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23-Jähriger versenkt Miet-Porsche in der Limmat
Er wollte einmal die Kraft von 510 PS auf der Hinterachse spüren – und war ihr nicht gewachsen. Ein 23-jähriger Verkäufer versenkte im Sommer 2024 einen gemieteten Porsche GT3 in der Limmat. Am Donnerstag musste er sich dafür vor Gericht verantworten.
Der Vorfall ereignete sich Anfang Juni 2024 im Kanton Zürich. An diesem Montagabend um 18.30 Uhr ist der 23-jährige Endrit* mit seinem Bruder im Auto unterwegs. Nur wenige Minuten später wird diese Fahrt schweizweit zur Schlagzeile. Das Bild des im Fluss versenkten Porsche wird prominent auf den Nachrichtenplattformen gespielt. Für den jungen Albaner hat der Vorfall, etwas mehr als ein Jahr später, nun auch rechtliche Konsequenzen. Am Donnerstag musste er sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Die zuständige Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von mehreren Monaten gefordert.
Was ist passiert? Warum landete der Porsche im Flussbett? An diesem verhängnisvollen Juniabend mieten Endrit und sein Bruder den Porsche GT3 von einer Aargauer Autovermietung. Die Mietkosten für ein solches Modell liegen in der Region Zürich bei rund 400 Franken für drei Stunden, für den ganzen Tag sind es etwa 1500 Franken.
Endrit will einmal die volle Kraft eines 510-PS-starken Wagens spüren. «Kurz vor der Fahrt aktivierte er deshalb den Track-Modus und deaktivierte das Fahrassistenzsystem ESC», heisst es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis, die STREETLIFE vorliegt. Diese Elektronische Stabilitätskontrolle soll den Porsche eigentlich in kritischen Fahrsituationen stabilisieren und ein Ausbrechen des Fahrzeughecks oder ein Schleudern verhindern.
Porsche innert Minuten voll Wasser
Doch Endrit will genau das provozieren. Er will, dass die volle Motorenleistung auf die Hinterräder des Porsche übertragen wird, fasst die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage zusammen. Auf der Uferstrasse in Richtung Kloster Fahr «drückte der Beschuldigte dann das Gaspedal bewusst und gewollt einmal komplett durch», so die Anklageschrift weiter. Und es kommt, wie es kommen musste: Endrit verliert sofort die Kontrolle über das Fahrzeug. Der Wagen gerät ins Schleudern, schiesst über den Velo- und Fussgängerweg hinaus, die Böschung hinunter, bis er schliesslich in der Limmat landet. Dort lässt sich der Wagen nicht mehr bewegen, läuft innert weniger Minuten mit Wasser voll. Endrit und sein Bruder können den Porsche unverletzt verlassen und sich ans Ufer begeben.
Das Fahrzeug musste später durch die Feuerwehr und mit Hilfe eines Hebekrans aus dem Flussbett geborgen werden. Das zeigt ein Video auf dem YouTube-Kanal von BRK News.
Für die Staatsanwaltschaft ist Endrits Verhalten der alleinige Auslöser für den Unfall. Mit dem bewussten Deaktivieren des ESC auf öffentlichen und nicht abgesperrten Strassen habe er zudem ein hohes Risiko für Schwerverletzte oder gar Todesopfer geschaffen. Die Staatsanwaltschaft klagte den Beschuldigten wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln an und forderte eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie eine Busse von 1000 Franken.
Endrit zeigte sich bereits im Rahmen des Untersuchungsverfahrens geständig. Das ermöglichte am Donnerstag einen Prozess im abgekürzten Verfahren. Der Richter fragte den Beschuldigten kurz nach dem Prozessauftakt: «Was ist Ihnen bei diesem Manöver nur durch den Kopf gegangen?» Endrits Antwort: «Ich wollte das Auto besser hören und habe deshalb die Assistenzsysteme deaktiviert. Ich hatte mehr Glück als Verstand. Es tut mir alles sehr leid.»
Das Gericht verurteilte Endrit schliesslich zur beantragten Freiheitsstrafe von 13 Monaten und der Busse von 1000 Franken. Der Richter mahnte den Junglenker: «Sie haben Zukunftspläne und sind in einer stabilen Beziehung. Bleiben Sie lieber bei einem kleinen Auto.»
* Name der Redaktion bekannt

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