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Das war der erste Fussgängerstreifen der Schweiz
Wer heute zu Fuss unterwegs ist, hat auf dem Zebrastreifen Vortritt. Das war nicht immer selbstverständlich. Bevor 1948 in Basel der erste gelbe Fussgängerstreifen markiert wurde, glich jede Strassenüberquerung einem Wagnis.
Über Jahrhunderte teilten sich Fussgänger, Fuhrwerke und später Autos die Verkehrswege. Mit zunehmenden Spannungen. Als das Automobil in den 1920er- und 30er-Jahren immer populärer wurde, stiegen auch die Konflikte. Besonders für Fussgänger war jede Strassenquerung ein kleines Abenteuer mit ungewissem Ausgang.
Schon in den 1930er-Jahren begann man über bessere Markierungen nachzudenken. Doch die Gedanken zielten erstaunlich wenig auf Schutz, sondern stärker auf «Erziehung»: Man wollte Fussgänger dazu bringen, die Strasse an bestimmten Stellen zu überqueren. Schilder, Nägel im Asphalt, verschiedenste Muster – vieles wurde ausprobiert. Einheitlich sah das aber nirgends aus, und wirklich sicher waren diese Übergänge auch nicht.
Der Bundesrat entscheidet: Gelb soll es sein
1936 empfahl der Bundesrat, Strassenübergänge in Gelb zu markieren in Anlehnung an die Wanderwege, die seit 1934 ebenfalls gelb signalisiert waren. Wie genau ein solcher Übergang aussehen sollte, blieb aber offen.
Beim Vortritt blieb alles beim Alten. Das Gesetz von 1932 verlangte zwar, dass Motorfahrzeugführer die Geschwindigkeit mässigen oder nötigenfalls anhalten sollten. Ein genereller Vortritt für Fussgänger war aber noch nicht festgeschrieben.
Kreativer Wildwuchs und viele skurrile Ideen
Die Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner (VSS) machte sich mit grossem Eifer an die Arbeit. Übergänge mit Pfeilen, Zickzacklinien, psychologisch optimierten Mustern und sogar integrierten «Personenströmen» wurden entworfen.
Manche sollten Fussgänger automatisch zur richtigen Seite leiten, andere versprachen bessere Sichtbarkeit für Autofahrer. Trotz all dieser Bemühungen blieb eines gleich: Die Übergänge waren uneinheitlich und oft schlecht zu erkennen. Die Gefahr blieb.
Basel 1948: Der erste Zebrastreifen der Schweiz
Erst Ende der 1940er-Jahre hielt ein Muster Einzug, das wir heute selbstverständlich finden: der Zebrastreifen. Basel machte 1948 den Anfang und markierte den ersten gelben Übergang nach dem Vorbild, das sich international bereits abzeichnete.
Woher kommt der Name «Zebrastreifen»
Woher der Zebrastreifen seinen Namen hat, ist nicht eindeutig geklärt. Eine verbreitete Erklärung führt nach Grossbritannien: Der spätere Premierminister James Callaghan soll die markanten Streifen erstmals als «zebra crossing» bezeichnet haben, weil sie ihn an das Muster eines Zebras erinnerten.
Eine zweite Version stammt aus Hamburg. Dort startete das Hamburger Abendblatt 1954 die «Aktion Zebra», um rücksichtsvolle Autofahrer auszuzeichnen, die Fussgängern korrekt den Vortritt gewährten. «Zebra» stand für «Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers». Der Begriff setzte sich rasch durch und wurde zum heute gebräuchlichen Namen des Fussgängerstreifens.
Die Automobil Revue feierte den gelben Streifen sofort als Erfolg, nicht zuletzt, weil sich Fussgänger nun besser an die «ihnen zugewiesenen Passagen» hielten. Die Markierung wurde schnell zum Symbol für geordnete und sicherere Strassenquerungen.
Interessante Anekdote: Noch kurz zuvor hatte die Migros-Zeitung «Die Tat» über die Pariser Fussgängerstreifen gespottet und sie als «dernier cri» verspottet, eine Kuriosität der Mode. Der Erfolg in Basel sollte diese Haltung rasch widerlegen.
1962 folgte der entscheidende Schritt und der Vortritt für Fussgänger wurde gesetzlich verankert. Ab diesem Zeitpunkt gehörte der Fussgängerstreifen nicht mehr in die Kategorie «Modetorheit», sondern war ein zentraler Bestandteil des Verkehrssicherheitsgedankens.

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