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Blumes VW-Plan – weniger Autos, 50'000 Jobs weg, mehr Rüstung
Oliver Blume zieht bei Volkswagen die Notbremse: weniger Autos, tiefere Kosten, rund 50’000 Jobs weniger in Deutschland. Gleichzeitig sucht der Konzern für das Werk Osnabrück eine Zukunft ausserhalb des klassischen Autogeschäfts – ausgerechnet in der Verteidigungsindustrie.
Volkswagen steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Konzernchef Oliver Blume will den grössten europäischen Autobauer bis 2030 schlanker, effizienter und wettbewerbsfähiger machen. Im Gespräch mit «Bild» sprach Blume über sinkende Produktionskapazitäten, Kostensenkungen, den Abbau zehntausender Stellen und mögliche Rüstungsprojekte am Standort Osnabrück.
Der Kern des Plans: VW verabschiedet sich von früheren Wachstumsannahmen. Der Konzern war auf mehr als zwölf Millionen Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt. Künftig hält Blume rund neun Millionen Fahrzeuge für realistisch. Nach eigenen Angaben wurden bereits Kapazitäten in China sowie bei Volkswagen und Audi reduziert. Eine weitere Million Fahrzeuge soll nun zusätzlich aus dem System genommen werden. Blume begründet dies mit der globalen Marktlage und dem harten Wettbewerb, vor allem in China.
50'000 Jobs weg
Damit verbunden ist ein massiver Stellenabbau. In Deutschland sollen bei VW, Audi und Porsche zusammengenommen rund 50’000 Jobs wegfallen. Laut Berichten soll dies vor allem über Altersteilzeit und Abfindungen geschehen; betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2030 durch Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite ausgeschlossen. Trotzdem ist klar: Der Umbau trifft die Belegschaft hart. VW reagiert damit auf hohe Kosten, schwächere Margen und eine Modellpalette, die in der bisherigen Breite immer schwerer zu finanzieren ist.
Ein besonders sichtbares Beispiel für den Strukturwandel ist das Werk Osnabrück. Dort sollen ab 2027 keine Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns mehr gebaut werden. Stattdessen führt VW Gespräche mit Unternehmen aus der Verteidigungsbranche. Nach Darstellung Blumes geht es nicht um Waffenproduktion, sondern um mögliche Transportfahrzeuge oder Systeme im Umfeld militärischer Mobilität. Er verweist dabei auf den politischen Auftrag, Deutschland verteidigungsfähiger zu machen. Für VW ist es zugleich eine pragmatische Lösung für einen Standort, der im klassischen Autogeschäft keine klare Zukunft mehr hat.
Fokus auf China
Parallel setzt Blume stark auf China. Der Konzern hat seine Strategie dort neu ausgerichtet: mehr Entwicklung vor Ort, schnellere Modellzyklen, niedrigere Kosten. Bis 2030 sollen zahlreiche neue Modelle speziell für den chinesischen Markt kommen. VW versucht damit, auf Hersteller wie BYD, Nio oder andere lokale Anbieter zu reagieren, die bei Preis, Software und Entwicklungsgeschwindigkeit deutlich Druck machen.
Auch in Europa bleibt die Elektromobilität ein zentraler Hoffnungsträger. Steigende Benzinpreise könnten laut Blume zusätzliche Nachfrage nach E-Autos auslösen. Doch der Wettbewerb bleibt hart: Tesla senkt Preise, chinesische Hersteller drängen nach Europa, und VW muss beweisen, dass Kosten, Software und Modellangebot schnell genug besser werden.
Blumes Plan ist deshalb weniger eine klassische Wachstumsstrategie als eine Sanierung unter Zeitdruck. VW soll kleiner werden, um wieder profitabler zu werden. Ob daraus ein Befreiungsschlag entsteht oder nur ein kontrollierter Rückzug, entscheidet sich daran, wie weit der Konzern die Kosten tatsächlich senkt, in China wieder richtig an Schlagkraft gewinnt und den europäischen E-Auto-Markt nicht weiter an günstigere Konkurrenten verliert.

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