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Hier parkierst du in den ältesten Parkhäusern der Schweiz
Die meisten heutigen Parkhäuser stammen aus einer Zeit, in der das Auto endgültig zum Massenphänomen wurde. STREETLIFE wirft einen Blick auf die ältesten ihrer Art.
In den 1960er- und 1970er-Jahren verdoppelte sich die Zahl der Personenwagen in der Schweiz innerhalb eines Jahrzehnts von rund 509’000 Fahrzeugen auf über 1,38 Millionen. Der Platz in den Städten wurde knapp, und die Antwort lautete: bauen in die Tiefe oder in die Höhe. Parkhäuser schossen wie Pilze aus dem Boden und galten als Symbol moderner Stadtplanung.
Die grosse Mehrheit der heute bestehenden Parkhäuser geht auf diese Boomphase zurück. Neue Projekte sind dagegen seit Jahrzehnten schwieriger geworden – politischer Widerstand, hohe Baukosten und knapper Boden bremsen den Ausbau, insbesondere in Grossstädten.
STREETLIFE zeigt eine Auswahl der ältesten Parkhäuser der Schweiz, die bis heute existieren – und noch immer genutzt werden können.
Casinoparking, Bern (1935)
Das Casinoparking unterhalb des Casinoplatzes in Bern gehört zu den ältesten Parkierungsanlagen der Schweiz. Es entstand zwischen 1935 und 1938 im Zuge einer grossen städtebaulichen Umgestaltung. Der Münzgraben, der damals noch tief in die Altstadt einschnitt, wurde aufgefüllt. In den neu geschaffenen Raum integrierte die Stadt ein Parking, darüber entstand der heutige Casinoplatz. Ziel war es, dem zunehmenden Autoverkehr in der Innenstadt Platz zu geben und gleichzeitig die Verkehrsführung zu verbessern. Auch wenn das Parking heute unterirdisch wirkt, ist es tatsächlich Teil dieser historischen Geländeveränderung.
Metro-Parking, Bern (1955)
Das Metro Parking am Waisenhausplatz in Bern wurde 1955 eröffnet und gehört zu den ältesten noch genutzten Parkhäusern der Schweiz. Dank seiner zentralen Lage ist es seit Jahrzehnten ein wichtiger Anlaufpunkt für Pendler, Besucher und Stadtbewohner. Das Gebäude wurde über die Jahre mehrfach saniert und modernisiert, wobei sowohl die Tragstruktur als auch die technischen Anlagen erneuert wurden. Heute bietet das Metro Parking rund 425 Stellplätze und ist rund um die Uhr in Betrieb.
Parkhaus Kesselturm, Luzern (1960)
Das Parkhaus Kesselturm wurde in den 1960er‑/70er‑Jahren eröffnet, um den wachsenden Autoverkehr in Luzerns Altstadt aufzufangen. Mit rund 350 Stellplätzen auf mehreren Ebenen bot es damals eine moderne Lösung für das Parkplatzproblem in der historischen Innenstadt. Bis heute wird das Kesselturm-Parking genutzt und regelmässig instandgehalten, wobei die Grundstruktur weitgehend erhalten blieb. Gleichzeitig hat es sich den zweifelhaften Ruf erworben, als eines der engsten und nervigsten Parkhäuser der Schweiz. Enge Rampen und verwinkelte Stellplätze sorgen für Stress bei Autofahrenden.
Parkhaus Hohe Promenade, Zürich (1964)
Das Parkhaus Hohe Promenade wurde zwischen 1964 und 1968 gebaut und gehört zu den ältesten grossen Parkhäusern in Zürich. Unter dem Hügel der gleichnamigen Promenade gelegen, ist es von aussen kaum sichtbar und zeigt, wie die Stadt schon damals den Autoverkehr unterirdisch organisierte. Historische Bilder zeigen die frühe Nutzung des Parkhauses Hohe Promenade: vom Warteraum bis zur Kasse, an der noch Personal die Parkgebühren entgegennahm. In den 2010er-Jahren wurde das Gebäude umfassend modernisiert: Zugänge und Fussgängeranbindungen wurden verbessert, Licht- und Farbkonzepte sorgen für eine freundlichere Atmosphäre, während die Grundstruktur weitgehend erhalten blieb.
Parkhaus Grabengut, Thun (1973)
Mit dem Parkhaus Grabengut erhielt Thun 1973 sein erstes Parkhaus. Die Anlage wurde von der neu gegründeten Parkhaus Thun AG realisiert, um den zunehmenden Verkehr aus der Altstadt zu lenken und gleichzeitig die Erreichbarkeit des Zentrums zu sichern. Mit mehreren Ebenen und rund 600 Parkplätzen gehörte das Grabengut damals zu den grösseren Parkierungsanlagen einer Schweizer Mittelstadt. Rund um das Parkhaus entstand ein Freizeit- und Dienstleistungsbereich mit Eisbahn, Gastronomie und weiteren Angeboten. Mehr als 50 Jahre später ist das Parking weiterhin in Betrieb und wurde schrittweise modernisiert.
Parkhaus Bieltor, Solothurn (1976)
1976 eröffnete Solothurn unter dem Amtshausplatz sein erstes öffentliches Parkhaus, begleitet von einem Volksfest mit Festbänken zwischen den Parkfeldern und sogar einem auf Eis gelagerten Haifisch als kulinarischer Attraktion. Das Parkhaus Bieltor mit damals 453 Plätzen stiess zunächst auf Skepsis: Nach der Gratiswoche halbierten sich die Einfahrten und im ersten Betriebsjahr schrieb die Betreiberin rote Zahlen. Trotzdem entwickelte sich das Parkhaus langfristig zu einem Erfolgsmodell, getragen von Stadt, Banken und privaten Aktionären. Heute gehört es selbstverständlich zur Innenstadt, auch wenn Alterserscheinungen eine umfassende Sanierung zwischen 2023 bis 2025 nötig machten.
Autosilo Balestra, Lugano (1978)
Das Autosilo Balestra in Lugano entstand 1978 als mehrstöckiges Parkhaus mit zusätzlichem Shopping- und Gastronomieangebot. Die markante, brutalistische Betonarchitektur mit scharfem Zickzack-Profil macht das Gebäude bis heute zu einem auffälligen Landmark im Quartier. Ursprünglich kombinierte das Parkhaus Stellplätze mit Alltagsangeboten unter einem Dach. Heute dient es nur noch als Parkraum und prägt weiterhin den Stadtraum, auch wenn Modernisierungen eher sparsam erfolgten. Kurios bleibt ein Zwischenfall aus dem Jahr 2010, als ein Auto im obersten Stockwerk durch eine Betonwand stürzte. Der Fahrer überlebte unverletzt.
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