strasse. Das kann den Bremsweg verlängern. Zudem reagieren Elektromotoren sehr direkt auf Gaspedalbewegungen. Der TCS empfiehlt deshalb, besonders feinfühlig zu beschleunigen und – wenn möglich – die Rekuperation bei glatter Fahrbahn zu reduzieren. Starkes Verzögern über den Motor kann auf Eis schneller zur Instabilität führen als erwartet.
Wenn Vernunft wichtiger ist als Mobilität
Es gibt Situationen, in denen selbst die beste Vorbereitung nicht reicht. Bei Eisregen oder Blitzeis ist die Haftung zwischen Reifen und Strasse praktisch null. «In solchen Fällen stösst jede Technik an ihre Grenzen», hält der TCS fest. Wer dann das Auto stehen lässt und auf den Winterdienst wartet, trifft keine bequeme, sondern eine kluge Entscheidung. Laut SRF Meteo kann es am Donnerstagabend zu vereisendem Regen kommen.
In den Regionen Obersimmental, Saanen-Gsteig, Frutigen-Kiental sowie Innertkirchen-Guttannen, Adelboden-Kandersteg und Lauterbrunnen-Wilderswil ist mit erheblichem Schneefall und vereisendem Regen zu rechnen. Die Gefahrenstufe 3 gilt auch für mehrere Regionen im Wallis. Betroffen sind: Bex-Villars, Vallée du Trient, Monthey-Val d'Illiez, Haut val de Bagnes, Turtmanntal, Aletschgebiet, Obergoms, Brig, das nördliche Simplongebiet, Martigny-Verbier, Arolla und das Obere Mattertal.
Trotz allen Warnung gilt jedoch auch: Der Winter verlangt zwar Respekt, aber keine Angst. Wer gut vorbereitet ist, sein Fahrverhalten anpasst und die eigenen Grenzen kennt, kommt auch bei Schnee und Eis sicher ans Ziel. Auch wenn es vielleicht nicht jedes Mal mit dem eigenen Auto ist.

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