Werbung
Chili, Ratte, oder Gorilla – das sind die Spitznamen der Formel-1-Piloten
Die Formel 1 lebt von Charakterköpfen. Neben Streithähnen wie Ayrton Senna und Alain Prost gehören auch spezielle Typen wie Daniel Ricciardo oder Kimi Räikkönen dazu. Aber was ist schon ein Charakterkopf ohne einen coolen Spitznamen? STREETLIFE hat einige ausgefallene Übernamen aus 76 Jahren Formel 1 zusammengetragen.
Der «Iceman». Bei dem Namen weiss jeder Formel-1-Fan, wer gemeint ist: der bisher letzte Ferrari-Weltmeister Kimi Räikkönen. Der Finne war schon zu Beginn seiner Karriere beim Schweizer Sauber-Team sehr wortkarg und gab nur wenig von sich preis. Bei seinem nächsten Team McLaren nannte ihn Teamchef Ron Dennis wegen seiner kühlen Art «Ice-Kid».
Der Name fand aber kaum Anklang, unter anderem weil Räikkönen schnell zum Mann reifte. So wurde es zu «Iceman» und den Namen fand der Finne selbst cool. Er tätowierte sich den Namen 2008 auf den Unterarm und machte den Schriftzug fortan auch auf seinen Helm. Aber das ist erst die Spitze des Eisbergs cooler F1-Spitznamen.
Carlos Sainz (E, geb. 1994) – «Chili»
Eine Chili-Schote schmückt den Helm des Spaniers. Aber es hat nichts mit seinem scharfen Fahrstil oder Schärfe zu tun. Im Gegenteil: Der Williams-Pilot mag nicht einmal scharfes Essen. Stattdessen geht der Spitzname zurück auf eine Partynacht mit Freunden. Im Alkohol-Geplauder wurde aus Carlos, Charlie und später Chili. Der Rausch verging, der Name blieb. Und ab und an kommt Sainz auch mit einem Sonnenhut voller Chili-Schoten ins Fahrerlager – vielleicht ein Geschenk seiner Freunde.
Daniel Ricciardo (AUS, geb. 1989) – «The Honey Badger» (dt. Honigdachs)
Auf den ersten Blick süss, aber im Innern ein gefährliches Raubtier. So lässt sich der afrikanische Honigdachs umschreiben. Wenn andere Tiere ungewollt seinen Weg kreuzen, scheut er auch nicht davor zurück, Giftschlangen oder Skorpione anzugreifen und zu verspeisen. In der Umgangssprache steht «Honey Badger» für eine furchtlose, extrem widerstandsfähige und eigensinnige Person. Das fand Ricciardos Trainer passend für den Australier und dieser stimmte zu. Denn er scheute sich auch als Anfänger nicht, grosse F1-Namen anzugreifen. Ein Honigdachs oder der Schriftzug «Honey Badger» fanden sich immer wieder auf Ricciardos Helm.
Alain Prost (F, geb. 1955) – «Der Professor»
Der Franzose verdankt seinen Übernamen seiner Arbeitsweise. Methodisch bereitete Alain Prost seinen Boliden auf das Rennen vor und ging richtiggehend wissenschaftlich an die Abstimmung heran. Dazu verfügte er über eine unglaubliche Rennintelligenz, konnte Rennen lesen und taktisch richtige Entscheidungen treffen. Der vierfache Weltmeister fuhr selten so schnell, wie er konnte, sondern meistens nur so schnell, wie er musste. Seine ruhige und präzise Fahrweise verbarg dem blossen Auge, wie schnell Prost wirklich war.
Nigel Mansell (GB, geb. 1953) – «Il Leone»
Manche Spitznamen sind Ausdruck tiefster Verehrung. Der Engländer Nigel Mansell fuhr zwei Saisons für Ferrari und eroberte die Herzen der Fans im Sturm. Die Tifosi bewunderten seinen Mut, und weil er in ihrem roten Boliden kämpfte und alles gab, nannten sie ihn liebevoll «Il leone», den Löwen. Gebracht hat es leider nichts, erst zwei Jahre später auf Williams konnte er seinen einzigen Titel gewinnen.
John Surtees (GB, geb. 1934 – 2017) – «Big John»
Der Engländer dürfte unerreicht bleiben. Als einziger Rennfahrer gewann er die Motorrad-Weltmeisterschaft und den Titel in der Formel 1. Diesen gewann er mit Ferrari. Später gründete er sein eigenes Team Surtees. Damit startete er nicht nur selbst als Pilot in der Formel 1, sondern wurde auch der erste CanAm-Champion. Der Canadian-American Cup wurde von 1966 bis 1974 in Nordamerika mit Sportwagen ausgetragen. Seinen Spitznamen verdankt Surtees aber seiner Zeit in Italien. Die loyalen Ferrari-Fans nannten ihn «Big John».
Giovanni Lavaggi (I, geb. 1958) – «Johnny Carwash»
Nicht nur die Fans kreieren Spitznamen. Einige gehen auch auf die Mechaniker zurück. So in den 1990er Jahren bei einem der letzten Gentleman-Driver der Formel 1. Giovanni Lavaggi kaufte sich 1995 mit 38 Jahren einen Startplatz bei Pacific. Sein Nachname erinnerte die englischen Mechaniker an eine Autowaschanlage, weil «il lavaggio» Italienisch für Waschen ist. Fertig war der Spitzname.
Vittorio Brambilla (I, 1937 – 2001) – «The Gorilla from Monza»
Manchmal ist das Erscheinungsbild schon die halbe Miete. Der Italiener Vittorio Brambilla war bullig gebaut und sein Händedruck wirkte, als könnte er Steine zerquetschen. Als hätte das nicht für den Affennamen gereicht, fiel Brambilla auf der Strecke auch durch seine rustikale Fahrweise auf, und die anderen Fahrer fürchteten ihn wegen seiner Unberechenbarkeit. Im Fahrerlager war der Gorilla hingegen die Ruhe in Person.
James Hunt (GB, 1947 – 1933) – «Hunt the Shunt»
Wenig schmeichelhaft ist der Spitzname des Briten James Hunt, den er von seinen Landsmännern bekommen hat. «Hunt the Shunt» lässt sich als Crashpilot übersetzen. «Shunt» ist im Rennsport ein englisches Slang-Wort für einen schweren Rennunfall. Und weil Hunts aggressive Fahrweise zu Beginn seiner Karriere zu einigen spektakulären Abflügen führte, kreierten die reimfreudigen Engländer diesen wenig schmeichelhaften Spitznamen. Zu Unrecht, wie Hunt in seinem Duell 1967 gegen Niki Lauda bewies und sich den WM-Titel sicherte.
Alberto Ascari (I, 1918 – 1955) – «Ciccio» (dt. Dickerchen)
Hunt ist nicht der einzige Weltmeister mit einem zweifelhaften Übernamen. Die Italiener nannten ihren Landsmann Alberto Ascari «Ciccio», was nichts anderes wie Dickerchen oder Pummelchen heisst. Ganz unbegründet war es nicht, denn sein blaues Hemd spannte über dem Bauchansatz. Ascari nahm es mit einem Achselzucken und Schmunzeln hin. Immerhin wurde er trotz seines Bäuchleins zweimal hintereinander mit Ferrari Weltmeister. Das schaffte seit ihm nur noch Michael Schumacher, und Ascari ist bis heute der einzige Italiener, der mit Ferrari den WM-Titel gewann.
Niki Lauda (A, 1949 – 2019) – «The Rat»
Ebenso wenig schmeichelhaft war der Spitzname, den die Briten dem dreifachen Weltmeister Niki Lauda verpassten. Daran ändert es auch nichts, dass es nichts mit Laudas Gebaren auf der Strecke zu tun hatte. Die Briten wurden von den auffällig vorstehenden Schneidezähnen des Österreichers an eine Ratte erinnert. Wenigstens honorierten sie seine Erfolge, indem sie ihn später «Super-Rat» oder «King Rat» nannten.
Werbung

















