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Droht uns ein Zapfsäulen-Schock, Herr Bilang?
Die Eskalation im Nahen Osten sorgt weltweit für Nervosität – an den Börsen, bei Reedereien und bei Autofahrerinnen und Autofahrern. Wird die Strasse von Hormus blockiert, droht ein massiver Preisschub beim Öl. Steuern wir in der Schweiz auf Benzinpreise von 2 Franken pro Liter zu? STREETLIFE hat bei Avenergy-Suisse-Geschäftsführer Roland Bilang nachgefragt.
Herr Bilang, wie realistisch ist eine Blockade der Strasse von Hormus – und wie schnell würde sich das bei uns an der Zapfsäule bemerkbar machen?
In Anbetracht, dass viele OPEC-Staaten selbst von einer Sperre betroffen wären und ihre Produkte nicht mehr exportieren könnten, scheint eine langanhaltende Blockade fraglich. Zudem wären auf der Importseite grosse und einflussreiche Märkte in Asien stärker betroffen als westliche Länder.
Der Brent-Preis ist deutlich gestiegen, Experten sprechen von 100 Dollar pro Barrel. Ist ein Benzinpreis von 2 Franken pro Liter nun wahrscheinlich?
Ob ein so hoher Rohölpreis tatsächlich realisiert wird, hängt stark von der Dauer des Konflikts ab. Der Weltmarkt ist aktuell gut mit Erdöl versorgt, gleichzeitig ist die Nachfrage konjunkturell eher gedämpft. Es ist also möglich, dass wir den höchsten Preis bereits gesehen haben – aber das ist spekulativ. 2 Franken pro Liter können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Solche Preisniveaus sind in der jüngeren Vergangenheit allerdings nicht neu.
Die Schweiz verfügt über Pflichtlager für rund 4,5 Monate. Schützen uns diese Reserven vor Preisschocks?
Die Pflichtlager werden ausschliesslich bei physischen Versorgungsengpässen eingesetzt. Sie sind nicht für die Preisgestaltung gedacht und dämpfen daher keine Marktpreisschwankungen.
Viele Lesende fragen sich: Ist das ein kurzfristiger geopolitischer Preisschock – oder erleben wir gerade den Beginn einer längerfristigen Phase mit dauerhaft höheren Energiepreisen?
Die geopolitische Lage ist seit Jahren angespannt, ohne dass dies über längere Zeit zu deutlich höheren Erdölpreisen geführt hätte. Auch hier gilt: Der Weltmarkt ist derzeit gut versorgt, die Nachfrage eher gedämpft.
Genrell: Wie abhängig ist die Schweiz heute noch vom Öl aus dem Nahen Osten?
Die Inlandraffinerie in Cressier importiert kein Rohöl aus dem aktuell betroffenen Gebiet, sondern aus den USA, Nigeria, Nordafrika und Kasachstan. Zur Herkunft des Rohöls in europäischen Raffinerien, aus denen die Schweiz ebenfalls Produkte bezieht, liegen uns keine detaillierten Angaben vor.

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