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Bussen-Druck? Schwere Vorwürfe gegen die Kapo Jura
Polizisten der Kantonspolizei Jura erheben massive Vorwürfe gegen ihre Vorgesetzten. Es geht um Druck beim Bussenverteilen, interne Ranglisten – und um rassistische Chats.
Mehrere Angehörige der Kantonspolizei Jura packten gegenüber «RTS» aus – und zeichnen ein Bild, das mit klassischer Verkehrssicherheit wenig zu tun hat. Im Zentrum der Kritik steht die Mobilität – genauer gesagt: die Bussenpraxis im Strassenverkehr.
Laut den befragten Beamten herrsche intern ein klarer Druck, möglichst viele Ordnungsbussen auszustellen. «Jeder muss Bussen verteilen», sagt ein Polizist. Wer «nicht genug einbringt», werde zum Vorgesetzten zitiert und kassiere eine Rüge. Die Beamten würden zudem untereinander verglichen. Für die Kritiker ist das ein System mit Quoten-Charakter – auch wenn offiziell von keiner Zielvorgabe die Rede ist.
Auch Rassismus ein Thema
Das Interview mit RTS fand aus Angst vor Repressalien in einem anderen Kanton statt. Und die Vorwürfe gehen noch weiter: In einer inzwischen geschlossenen Whatsapp-Gruppe der Interventionsgruppe sollen laut einem Beamten rassistische Inhalte kursiert sein. Man habe dort dazu aufgerufen, sich bestimmte Bevölkerungsgruppen «vorzunehmen».
Auch die Personalzahlen werfen Fragen auf. 2024 verliessen sechs Polizisten das Korps, 2025 sogar fünfzehn – bei einem Bestand von rund 180 Beamten entspricht das einer Fluktuation von etwa zwölf Prozent in zwei Jahren. Die Polizei-Gewerkschaft sprach im Februar von einem «Symptom eines tiefen Unbehagens», wollte sich später jedoch nicht weiter öffentlich äussern.
Der zuständige Regierungsrat, Valentin Zuber, erklärte gegenüber RTS, weder die politische Behörde noch der Stab hätten je konkrete Erwartungen oder bezifferte Vorgaben bei Bussen gemacht. Gleichzeitig räumte er ein, dass sich nicht im Detail kontrollieren lasse, wie es auf unterer Führungsebene laufe. Die Vorwürfe zu rassistischen Chats seien «schwerwiegend, falls sie sich bewahrheiten». Die Regierung hat inzwischen einen externen Experten eingesetzt, der die Situation untersuchen soll.

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