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Politik & Wirtschaft •
Trotz 20 Millionen Sparpotenzial

Bundesrat will kein vorzeitiges Aus für Klebevignette

Der Bundesrat hält die Klebevignette für ein Auslaufmodell. Ein vorzeitiges Ende will er aber nicht – trotz 20 Millionen Franken Sparpotenzial. Damit erteilt er dem SVP-Vorstoss eine Absage.

In einem Vorstoss verlangte SVP-Nationalrat Thomas de Courten (BL) wegen der hohen Kosten die vorzeitige Abschaffung der Klebevignette (STREETLIFE berichtete). Für ihn ist klar: «Die alte Klebevignette ist überholt, teuer und ineffizient.» Nun liegt die Antwort des Bundesrats vor. 

Dieser gibt De Courten zumindest teilweise Rückendeckung. «Der Bundesrat teilt grundsätzlich das Anliegen des Motionärs», heisst es in der Stellungnahme. Auch er verfolgt das Ziel, die klassische Autobahnvignette irgendwann vollständig durch die E-Vignette zu ersetzen. Beim Tempo gehen die beiden aber auseinander. Während de Courten den Kleber möglichst rasch von den Frontscheiben verbannen möchte, hält der Bundesrat am heutigen Fahrplan fest. Daher beantragt er eine Ablehnung der Motion.  

Bundesrat wollte schon früher nur die E-Vignette

Interessant: Die Idee ist für den Bundesrat keineswegs neu. Bereits bei der Einführung der E-Vignette hatte er ursprünglich ein rein elektronisches System vorgeschlagen. Dieses würde den Vollzug vereinfachen und Kosten sparen. 

Doch in der Vernehmlassung regte sich Widerstand. Das Parlament entschied sich deshalb für das heutige duale System: Seit August 2023 können Autofahrerinnen und Autofahrer selbst wählen, ob sie die klassische Klebevignette oder die E-Vignette kaufen. 

Gleichzeitig wurde eine klare Grenze ins Gesetz geschrieben: Die Klebevignette darf erst abgeschafft werden, wenn sie weniger als zehn Prozent aller verkauften Vignetten ausmacht. Anders gesagt: Mindestens 90 Prozent müssten sich für die digitale Variante entscheiden. 

90-Prozent-Marke noch weit entfernt

Davon ist die Schweiz noch ein gutes Stück entfernt. 2024 lag der Anteil der E-Vignette bei rund 35 Prozent, 2025 bereits bei etwa 45 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet der Bundesrat einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Der Trend ist damit eindeutig. Trotzdem rechnet der Bundesrat nicht damit, dass die entscheidende 90-Prozent-Marke in den kommenden fünf Jahren erreicht wird. Ein Anteil von 90 Prozent elektronischer Vignetten sei «in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich nicht realistisch», hält er fest. 

20 Millionen Franken könnten jährlich gespart werden

Ausgerechnet beim stärksten Argument de Courtens zieht der Bundesrat jedoch mit: beim Sparpotenzial. 

«Mit der vollständigen Umstellung auf ein rein elektronisches System könnten jährlich Kosten im Umfang von aktuell rund 20 Millionen Franken eingespart werden», schreibt der Bundesrat. 

Produktion, Vertrieb, Verkauf und Abrechnung der Klebevignette würden wegfallen. Das ganze System könnte dadurch einfacher und effizienter betrieben werden. Auch ist dem Bundesrat klar, dass die internationale Entwicklung in diese Richtung geht. So bietet Österreich ab dem Vignettenjahr 2027 nur noch die digitale Variante an. In Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien gibt es bereits heute ausschliesslich elektronische Vignetten. 

Trotzdem bleibt der Bundesrat bei seinem bisherigen Kurs. Gleichzeitig betont er: «Dies bedeutet jedoch keine inhaltliche Ablehnung des Anliegens.» 

Die Klebevignette soll also weiterhin verschwinden. Allerdings erst dann, wenn ihr Verkaufsanteil unter zehn Prozent fällt. 

STREETLIFE-Community will am Kleber festhalten

Damit dürfte der Entscheid zumindest bei vielen STREETLIFE-Leserinnen und -Lesern gut ankommen. Denn de Courtens Forderung hatte nach unserem ersten Bericht heftige Reaktionen ausgelöst. 

Rund 95 Prozent der Leserinnen und Leser, die sich damals bei STREETLIFE äusserten, wollten die Klebevignette behalten. Besonders häufig lautete die Kritik: Weshalb eine funktionierende analoge Lösung abschaffen, solange beide Systeme nebeneinander existieren können? Hier liest du die Reaktionen der STREETLIFE-Community. 

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