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Benzin-Frust: Jetzt regt sich der Widerstand aus Volk und Gewerbe
Erst machte die Politik Druck wegen der hohen Spritpreise. Jetzt wehren sich auch das Volk und das Gewerbe: Zwei Petitionen fordern Entlastungen an der Zapfsäule, der Nutzfahrzeugverband verlangt Hilfe für Transportunternehmen. Der Druck auf den Bund wächst.
Tanken bleibt für viele Autofahrende ein teures Vergnügen. Doch der Widerstand gegen die hohen Spritpreise wird breiter. Nach politischen Vorstössen werden nun auch in der Bevölkerung Unterschriften gesammelt.
So hat der Verein «Wir bestimmen» am 18. September eine Petition gestartet. Er fordert unter anderem eine temporäre Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe und Heizöl sowie des nicht zweckgebundenen Anteils der Mineralölsteuer. Zudem verlangt der Verein mehr Transparenz darüber, wie sich die Treibstoffpreise zusammensetzen. Aktuell zählt die Petition rund 700 Unterschriften.
Es ist nicht die einzige Unterschriftensammlung. Auch SVP-Nationalrat Thomas Knutti will den Druck auf den Bundesrat erhöhen. Bereits mit einem parlamentarischen Vorstoss hatte er wissen wollen, was die Landesregierung gegen die hohen Treibstoffpreise unternehmen will. Die Antwort fiel ernüchternd aus: Einen Eingriff in die Preisbildung hält der Bundesrat nicht für zielführend (STREETLIFE berichtete). Ein vollständiger Verzicht auf Mineralölsteuer und Mineralölsteuerzuschlag würde zudem durchschnittlich rund 368 Millionen Franken pro Monat kosten.
Bereits 10 Prozent der Unterschriften eingeholt
Knutti gibt sich damit nicht zufrieden. Am vergangenen Donnerstag lancierte er eine eigene Petition. Seine Forderung: Die Mineralölsteuer soll für zwei Monate vollständig ausgesetzt werden. Die Unterschriften kommen im Tausender-Takt: Nach nur fünf Tagen zählt Knuttis Petition bereits über 5000 Unterstützer. Ziel sind 50'000.
«Der Bund hat einen direkten Hebel in der Hand: Auf jeden Liter Diesel erhebt er 79.57 Rappen Mineralölsteuer und Mineralölsteuerzuschlag. Bei Benzin sind es 76.82 Rappen. Wenn die Treibstoffpreise so stark steigen, darf der Staat nicht einfach zuschauen», so Knutti.
Die Rückmeldung auf die Petition war gross: «Am Donnerstag war ich vom Morgen bis am Abend nur am Telefon. Ich erhielt nicht nur Anfragen von Medien, sondern auch viel Zuspruch aus der Bevölkerung.» Für ihn ist klar: «Der Bundesrat muss jetzt handeln. Wie im Sommer, als er wegen der Trockenheit eine Soforthilfe sprach.»
Ende August griff der Bundesrat den von der Trockenheit betroffenen Bauern unter die Arme: Er stellte zusätzlich 54 Millionen Franken bereit. Das Geld fliesst in zinslose Kredite, damit Betriebe finanzielle Engpässe überbrücken können.
«Auch wenn er nur die Hälfte der Steuern erlässt»
Bei den Treibstoffsteuern scheint die Hürde jedoch grösser zu sein. In seiner Antwort auf Knuttis Interpellation Anfang September machte der Bundesrat klar, dass die Höhe der Mineralölsteuer gesetzlich geregelt ist. Für eine Senkung oder Aussetzung der Steuersätze müsste deshalb zuerst das Mineralölsteuergesetz angepasst werden.
Andere europäische Länder sind bereits einen Schritt weiter. Deutschland senkt die Steuer auf Benzin und Diesel ab Oktober. An der Zapfsäule soll das rund 17 Cent pro Liter ausmachen. Auch Spanien hat die Treibstoffsteuer in diesem Sommer gesenkt. Luxemburg entlastet Autofahrende ebenfalls und reduziert die Belastung bis Ende Jahr um fünf Cent pro Liter.
Knutti hofft, dass sich nun auch in der Schweiz etwas bewegt. Ihm ist bewusst, dass seine Forderung nach einer vollständigen Aussetzung der Mineralölsteuer für zwei Monate kaum eins zu eins umgesetzt werden dürfte. Er setzt deshalb auf einen Kompromiss: «Auch wenn er nur die Hälfte der Steuern erlässt, wäre dem Volk und der Wirtschaft geholfen.»
Dass auch andere gegen die hohen Preise mobilisieren, begrüsst er. «Ich unterstütze alle, die etwas gegen diese hohen Spritpreise unternehmen wollen.»
Auch das Transportgewerbe macht Druck
Mittlerweile schaltete sich auch das Gewerbe ein. Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG wurde aktiv: In einem dringlichen Schreiben an Finanzministerin Karin Keller-Sutter fordert der Verband den Bundesrat auf, rasch zeitlich begrenzte Entlastungsmassnahmen für das Transportgewerbe zu prüfen.
Die hohen Dieselpreise würden die Unternehmen erheblich belasten. Gerade kleinere und mittlere Transportunternehmen könnten die zusätzlichen Kosten bei bestehenden Verträgen oftmals nicht an ihre Kunden weitergeben, argumentiert der Verband. Konkret fordert die ASTAG unter anderem Steuergutschriften auf Treibstoffkosten sowie eine temporäre Entlastung bei Abgaben und Gebühren.
Knutti unterstützt auch diese Forderungen. Er sitzt im Beirat der ASTAG – angesichts der steigenden Preise habe er dem Verband signalisiert, dass nun ebenfalls eine Reaktion nötig sei.
Bund prüft Forderungen aus der Wirtschaft
Beim Bund stossen die neuen Forderungen zumindest teilweise auf offene Ohren. Das Eidgenössische Finanzdepartement will sich zum Schreiben der ASTAG allerdings nicht äussern. Der Grund: Es handle sich um einen offenen Brief.
Konkreter wird das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Mediensprecherin Françoise Tschanz bestätigt auf Anfrage, dass Forderungen aus der Wirtschaft derzeit angeschaut werden: «Es gibt Anträge aus Branchen, die von steigenden Treibstoffpreisen betroffen sind. Diese Anträge werden derzeit geprüft.»
Wann der Bund doch handeln würde
An der grundsätzlichen Haltung des Bundesrats ändert sich vorerst aber nichts. Die Treibstoffpreise seien zwischen Dezember 2025 und August 2026 je nach Treibstoff um gut 15 bis 20 Prozent gestiegen. Sie lägen jedoch weiterhin unter den Höchstständen der Energiekrise von 2022. Bereits im Mai hatte der Bundesrat verschiedene Massnahmen zur Senkung der Treibstoffpreise abgelehnt.
Entscheidend ist für den Bund vor allem, was die hohen Preise mit der Schweizer Wirtschaft machen. «Massgeblich sind die Auswirkungen auf die Inflation und die Wirtschaftsentwicklung», erklärt Tschanz. Aktuell rechnet der Bund trotz hoher Energiepreise weiterhin mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1,7 Prozent im laufenden und 1,6 Prozent im kommenden Jahr. Die Inflation dürfte in beiden Jahren bei 0,6 Prozent liegen.
Weitere Entlastungen wären laut SECO insbesondere dann ein Thema, wenn die hohen Treibstoffpreise erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hätten und die bestehenden Instrumente wie Arbeitslosenversicherung und Kurzarbeitsentschädigung nicht mehr ausreichen würden.
Sollte der Bund zusätzliche Massnahmen beschliessen, nennt das SECO drei Bedingungen: Sie sollten möglichst zielgerichtet, zeitgerecht und befristet sein.
Knutti und seine Mitstreiter setzen jedenfalls darauf, dass der wachsende Druck etwas bewegt. Für den Berner SVP-Nationalrat ist klar: «Es muss einfach etwas gehen.»

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