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Chinas Wunder-Stromer – 751 PS und viel Komfort zum Spottpreis
MG liefert mit der Limousine IM5 einen weiteren Beweis für die chinesische Überlegenheit bei der Elektromobilität. Die Testreichweite im Schnell-Check von STREETLIFE übertrifft sogar die eigene Werksangabe. Trotzdem gibt’s noch Verbesserungspotential – gerade im Innenraum.
Paparazzi-Faktor
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Kopieren ist die höchste Form der Anerkennung. Aktuell kopiert die Autoindustrie gerne Tesla. Viele neue Elektro-Limousinen ähneln optisch dem Model 3. Das fängt beim Design an, geht über den Innenraum und die Verkehrsdarstellung im Display bis zur Bedienung. MGs IM5 ist da keine Ausnahme. Doch mit zwei Details hebt er sich deutlich vom Model 3 ab. Da ist einerseits die verspielte Linienführung am unteren Ende der Türe und andererseits der coole Heckspoiler. Aber, heute ziehen Limousine die Blicke nur auf sich, weil es kaum noch welche gibt. Die Leute kaufen SUVs, deshalb stellt MG dem IM5 auch die Crossover-Alternative IM6 zur Seite.
Nerd-Faktor
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Technik-Fans kommen definitiv auf ihre Kosten mit den zahlreichen Spielereien und Gimmicks. Leider hat darunter teilweise die Benutzerfreundlichkeit gelitten. Das zeigt sich bei der Klimaanlage und der Lautstärke. Als Fahrer lässt sich das Volumen einfach über ein Drehrad am Lenkrad einstellen. Doch der Beifahrer ist praktisch chancenlos. In einem Untermenü in den Einstellungen versteckt, findet sich eine weitere Lautstärkenregelung. Unser Tipp an MG: Mit einem Software-Update eine einfachere Volumeneinstellung für die Mitfahrenden implementieren.
Bei der Klimaanlage haben sich die Chinesen von Porsche inspirieren lassen. Die Blasrichtung der Luft lässt sich nicht direkt an den Lüftungsdüsen einstellen, sondern über die Klima-Einstellung im Touchscreen. Nur lässt sich der Luftstrom nicht genug zur Seite schieben, und so wird man immer von irgendwo angeblasen.
Aber es gibt auch gute und praktische Lösungen. Der grosse horizontale Bildschirm hilft beim Abbiegen. Wenn man blinkt, zeigt er das Bild einer an der Seite angebrachten Kamera und man sieht, was neben dem Auto im toten Winkel geschieht. So übersieht man weniger Fussgänger oder Velofahrende – in Schweizer Städten sehr hilfreich. Und im Gegensatz zu anderen Herstellern, die nur noch auf Kameras setzen, sind sie bei MG eine Ergänzung zu den klassischen Seitenspiegeln.
Der breite Haupt-Bildschirm liegt sehr hoch. Auf ein Head-up-Display verzichtet MG im IM5 deswegen, was dem Hightech-Anspruch der Chinesen für die IM-Modelle (steht für Intelligent Mobility) etwas widerspricht. Aber der «immersive» Touchscreen, wie MG das Display nennt, geht fliessend von den digitalen Instrumenten ins Infotainment über. Die Bedienung erfolgt teilweise über den kleineren Bildschirm zwischen Fahrer und Beifahrer, über den sich auch die meisten Fahrfunktionen und Assistenten bedienen lassen.
Harassen-Faktor
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MG schafft es, dass man im IM5 für eine Elektro-Limousine sehr tief sitzt. Dafür bezahlen allerdings die Passagiere im Fond, weil sie die Füsse nicht unter die Vordersitze strecken können. Das kann auf langen Strecken unbequem werden, dabei wäre der IM5 ansonsten genau darauf ausgelegt. Es ist auch schade, weil der Fond ansonsten für die flache und schnell abfallende Dachlinie doch erstaunlich geräumig wirkt. Auch der Kofferraum ist mit einem Ladevolumen von 457 bis 1290 Litern angemessen für die Klasse.
Monza-Faktor
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Zum schnittigen Design mit dem vom Aston Martin inspirierten Heckspoiler passt auch die kombinierte Leistung aus dem E-Motor an der Hinter- und Vorderachse. Zusammen bringen diese 751 PS und 802 Nm auf die Strasse. Damit jagt der IM5 in 3,2 Sekunden auf Tempo 100 und lässt so manchen Sportwagen alt aussehen – und das gleich doppelt. Denn der STREETLIFE-Testwagen kostet mit 54’990 Franken nur einen Bruchteil.
Der Elektroantrieb sorgt grundsätzlich für einen Leistungsboost. Leider ist dieser Boost manchmal zu gross für das Auto. Nötige Anpassungen in Fahrwerk, Bremsen und Lenkung werden vergessen, und das Fahrzeug ist mit der Power überfordert. Nicht so bei MG. Die Ingenieure haben den IM5 explizit auf diese Leistung abgestimmt. Er liegt satt auf der Strasse und nimmt jede Kurve wie die wendigen Zweiplätzer, mit denen die Marke in ihrer alten Heimat England bekannt geworden ist. Der IM5 schiebt nicht über die Vorderräder aus der Kurve oder droht das Heck zu verlieren. Dazu packen die Bremsen wenn nötig richtig zu und lassen die Person am Steuer die Leistung kontrollieren.
Von brachialem Vorwärtsdrang ist im Alltag wenig zu spüren. Die Leistung steht zwar jederzeit bereit, lässt sich aber ausgesprochen fein dosieren. Der IM5 beschleunigt geschmeidig, das Fahrwerk sorgt für hohen Komfort – und man vergisst schnell, dass unter der Karosserie nicht weniger als 751 PS stecken.
Planeten-Rettungs-Faktor
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Mit der Elektromobilität ist eine andere Zahl noch wichtiger geworden als die Leistung. Das ist die Reichweite. Die kann sich beim IM5 sehen lassen. Mit 575 Kilometer verspricht MG einen ordentlichen Wert für eine Elektrolimousine. Realistisch betrachtet fällt die Reichweite im Alltag etwas geringer aus – vor allem bei einer Fahrweise, die der Leistung von 751 PS gerecht wird.
Nicht so der IM5. Im Schnell-Check von STREETLIFE überbieten wir die Werksreichweite und erreichen bis zu 607 Kilometer reale Reichweite. Damit wird ein Tagesausflug in der Schweiz noch entspannter, weil man am Zielort nicht nach einer Lademöglichkeit suchen muss, um wieder nach Hause zu kommen. Und auch auf der Heimfahrt auf der Autobahn muss man nicht mit 100 oder gar 80 km/h auf der rechten Spur vor sich her tuckern, um es ohne Laden nach Hause zu schaffen. So erreicht die Elektromobilität die Bequemlichkeit, die es braucht, um von der breiten Masse akzeptiert zu werden.
Check-Bilanz
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Mit dem MG IM5 haben die Chinesen ein Wunder auf vier Rädern geschaffen – und damit ist nicht die Leistung gemeint. 751 PS sind in der Elektromobilität keine Meisterleistung der Ingenieurskunst mehr. Dies allerdings für 54'990 Franken inklusive aller Assistenzsysteme und Komfortfeatures anzubieten, dürfte die europäische Konkurrenz leer schlucken lassen. Die verlangt deutlich mehr für so viel Power – dafür vergisst sie den Beifahrer bei so einfachen Dingen wie der Lautstärkeregelung nicht. Ein Software-Update würde diese Kleinigkeit lösen. Und sonst entschädigt uns die Tatsache, dass die reale Reichweite die versprochene Werksreichweite im IM5 deutlich übertrifft.
MG IM5 100 kWh Performance: Fakten
- Motor: 2 E-Motoren mit 751 PS (553 kW), 802 Nm
- Batterie: Brutto / Netto 100 / 96,5 kWh = 575 km, Test: 607 km
- Antrieb: 1-Gang-Automatik, AWD
- Fahrleistung: 0-100 km/h 3,2 s, Höchstgeschwindigkeit 268 km/h
- Verbrauch: Werk / Test: 19,7 / 18,6 kWh/100 km, Energieeffizienz A
- Masse: Länge/Breite/Höhe: 4,93 m / 1,96 m / 1,47 m
- Laderaum: Kofferraum vorne / hinten 18 / 457-1290 l
- Gewichte: Leergewicht: 2298 kg, Anhängelast ungebremst / gebremst: 750 / 1500 kg
- Preis: ab 53’990 Fr., Testwagen inkl. Extras (Lackierung 1000 Fr.): 54’990 Fr., (Basis: 75 kWh, Standard Range, Heck, 295 PS: 41’990 Fr.)
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