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Das sind die Tops und Flops vom Autosalon Paris
Diese Woche präsentierte sich die Autobranche in Paris: Insgesamt zeigten die verschiedenen Marken 60 Neuheiten. Darunter auch ein City-Flitzer mit Schweizer Wurzeln. Damit du den Überblick nicht verlierst, hat STREETLIFE für dich die Tops und Flops des Pariser Autosalons zusammengetragen.
Die Auswahl wächst wieder. Immer mehr chinesische Automarken strömen nach Europa und in die Schweiz. Für Arbeitnehmende in der europäischen Autoindustrie ist das ein zweischneidiges Schwert. Während sie als Kundschaft von mehr Auswahl und fallenden Preisen profitieren, sehen sie als Angestellte in der Auto- oder Zuliefererbranche ihre Arbeitsplätze in Gefahr.
Vor diesem Hintergrund wird eine Automesse wie der Pariser Autosalon letzte Woche zur Arena für den Showdown zwischen West und Ost. Nur an Messen finden sich die Neuheiten der verschiedenen Marken auf so kleinem Raum, was einen direkten Vergleich erlaubt. Gerade die französischen Autobauer nutzten das Heimspiel. Allerdings dominierten Konzeptfahrzeuge und Design-Studien.
Lange Historie
Dabei spielen die europäischen Automarken ihren grössten Vorteil gegenüber der chinesischen Konkurrenz aus: ihre lange Historie. Die meisten Studien erinnern vom Aussehen oder Namen an längst vergangene Modelle und lassen diese als Neuinterpretation wieder auferstehen. Prominentestes und wohl gelungenstes Beispiel aus Paris ist der Citroën 2CV, auch bekannt als Döschwo oder Ente. Viele chinesische Marken auf der anderen Seite sind noch nicht einmal zwanzig Jahre alt.
Mit ihren Studien und Konzeptfahrzeugen versuchen sich die europäischen Hersteller vehement gegen den Ansturm der chinesischen Marken zu wehren. Das Problem dabei: Neben den Studien gibt es kaum echte Neuheiten – ganz im Gegensatz zu den chinesischen Herstellern. Was die über 20 Marken in Paris zeigten, sind mehrheitlich Serienmodelle, die schon auf dem Markt sind oder in den nächsten Wochen und Monaten beim Händler stehen werden.
Langweilige Chinesen?
Kritische Stimmen sagen, die chinesischen Autos seien sehr austauschbar. Ein kleines Zugeständnis für die tiefen Preise der chinesischen Autos, da diese noch viel mehr auf einheitliche Bauteile setzen. Sie heben sich innen durch ihr Infotainmentsystem von der Konkurrenz ab und überzeugen inzwischen mit deutlich besseren sowie hochwertigeren Materialien im Innenraum als europäische Autos.
Und trotz der unterschiedlichen Herangehensweise der europäischen und chinesischen Hersteller gab es eine Gemeinsamkeit: Tops und Flops waren auf beiden Seiten zu finden.
Tops
Smart #2
Smart kehrt zu seinen Wurzeln zurück – und damit zu seiner Schweizer Herkunft. In Paris enthüllte die Marke den neuen #2. Dabei handelt es sich um einen Zweisitzer, wie schon der erste Smart von 1998. Die Idee für den Fortwo stammte von Swatch-Gründer Nicolas Hayek, der die Marke 1994 in Biel gründete. Mercedes stieg später ein, übernahm Smart komplett und verkaufte inzwischen die Hälfte an den chinesischen Geely-Konzern.
BYD Dolphin
Schon eine Stufe grösser geht es mit dem BYD Dolphin. Der Kleinwagen hat vier Plätze und kommt bis zu 1000 Kilometer weiter – Rekord in dieser Klasse. Das Geheimnis liegt im Plug-in-Hybrid-Antrieb von BYD. Er ist der einzige Kleinwagen, der sich an der Steckdose laden und an der Zapfsäule tanken lässt. Er fährt grundsätzlich elektrisch. Der Benzinmotor generiert Strom, sobald die Batterie leer ist, oder unterstützt bei höheren Tempi den E-Motor beim Antrieb.
Eher ein Flop ist BYDs zweite Neuheit in Paris. Der grosse SUV Atto 8 ist ein reines Elektromodell. Die Chinesen bewerben ihn mit Flash Charging, womit sich die 115 kWh grosse Batterie in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent laden lassen soll. Das Problem: In Europa gibt es noch keine Ladesäulen, die so viel Strom (1500 kW) liefern können.
Hyundai Bayon
Der koreanische City-SUV Bayon geht in die zweite Runde. Vom etwas knuffigen Mini-Crossover mausert er sich zum robusten SUV, bleibt aber Hyundais Einstiegs-SUV. Erstmals wird der Bayon mit Hybridantrieb angeboten, eine rein elektrische Variante ist aktuell nicht geplant. Neben dem neuen Bayon zeigte Hyundai in Paris auch die fünfte Generation seines Kompakt-SUVs Tucson.
Zeekr 9X
Und es geht noch grösser. Aus China bringt Zeekr den 9X nach Europa. Sein Vorbild ist der Rolls-Royce Cullinan. Im Gegensatz zum britischen Luxus-Koloss setzt Zeekr auf einen Elektromotor mit Range-Extender. Der Benzinmotor liefert nur Strom für den 897 PS starken E-Motor, womit der 9X über 700 Kilometer Reichweite bietet. Der Preis wirkt ab 117'500 Franken im ersten Moment hoch, aber dafür bietet der chinesische Nobel-SUV viel – und ist immer noch viermal günstiger als der Rolls.
Flops
Renault Twingo E-Tech
Die grösste Automarke Frankreichs zeigte in Paris den neuen Twingo. Der sieht zwar cool aus, ist aber in der Schweiz schon seit Frühling erhältlich. Die einzige andere Neuheit ist mit dem Trafic E-Tech ein Nutzfahrzeug. Ansonsten zeigte Renault nur Konzeptfahrzeuge. Der E-Space wirkt zwar sehr gelungen, aber ob und wann der neue Van mit Elektroantrieb gebaut wird, steht in den Sternen.
Audi A2 E-Tron
Die deutschen Hersteller überliessen das Feld zwar nicht komplett den Franzosen und Chinesen, mit einem Grossaufgebot waren sie aber nicht nach Paris gereist. Audi liess sich die Chance aber nicht nehmen, den kürzlich enthüllten A2 E-Tron der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber kommt der kompakte Elektro-Audi nicht zu spät? Er teilt sich die Technik mit dem Konzernbruder VW ID.3 Neo, der schon seit Jahren auf dem Markt ist, und übernimmt den Namen des gefloppten Audi-Kleinwagens von der Jahrtausendwende.
Dacia Striker
Selbst bei Dacia verliert man jetzt langsam den Überblick. Ein Jahr nach dem grossen SUV Bigster lanciert die rumänische Billigmarke den Striker. Offiziell als Kombi angepriesen, tritt er optisch eher wie ein SUV auf. Und obwohl er länger als der Bigster ist, verfügt er wegen der flacheren Dachlinie über weniger Ladevolumen im Kofferraum. Es darf bezweifelt werden, dass die Dacia-Kundschaft auf einen stylischen Crossover-Kombi gewartet hat und eher einen echten und praktischen Kombi bevorzugen würde.
Immerhin kann Dacia auch überzeugen. Die zweite Auflage des City-Stromers Spring sieht cool aus, wird neu in Europa produziert, erzielt eine nützliche Reichweite von 250 Kilometern und bleibt ab 16'790 Franken preiswert.
Xpeng G9L
Mit dem G9L will Xpeng wie schon Zeekr im Revier von Rolls-Royce wildern. Der grosse SUV will mit viel Platz und Luxus für ein verhältnismässig kleines Budget punkten. Doch während Zeekr diesen Luxus im 9X mit einem optischen Statement auch nach aussen trägt, tritt der G9L schon beinahe langweilig und bieder aus. Er ist das Beispiel dafür, wie austauschbar einige SUVs aus China aussehen. Und gerade in dieser Preisklasse, will die Kundschaft auch Eindruck hinterlassen, und nicht mit einer Billig-Kutsche verwechselt werden.
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